Fortbildungskonzept "Songwriting mit KI. Digitale Partner im kreativen Prozess!?"

Inhalt

Fortbildungskonzeption

Einführung in die Fortbildungskonzeption

Künstliche Intelligenz (KI) verändert nicht nur die Art und Weise, wie Musik erfunden und produziert wird. Sie verändert auch unser Handeln. Durch den Einsatz von KI entsteht täglich neue Musik, die bereits vielerorts zu finden ist, wie z.B. in den Playlists diverser Streaminganbieter - und damit auch auf den Smartphones vieler Schüler:innen. Während KI zunehmend zu einem Teil ihrer Lebenswelt wird, fordern verschiedene Akteur:innen der Bildungspolitik, dass Schüler:innen in der Schule einen selbstbestimmten, kritisch-reflexiven Umgang mit KI erlernen müssen (KMK 2024, Unesco, 2025).

Ziel dieses Fortbildungskonzepts ist es deshalb, Lehrkräfte dazu zu befähigen, ihre Schüler:innen am Beispiel des Themas Songwriting zu einem solchen kritisch-konstruktiven Umgang mit KI anzuregen. Lehrkräfte sollen in die Lage versetzt werden, Schüler:innen den Einfluss von KI auf kreative Prozesse erfahrbar zu machen und sie zu einer Reflexion der Technologie selbst, aber auch ihres Umgangs mit dieser anzuregen. Aus diesem Grund wird eine postdigitale, hybride Musikpraxis angestrebt (Buchborn & Treß, 2023). Zur Thematisierung ethischer Aspekte beim KI-Einsatz nimmt die Fortbildung wiederholt Bezug auf das technologiekritische Modell des Technology Education Icebergs (Krutka et al., 2023).

Die Fortbildung eröffnet Lehrkräften die Gelegenheit, sich zunächst selbst mit dem Songwriting mit KI vertraut zu machen, im Rahmen einer professionellen Lerngemeinschaft eigene Unterrichtskonzepte zu entwickeln, zu erproben und sie anschließend kritisch zu reflektieren.

Kompetenzziele

Im Anschluss an DigComp (Vuorikari et al., 2022) und DigCompEdu (Redecker, 2017)

  • Lehrkräfte explorieren KI-Tools und wenden diese in künstlerisch-praktischen Songwriting-Prozessen an (DigComp 5.3).
  • Lehrkräfte reflektieren postdigitale Gestaltungsprozesse in Hinblick auf juristische, ethische, moralische Implikationen, Fragen nach Originalität, Ownership und Kreativität (DigComp, 3.3, 4.2).
  • Lehrkräfte entwickeln Lern-Lehr-Szenarien zu Songwriting mit KI und unterstützen und begleiten selbstständige, künstlerisch-kreative Prozesse von Schüler:innen (DigCompEdu, 3.1).
  • Lehrkräfte reflektieren ihren Unterricht im Rahmen einer professionellen Praxisgemeinschaft (DigCompEdu, 1.3).

Ablauf der Fortbildung

Die Fortbildung ist als Blended-Learning-Veranstaltung angelegt. Sie besteht aus insgesamt vier Phasen:

  • einer Selbstlernphase mit Materialien zu fachwissenschaftlichem und fachdidaktischen Wissen rund um Songwriting und KI,
  • einem Ganztag in Präsenz (8 Stunden ), der sich in eine Phase kreativer Gruppenarbeit und eine Phase der Unterrichtsplanung im Rahmen einer professionellen Lerngemeinschaft gliedert,
  • einer mehrwöchigen Erprobungsphase, in der die Lehrkräfte ihre Unterrichtskonzepte im eigenen Unterricht durchführen,
  • einem Halbtag (2,5 Stunden), der der Reflexion und dem Austausch im Rahmen der professionellen Lerngemeinschaft gewidmet ist.

Die folgende Abbildung bietet einen Überblick über die Struktur der gesamten Fortbildung:

Informationen zur Konzeption der Fortbildungsstruktur

Die Struktur der Fortbildung basiert auf einer Handreichung zur Entwicklung und Gestaltung von Lehrkräftefortbildungen von Sobbe et al. (2025). Den Empfehlungen der Autor:innen entsprechend ist die Fortbildung in Phasen des Inputs, der Erprobung und der Reflexion gegliedert. Die Anlage als Blended Learning-Veranstaltung mit einem online bereitgestellten Selbstlernmodul bietet Lehrkräften die Gelegenheit, sich bereits vor der Präsenzphase ihrem eigenen Vorwissen und den eigenen Interessen entsprechend mit verschiedenen Aspekten des Musizierens mit Motion Capturing Tools vertraut zu machen. Die modulare Struktur ermöglicht Lehrkräften außerdem, Gelerntes zwischen den Lerneinheiten in der Praxis zu erproben und die Erfahrungen der Erprobung im letzten Modul im Rahmen einer professionellen Lerngemeinschaft reflektieren zu können.

Ablauf des Ganztages

Der Ganztag besteht im Wesentlichen aus einer kreativen Gruppenarbeitsphase zum Songwriting mit KI am Vormittag, sowie deren Reflexion und der Entwicklung eigener Unterrichtskonzepte am Nachmittag.

Zur Vorbereitung der Fortbildung können die Teilnehmenden gebeten werden, kurze Statements oder Schlagwörter zur eigenen Erfahrung mit Songwriting und/oder KI abzugeben (z.B. per Mail, per Sprachnachricht,...). Diese können in ein Wordle zusammengefasst und nach der Vorstellungsrunde präsentiert werden.

Uhrzeit, Inhalt & Dauer der Phase

Material

08:50 Uhr Ankommen (10')

Im Raum sind iPads aufgestellt, auf denen der Google Instrument Playground geöffnet ist. Die Teilnehmenden werden aufgefordert, diesen in Partnerarbeit zu explorieren.

iPads, ggf. QR-Code zu Google Instrument Playground

09:00 Uhr Begrüßung & Tagesüberblick (30')

Auf eine Begrüßung im Plenum folgt eine knappe Vorstellungsrunde der Teilnehmenden (z.B. Name, Schule, Erfahrungen mit Songwriting, Erfahrungen mit KI). Ggf. wird ein Wordle o.Ä. zur Übersicht über Erfahrungen der Fortbildungsteilnehmenden mit Songwriting und/oder KI vorgestellt.

 

09:30 Uhr Einführung Songwriting (45')

Schritt 1: Ein KI-generierter Song (wie z.B. Black Hole von Rosalie Heep) wird im Plenum angehört. Die Lehrkräfte äußern Vermutungen zu folgender Aussage:

  • Diese musikalischen Parameter/Bestandteile des Songs wurden unter Einsatz von KI entwickelt…

Antworten werden auf Metaplankarten mitgeschrieben und für alle sichtbar ausgelegt. Es folgt eine Auflösung.

Song, Lautsprecher, Metaplankarten, Stifte, Beamer, Laptop

Schritt 2: Als Ausgangspunkt der Fortbildung wird der Songcircle vorgestellt. Betont wird:

  • Song und Songwritingprozess bestehen aus verschiedenen Elementen. Man kann bei jedem Element starten und von dort aus zu jedem anderen Element weitergehen.
  • Bei KI-Nutzung kann jeder Bestandteil, der unter Einbindung von KI entstand, ein Anlass für Reflexion sein.

Beamer, Laptop

Schritt 3: Ein wesentlicher Aspekt der Fortbildung ist die Erweiterung der eigenen künstlerischen Fachpraxis der Lehrkräfte durch den Einbezug von KI ins Songwriting. Sie werden gebeten, sich auf einen kreativen Prozess einzulassen.

Zur Vorbereitung folgt ein Überblick über den Aufbau der Unterrichtsbausteine mit der Erklärung, unter welcher Rubrik (z.B. Prompten & Protestieren) welche Informationen zu finden sind. Die Aufgabe, einen Song zu schreiben, wird vorgestellt.

Beamer, Laptop

10:15 Uhr: Pause (15')

10:30 Uhr Songwriting (120')

Die Teilnehmenden finden sich in Gruppen zusammen. Jede Gruppe schreibt gemeinsam einen Song. Dabei greifen die Lehrkräfte, wo nötig auf Informationen aus den Unterrichtsbausteinen zurück.

Instrumente, iPads oder Laptops

12:30 Uhr: Pause (60')

13:30 Uhr Werkstattkonzert (30')

Jede Gruppe präsentiert im Plenum ihre Gruppenergebnisse und berichtet kurz vom eigenen Vorgehen.

Lautsprecher

14:00 Uhr Reflexion des künstlerischen Prozesses (45')

In Gruppen diskutieren die Lehrkräfte die folgenden Impulse:

  • Hier waren KI-Tools nützlich, haben den kreativen Prozess unterstützt und uns die Arbeit erleichtert...
  • Hier waren KI-Tools hinderlich...
  • Hier hört man, dass der Song meine Handschrift/die der KI-Tools/eine Mischung trägt…

Nach einem kurzen Bericht aus den Gruppen werden im Plenum einzelne Aspekte vertieft. Ggf. können vertiefende Fragen aus dem Technology Education Iceberg herangezogen werden.

Plenum

14:45 Uhr: Pause (15')

15:00 Uhr Unterrichtsplanung (75')

Im Plenum werden als zwei mögliche Ausgangspunkte für die Planung des Unterrichts der Song Stripe und das Vier-Räume-Modell kurz vorgestellt. Es folgt ein erneuter Verweis auf die Unterrichtsbausteine.

Die Lehrenden finden sich zu Gruppen mit ähnlichen Unterrichtsinteressen zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Ideen, skizzieren Unterrichtsverläufe und ggf. erste Entwürfe für Materialien. Sie halten ihre Gedanken auf einem Plakat fest. Ggf. vereinbaren sie Termine für die weitere Zusammenarbeit in der Gruppe oder mit Einzelnen.

Plakate, Stifte

16:15 Uhr Wrap-Up (25')

Mithilfe ihres Plakats berichten die Gruppen im Plenum von ihrem Stand der Planung.

Plakate

16:40 Uhr Ausblick (5')

Wenn nötig, kann im Plenum auf bestimmte Unterseiten des öffentlichen Seminars Songwriting mit KI hingewiesen werden.

Es folgt ein Ausblick auf den restlichen Verlauf der Fortbildung.

 

16:45 Uhr Feedback zum Tag

Im Plenum reagieren die Lehrkräfte auf folgende Impulse:

  • Das nehme ich mit…
  • Das werde ich gleich morgen angehen...
  • Das wünsche ich mir für den kommenden Halbtag…
 

Ablauf des Halbtages

Der Halbtag dient der gemeinsamen Reflexion der Erprobung und dem intensiven Austausch im Rahmen einer professionellen Lerngemeinschaft. Er beinhaltet daher zwei Gruppenphasen, in denen die Lehrkräfte sich gegenseitig Einblicke in 'ihre Klassenzimmer' geben.

Inhalt & Sozialform

Material

14:30 Uhr Begrüßung & Ankommen (15')

Nach einer kurzen Begrüßung im Plenum werden die Lehrkräfte gebeten, jeweils ein Schlagwort zur Unterrichtserprobung auf zwei Metaplankarten zu schreiben. Alle Karten werden auf den Boden gelegt und gemeinsam zu einem großen Schaubild sortiert.

Metaplankarten, Stifte

14:45 Uhr Einstieg in den Erfahrungsaustausch (15')

Diese Plenumsphase dient der anschließenden Gruppenfindung. Zu diesem Zweck stellt jede Lehrkraft - bzw. falls Kooperationen bestanden: jedes Lehrkräfteteam - in zwei bis drei Sätzen vor, was im Unterricht passiert ist.

 

15:00 Uhr Unterrichtspraktischer Erfahrungsaustausch (30')

In Gruppen mit ähnlichen Unterrichtskonzepten tauschen sich die Lehrenden über folgende Impulse aus:

  • Das haben wir im Unterricht gemacht (z. B. Lerngruppe, Phase des Unterrichts, Tools, Materialien)...
  • Diese Situationen sind mir im Gedächtnis geblieben (z. B. überraschende, irritierende, gelungene oder auch schwierige Momente)...
  • So habe ich diese Situationen erlebt (z. B. in Bezug auf Ablauf, Beteiligung oder eure eigene Rolle)...

Ggf. QR-Code zu einer Plattform, auf der Unterrichtsmaterialien ausgetauscht werden können

15:30 Uhr KI-bezogener Erfahrungsaustausch (30')

Auf Wunsch können sich die Teilnehmenden in neuen Gruppen zusammenfinden. Dort tauschen sie sich über folgende Impulse aus:

  • So habe ich die Auseinandersetzung mit KI im Musikunterricht erlebt...
  • Das ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben...
  • Das ist meinen Schüler:innen im Gedächtnis geblieben...
  • Das hat die Auseinandersetzung bei mir angestoßen oder offengelassen...

Falls noch Zeit bleibt, können folgende Themen angesprochen werden:

  • KI & Kreativität
  • Motivation
  • das Gefühl eigener Urheberschaft
  • das Sich-Identifizieren mit dem Ergebnis
  • Erfahrungen zum (Umgang mit) Bias von KI
  • Kosten von KI-Nutzung
  • Barrierefreiheit der verwendeten KIs

Ggf. QR-Code zu einer Plattform, auf der Unterrichtsmaterialien ausgetauscht werden können

16:00 Uhr: Pause (15')

16:15 Uhr Bericht aus den Gruppen (15')

Im Plenum berichten die Gruppen kurz zentrale Ergebnisse aus der letzten Diskussion.

 

16:30 Uhr Listening Session / Ausblick (15')

Ggf. können Songs von Schüler:innen angehört oder Unterrichtsmaterialien im Plenum gezeigt und diskutiert werden. Alternativ bleibt Zeit für einen letzten Ausblick auf Chancen, Gelingensbedingungen, Hürden, Risiken und Zukunftsperspektiven beim Thema Songwriting mit KI.

Lautsprecher, Beamer, Laptop

16:45 Uhr Feedback zur Fortbildung

Im Plenum reagieren die Lehrkräfte auf folgende Impulse:

  • Das nehme ich mit…
  • Das werde ich gleich morgen angehen...
  • Dafür brauche ich noch etwas Zeit und/oder Unterstützung...
 

Alternativvorschläge zur Fortbildungskonzeption

Grundsätzlich können die Materialien flexibel eingesetzt und auch zur Erbringen einer Onlinefortbildung genutzt werden. Falls weniger Zeit besteht als angegeben oder ein Wunsch nach mehr Fokus könnten beispielsweise folgende Änderungsvorschläge herangezogen werden.

Ganztag:

  • Bitte an die Teilnehmenden, in der Vorbereitung bereits konkrete Produktteile zu erstellen, z.B. Songtext, Chord Progression
  • Begrenzung der kreativen Gruppenarbeit auf einen oder mehrere Unterrichtsbausteine, auf ein digitales Tool pro Unterrichtsbaustein, auf das Schreiben eines einzigen Formteils (z.B. Refrain)
  • Arbeitsteiliges Vorgehen in der kreativen Gruppenarbeit: jede Gruppe befasst sich mit einem anderen Unterrichtsbaustein, die Erfahrungen werden anschließend im Plenum zusammengetragen
  • Gemeinsame, längere Erkundung eines einzelnen Tools im Plenum, kürzere kreative Gruppenarbeitsphase mit einem weiteren Tool

Halbtag:

  • Materialien werden bereits vorab online ausgetauscht
  • nur eine Phase des Austauschs
  • Lehrende werden gebeten, bereits vorab Stichworte zu ihren Erfahrungen zu schicken, Austausch zu konkreten Themen die sich daraus ergeben

Lizenz: Die abgebildeten Logos sind von der CC-BY-SA-4.0 Lizenz ausgenommen.

Die Entwicklung dieser Materialien erfolgte durch die Hochschule für Musik Freiburg und die Pädagogische Hochschule Freiburg in Kooperation mit Fortbildnern des ZSL Freiburg. Sie ist Teil des Projektes KuMuS-ProNeD.

Die Entwicklung und Erstellung dieser Materialien ist finanziert durch die Europäische Union – NextGenerationEU und gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Weitere Informationen finden Sie unter lernen.digital. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die der/des Autor:innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union, Europäischen Kommission oder des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend wider. Weder Europäische Union, Europäische Kommission noch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend können für die Inhalte verantwortlich gemacht werden.

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