Musiktheoretisches Propädeutikum: Einheit 12 – Grundlagen Partiturkunde

Besetzungen, klassisches und romantisches Orchester, Stimmungssysteme – PDF


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Besetzungstypen

Kategorie

Vertretene Instrumente und Stimmen

(a) Solistische Musik   

Werke für ein einzelnes Instrument oder eine einzelne Singstimme, evtl. mit Begleitung

(b) Kammermusik

Werke für zwei bis neun Instrumente: Duo, Trio, Quartett, Quintett, Sextett, Septett, Oktett, Nonett

Vokale Kammermusik: Werke für Singstimmen (Duett, Terzett, Quartett etc.); auch instrumental-vokale Mischbesetzungen

(c) Chormusik

Werke für gleichstimmigen oder gemischten Chor; Werke für Chor mit Solostimmen oder mit Instrumenten

(d) Symphonik

Werke für Orchester; Werke für ein Soloinstrument oder eine Stimme mit Orchester; Werke für Chor und Orchester

Partitur = Notenausgabe, in der sämtliche Stimmen eines Werkes untereinander notiert werden; wird zum Dirigieren verwendet
Akkolade = alle gleichzeitig erklingenden Systeme einer Partitur, mit durchgehendem Anfangstaktstrich verbunden
System = eine Notenzeile einer Partitur oder einer Stimme (meist mit 5 Linien); manche Instrumente benötigen 2 oder 3 Systeme
Stimmauszug = Notenausgabe, die die Partie nur eines einzelnen Instruments aus einem symphonischen oder kammermusikalischen Werk enthält
Klavierauszug = Notenausgabe, die die Solostimme(n) und eine Zusammenfassung aller Orchesterstimmen als Klaviersatz enthält

 

 

Beispielakkolade einer Orchesterpartitur mit deutschen und italienischen Bezeichnungen
obere Hälfte: Holzbläser und Blechbläser | untere Hälfte: Schlagwerk, Harfe, Streicher
Lizenz: CC0 | gemeinfrei

Frühklassisches, klassisches und romantisches Symphonieorchester

 

Besetzung um 1750

Besetzung um 1800

Besetzung um 1870

Holzbläser

evtl. 1 Flöte

2 Flöten

3 Flöten (incl. Piccoloflöte)

2 Oboen

2 Oboen

3 Oboen (incl. Englischhorn)

 

2 Klarinetten

3 Klarinetten (incl. Bassklarinette)

evtl. 1 Fagott

2 Fagotte

3 Fagotte (incl. Kontrafagott)

Blechbläser

2 Hörner

2 Hörner

4 oder mehr Hörner (Ventilinstrumente)

2 Trompeten

2 Trompeten

2 oder mehr Trompeten (Ventilinstrumente)

  

3 Posaunen (Alt, Tenor, Bass)

1 Tuba

Schlagwerk
und weitere
Instrumente

2 Pauken

2 Pauken

2 oder mehr Pauken

  

evtl. kleine Trommel, große Trommel, Becken, Triangel

evtl. 1 oder 2 Harfen, evtl. Celesta

Solistische Partien

evtl. Soloinstrumente: Violine, Klavier etc., Solo-Singstimmen; Chorstimmen (SATB) über dem untersten System

Streicher

Violinen I

Violinen I

Violinen I

Violinen II

Violinen II

Violinen II

Violen

Violen

Violen (evtl. geteilt)

Violoncelli und
Kontrabässe

Violoncelli

Violoncelli (evtl. geteilt)

Kontrabässe

Kontrabässe

Anordnung: Registerartige Gruppierung der Instrumentenfamilien von oben nach unten

  • Holzblasinstrumente (einfach oder mehrfach besetzt, oft zwei Stimmen auf einem System notiert)
  • Blechblasinstrumente (einfach oder mehrfach besetzt)
  • Schlagwerk, evtl. Harfe(n), Celesta oder andere Tasteninstrumente
  • evtl. solistisch eingesetzte Instrumente oder Singstimmen, evtl. Chorstimmen
  • Streichinstrumente (chorisch besetzt, Violinen stets geteilt)

Klammern: Zusammenfassung von Instrumentengruppen

  • Gerade Akkoladenklammern [ fassen die oben genannten Instrumentenfamilien zusammen
  • Geschweifte Gruppenklammern { fassen gleiche oder auf mehreren Systemen notierte Instrumente zusammen
  • Innerhalb der Instrumentenfamilien werden die Systeme nach Tonhöhe angeordnet (Ausnahme: Horn über Trompete)

Schlüsselung: Gebräuchliche Schlüssel in Orchesterpartituren

  • Violinschlüssel (ggf. nach oben oktaviert): für alle Diskantinstrumente
  • Altschlüssel (in hoher Lage: Wechsel zum Violinschlüssel): für Viola und Altposaune
  • Bassschlüssel (ggf. nach unten oktaviert; in hoher Lage: Wechsel zum Tenorschlüssel oder Violinschlüssel)

Transponierende Instrumente: Klang weicht von der Notation ab

  • Gleiche Noten symbolisieren gleiche Griffe, führen aber je nach Bauform und Größe des Instruments zu unterschiedlichen Tonhöhen
  • Holzbläser: Altflöte (in G); Englischhorn (in F); Klarinetten (in Es, D, C, B, A); Saxophone (in Es, B)
  • Blechbläser: Naturhörner (früher in allen erdenklichen Stimmungen, heute meist in F oder B); Naturtrompeten (in F, Es, D, C, B)
  • Oktaviert notierte Instrumente: Piccoloflöte (8↑); Bassklarinette, Kontrafagott, Kontrabass (8↓)

Stimmungssysteme

Stimmung

Merkmale

Pythagoräische Stimmung

auf Grundlage reiner Quinten; die zwölfte Quinte (›Wolfsquinte‹) weicht um ein pythagoräisches Komma
von der siebten Oktavierung ab

Reine Stimmung

Intervalle über einem Grundton werden aus der Partialtonreihe abgeleitet und schwebungsrein gestimmt

Mitteltönige Stimmung

auf Grundlage reiner großer Terzen, nur Tonarten mit wenigen Vorzeichen klingen akzeptabel;
die vierte Quinte weicht um ein syntonisches Komma von der Oktavierung der Terz ab

Ungleichschwebende Stimmungen

auch: wohltemperierte Stimmungen; Anpassung aller Intervalle außer der Oktave,
alle Tonarten sind spielbar, klingen aber unterschiedlich

Gleichstufige Stimmung

alle Halbtonschritte sind gleich groß, keine reinen Intervalle außer Oktaven; alle Tonarten klingen identisch

Aufgaben zur Einheit 12
  1. Bearbeiten Sie das Arbeitsblatt 12, das einige zu den Inhalten dieser Einheit korrespondierende Übungen enthält,
    oder bearbeiten Sie das Tutorial zum Arbeitsblatt 12.
  2. Hören Sie Beispiele für Orchesterbesetzungen verschiedener Epochen und Komponisten:
    • Frühklassisches Orchester: Joseph Haydn, Symphonie Nr. 7 C-Dur Hob. I:7 »Der Mittag«, III. Satz
    • Klassisches Orchester: Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 8 F-Dur op. 93, I. Satz
    • Romantisches Orchester: Johannes Brahms, Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73, IV. Satz