Sonatenhauptsatzform (ABA)

In dieser Einheit erfährst du mehr über das Modell der Sonatenhauptsatzform. Aber vielleicht auf eine neue Art, wenn du nicht auf ›Themen‹, sondern auf ›Licht und Schatten‹ in der Musik achtest.

Den Arbeitsbogen zu dieser Einheit (für dein Tablet oder zum Ausdrucken) kannst du die hier herunterladen:
Die Sonatenhauptsatzform (ABA) (PDF)

Inhalt

Ein vierteiliges Modell

Die folgende Abbildung zeigt die Sonatenhauptsatzform (ABA-Form), mit der sich häufig der Kopf- oder Schlusssatz einer Sonate oder Sinfonie angemessen beschreiben lässt. Als Exposition wird der erste große Hauptabschnitt der Sonatenhauptsatzform bezeichnet, die Reprise ist die Wiederkehr der Exposition und zwischen Exposition und Reprise liegt die Durchführung:

Die Lautstärkediagramme zeigen drei Expositionen von Sinfonien Mozarts. Man kann gut sehen, dass in diesen Expositionen laute und leise Teile abwechseln. In den lauten Teilen spielen alle (Tutti) kleinere Notenwerte bzw. schnell und laut (»Tuttilärm«). Für die leisen Teile hingegen sind ruhigere Streicherklänge typisch, Bläser sind hier nur vereinzelt und üblicherweise solistisch zu hören (z.B. im Bereich des Seitensatzes).

Der erste Teil, der in den oben abgebildeten Expositionen entweder leise erklingt oder in dem laute und leise Abschnitte abwechseln, heißt

  • Hauptsatz.

Dem Hauptsatz folgt in der Regel ein längerer lauter Abschnitt, der mit einem Halbschluss endet und in die Nebentonart führt (in Sonaten und Sinfonien ist das wie im Menuett die V. Stufe). Dieser Abschnitt wird als

  • Überleitung

bezeichnet. Der nach einer lauten Überleitung erklingende leise Teil heißt

  • Seitensatz,

dem eine

  • Schlussgruppe

folgt, die wiederum ein lauter Teil ist und die Exposition effektvoll beendet.

Natürlich gibt es auch Expositionen, die einen anderen als den oben abgebildeten Formverlauf haben. Dennoch ist das Lautstärkemodell leise-laut-leise-laut (wobei im ersten Abschnitt laute und leise Abschnitte schnell wechseln können) bei der Orientierung in unbekannten Expositionen hilfreich. Denn es lässt sich dazu verwenden, dass man Abweichungen vom Schema messen bzw. erkennen kann (z.B. die Besonderheit eines durchgängig lauten Anfangs usw.).

Höraufgaben

Höre dir die folgenden drei Beispiel an und lese dabei das jeweilige Lautstärkediagramm in der Abbildung oben mit.

W. A. Mozart, Sinfonie Es-Dur KV 132, 1. Satz, Exposition

--:-- / --:--

Quelle: YouTube

W. A. Mozart, Sinfonie Es-Dur KV 542, 1. Satz, Exposition

--:-- / --:--

Quelle: YouTube

W. A. Mozart, Sinfonie Es-Dur KV 542, 1. Satz, Exposition

--:-- / --:--

Quelle: YouTube

Das Modell schematisch

Die Exposition einer Sinfonie um 1800 dauert durchschnittlich nur wenige Minuten. Dadurch ist es recht einfach, mehrere Sinfonieexpositionen zu vergleichen und mit dem Lautstärkemodell zu vermessen. Höre dir vier Expositionen aus Sinfonien von Mozart an und zeichne jeweils ein Lautstärkediagramm. Entscheide anschließend, welche Expositionen dem Modell entsprechen und welche nicht. Das vierteilige Modell kannst du hier noch einmal schematisch sehen:

Ein sechsteiliges Modell

Die Lautstärkediagramme der drei folgenden Sinfonieexpositionen zeigen, dass es auch Expositionen gibt, die sich über ein sechsteiliges Dynamikmodell angemessen verstehen lassen:

Vier- und sechsteiliges Formmodell zur Höranalyse von Sinfonien, aus: Ulrich Kaiser, Formenlehre der Musik, Karlsfeld 2019, Lizenz: CC-BY-4.0

Höraufgaben

Höre dir die folgenden drei Beispiel an und lese dabei das jeweilige Lautstärkediagramm in der Abbildung oben mit.

--:-- / --:--

W. A. Mozart, Sinfopnie in A-Dur KV 201
Concertgebouw Chamber Orchestra (live), Quelle: YouTube

--:-- / --:--

W. A. Mozart, Sinfonie in D-Dur KV 297, 1. Satz, Exposition, Quelle: YouTube

--:-- / --:--

Joseph Haydn, Sinfonie in G-Dur Hob.I:100, 1. Satz, Exposition, Quelle: YouTube

Höraufgaben

Höre dir nun drei weitere Sinfonieexpositionen verschiedener Komponisten an und entscheide, ob diese dem vier- bzw. sechsteiligen Modell oder keinem der beiden Modelle entsprechen:

Sinfonien zum Anhören auf YouTube (mit Rechtsklick im neuen Browser-Tab öffnen):

  1. W. A. Mozart, Sinfonie in F-Dur KV 112, 1. Satz, Exposition (1771)
--:-- / --:--

Felix Mendelssohn Bartholdy, Sinfonie Nr. 1 in c-Moll op. 11, 1. Satz: Allegro di molto Hochschulsymphonieorchester (München), Ltg. Marcus Bosch Konzertmitschnitt mit Postproduktion der Hochschule für Musik und Theater München 2023, Lizenz: CC-BY-SA-4.0

--:-- / --:--

Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 5 in c-Moll Op. 67, Philharmonia Orchestra, Herbert von Karajan, Erstveröffentlichung: 1955, Lizenz: Public Domain (CC0-1.0)