Kurzvideos: Musikvideos & Social Media

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In dieser Einheit geht es um musikbezogene Kurzvideos auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, YouTube und Instagram sowie um die Frage, wie Musik, Trends, Algorithmen und digitale Mitmachkulturen dort zusammenwirken. Anhand verschiedener Videoformate untersuchen die Lernenden, welche Rolle Musik für Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit und virale Verbreitung spielt und wie Plattformen die Produktion und Rezeption musikalischer Inhalte prägen. Dabei werden Chancen und Risiken sozialer Medien ebenso thematisiert wie Remix-Kultur, Challenges und algorithmische Empfehlungsmechanismen.

Die Einheit verbindet die Analyse populärer Kurzvideos mit eigenen kreativen Gestaltungsprozessen. Die Schüler:innen entwickeln und produzieren eigene Open-Verse-Challenges, erproben performative Ausdrucksformen wie Tutting und reflektieren ihre Erfahrungen im Kontext digitaler Medienkulturen. So verbindet das Material Musikunterricht, Medienbildung und kulturelle Bildung und eröffnet einen lebensweltnahen Zugang zu Musikvideos und Social Media.

Das Lehr- und Lernmaterial ist Teil der Reihe MUSIKVIDEOS IM UNTERRICHT und kann HIER heruntergeladen werden.

Inhalt

SOCIAL MEDIA & LEBENSWELT | #FORYOU

Social-Media-Nutzung im Überblick

Die Nutzung sozialer Medien und Videoplattformen wie TikTok und YouTube ist unter Jugendlichen in Deutschland weit verbreitet. Laut der JIM-Studie 2025 verbringen Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren durchschnittlich etwa 231 Minuten pro Tag online. Soziale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle.

Besonders beliebt sind TikTok, Instagram und YouTube, die zu den meistgenutzten Plattformen unter Jugendlichen zählen. TikTok wird dabei vor allem als Plattform für Unterhaltung und Trends geschätzt, während YouTube vielseitiger für Information und Lernen eingesetzt wird.

Auf TikTok liegt der Fokus vor allem auf kurzen, unterhaltsamen Inhalten, die durch algorithmische Empfehlungen gezielt ausgespielt werden. Die Interaktion mit Trends, Challenges und Musikformaten motiviert viele Jugendliche, Inhalte nicht nur zu konsumieren, sondern auch selbst zu produzieren. Dennoch ist der Anteil aktiv produzierender Nutzer deutlich geringer als der Anteil der Nutzer, die Inhalte ausschließlich konsumieren.

Die große Mehrheit der Jugendlichen konsumiert regelmäßig Videos – nur ein kleinerer Teil produziert selbst Content.

Ein weiteres verbreitetes Phänomen ist das sogenannte „Doomscrolling“: Viele Jugendliche berichten, dass sie übermäßig viel Zeit damit verbringen, sich durch negative oder beunruhigende Inhalte zu scrollen, oft mit dem Gefühl, nicht aufhören zu können. Gleichzeitig sind sie sich jedoch der Risiken wie Fake News und Filterblasen bewusst, die in sozialen Netzwerken verbreitet sind.

Studien wie die SINUS-Jugendstudie 2024 und Berichte von klicksafe unterstreichen, dass Social Media für Jugendliche eine zentrale Informationsquelle darstellt und maßgeblich ihren Austausch über gesellschaftliche Themen wie Umwelt, Politik oder soziale Fragen prägt.

TikTok – Wie kurze Clips Millionen erreichen

Das Erfolgsrezept von TikTok

TikTok hat sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Social-Media-Plattformen im deutschsprachigen Raum entwickelt. Besonders bei jungen Menschen erfreut sich die App großer Beliebtheit. Der Erfolg der Plattform hängt dabei eng mit der Kombination aus kurzen Videoformaten, musikalischen Trends und einer personalisierten Inhalteauswahl zusammen, die Nutzer:innen fortlaufend neue Videos präsentiert.

Nutzerbasis und Demografie

In Deutschland nutzen rund 25 Millionen Menschen TikTok regelmäßig (Stand 2025). Die App ist besonders bei jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren beliebt. Nach aktuellen Erhebungen (2025) ist ein Großteil der Nutzer:innen jünger als 30 Jahre. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die durchschnittliche Nutzungsdauer: Deutsche TikTok-Nutzer verbringen im Schnitt etwa 55 Minuten pro Tag in der App (2024/2025). Das zeigt, wie stark TikTok in den Alltag integriert ist und wie fesselnd die Inhalte für die Nutzer:innen sind.

Engagement und Nutzerverhalten

Einer der Hauptgründe für die hohe Nutzerbindung ist der Algorithmus von TikTok. Dieser sorgt dafür, dass jede:r Nutzer:in eine personalisierte Auswahl an Videos erhält. Dies geschieht über die sogenannte „Für dich“-Seite (englisch: For You Page, kurz FYP). Auf dieser Seite werden Videos angezeigt, die basierend auf den Interessen und dem bisherigen Nutzungsverhalten der Person zusammengestellt werden. Dadurch bleibt TikTok für die Nutzer:innen spannend, da sie ständig neue, relevante Inhalte entdecken können.

Trends, Musik und Interaktivität

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg der Plattform sind interaktive Trends, Musik und Challenges. Viele Inhalte greifen aktuelle Sounds oder Musikstücke auf, die von Nutzer:innen in eigenen Videos weiterverwendet werden. Musik spielt dabei eine zentrale Rolle für das Nutzungserlebnis und trägt wesentlich zur viralen Verbreitung von Inhalten bei. Dies unterstreicht, wie wichtig der Einsatz von Musik für den Erfolg von TikTok-Videos ist.

Umsatz und Monetarisierung

TikTok ist nicht nur eine Plattform für Unterhaltung, sondern auch ein bedeutendes Geschäft. Der Großteil der Einnahmen stammt aus Werbung – genauer gesagt, etwa 80 % des Umsatzes werden durch Werbeanzeigen (englisch: Ads) generiert. Dabei nutzt TikTok verschiedene Werbeformate, um Marken dabei zu helfen, ihre Zielgruppe zu erreichen. Unternehmen nutzen die Plattform gezielt, um insbesondere jüngere Zielgruppen zu erreichen.

Downloads und Reichweite

TikTok gehörte auch 2025 zu den meistgeladenen Apps der Welt – auch in Deutschland ist die Nachfrage ungebrochen. Die große Beliebtheit der Plattform führte dazu, dass Konkurrenten wie Instagram und YouTube eigene Kurzvideo-Formate entwickelten. Instagram Reels und YouTube Shorts gelten als direkte Alternativen zu TikTok.

Diese Entwicklungen zeigen, dass TikTok die Social-Media-Welt nachhaltig geprägt hat und auch die Art und Weise beeinflusst, wie Menschen mit Marken und Produkten interagieren. Der Trend geht immer stärker in Richtung visueller und interaktiver Inhalte, bei denen Musik, Effekte und Mitmach-Aktionen eine große Rolle spielen.

Einflussfaktoren Algorithmen

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Wie geht eigentlich ein Video viral?

Auf Plattformen wie TikTok entscheiden nicht Zufall oder Qualität allein darüber, wie viele Menschen ein Video sehen. Sichtbarkeit entsteht durch das Zusammenspiel von Inhalt, Nutzerverhalten und algorithmischen Prozessen. Die folgenden Aspekte beschreiben typische Merkmale, die häufig mit erfolgreichen oder stark verbreiteten TikTok-Videos in Verbindung gebracht werden.

PLATTFORMLOGIK & REMIX-KULTUR | #ALGORITHMUS

„Remix-Kultur vom Feinsten“ (Rezo)

Ein zentrales Merkmal popkultureller Medien ist der Umgang mit bereits existierendem Material. Songs, Videos, Bilder oder Filmszenen werden aufgegriffen, verändert, neu kombiniert und in einen anderen Zusammenhang gestellt. Man spricht dabei von Remix, Mashup, Cover, Sample oder Re-Enactment.

Gerade auf Plattformen wie TikTok, YouTube oder Instagram ist dieses Prinzip allgegenwärtig: Inhalte entstehen selten „aus dem Nichts“, sondern bauen auf Bekanntem auf. Genau darin liegt ihre Stärke – Wiedererkennung trifft auf kreative Abwandlung. Remix-Kultur ist deshalb kein Randphänomen, sondern ein Grundprinzip von Popkultur.

Ein ausführliches Beispiel, das eine besonders komplexe Remix-Kette enthält, ist die sogenannte Anxiety-Challenge.

Die Anxiety-Challenge – ein „deep-remixiger“ Trend

Beispiel: Anxiety-Challenge

In den Videos zur Anxiety-Challenge sind meist eine oder mehrere Personen zu sehen, die zu dem Song „Anxiety“ von Doechii eine kurze, wiedererkennbare Bewegungsabfolge ausführen. Eine Person bewegt sich zur Musik, während eine zweite Person im Hintergrund dieselben Bewegungen nachahmt. Die Bewegungen orientieren sich an einer bekannten Szene aus der Serie Der Prinz von Bel-Air.

Die Videos greifen immer auf denselben Musikausschnitt zurück; der Sound dient als gemeinsamer Ausgangspunkt, während die visuelle Umsetzung individuell variiert. Die Videos folgen einem festen Grundmuster, lassen aber Raum für persönliche oder kreative Abwandlungen.

Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen älteren Medieninhalten und aktuellen Social-Media-Formaten.

Der YouTuber Rezo hat in einem Video eine anschauliche Analyse der Remix-Ebenen der Challenge vorgelegt (siehe verlinktes Video und Grafik auf S. 18 im PDF-Download).

Rezo erklärt die Remix-Kette der Anxiety-Challenge

Fazit

Die Anxiety-Challenge ist mehr als nur ein Tanztrend. Sie zeigt exemplarisch, wie Social-Media-Inhalte funktionieren: Ein gemeinsamer Sound, wiedererkennbare Bilder und zahlreiche individuelle Varianten verbinden sich zu einem viralen Phänomen. Genau deshalb eignet sich die Challenge besonders gut, um Remix-Kultur auf Social Media zu erklären – denn hier greifen musikalische, visuelle und mediale Ebenen unmittelbar ineinander.

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Die Anxiety-Challenge-Remix-Ebenen
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RISIKEN & REFLEXION | #NOFILTER

Risiken und Nebenwirkungen von Social Media

Diese Begriffe geben Anlass, über eigene Erfahrungen, Beobachtungen und Fragen im Umgang mit Social Media nachzudenken.

Risiken und Nebenwirkungen von Social Media

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Kritische Aspekte in der Diskussion

Unten sind einige kritische Aspekte aufgelistet, die mit der Nutzung von Social Media verbunden sind. Sie bieten eine Grundlage für kritische Diskussionen und fördern das Verständnis für die komplexen Auswirkungen von Social Media auf das Leben von uns allen.

Diskutiert die Aspekte in Partnerarbeit: Inwiefern seid ihr mit diesen Themen bereits in Kontakt gekommen?

VIDEOFORMATE & MUSIKALISCHE STRATEGIEN | #CONTENT

Systematik von Video-Content-Kategorien

Matt Gielens Video-Kategorien

Matt Gielen ist ein Experte für digitale Medien, der Strategien entwickelt, um Videos für Social-Media-Plattformen so zu gestalten, dass sie Zuschauer:innen ansprechen und leicht gefunden werden. Er hat eine Systematik entworfen, die Videos in bestimmte „Typen“ kategorisiert. Die Übersicht zeigt, dass Videos nicht nur nach Themen, sondern vor allem nach ihrer Funktion unterschieden werden können.

Video-Kategorien

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Video-Kategorien

Musikvideos oder auch: Video-Formate mit „musikalischem Content“

Im nächsten Schritt wird das Format „Musikvideo“ näher betrachtet. Darunter können – neben den ganz „offiziellen“ Musikvideos verschiedener Künstler:innen – jegliche Video-Formate verstanden werden, die Musik bzw. musikalische Performances enthalten und / oder musikbezogene Inhalte zeigen oder vermitteln.

Musikvideokategorien

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Beispiel TikToks: Niedrigschwellige Musikformate

Hier sind verschiedene Kurzvideos, auch „Shorts“ genannt, die Musik auf bestimmte Weise nutzen:

Diese Beispiele zeigen, wie Musik auf Social Media aktiv genutzt, geteilt und im Videoformat festgehalten wird und wie Lernen, Unterhaltung und musikalische Praxis dabei eng miteinander verbunden werden.

MUSIKVIDEO-KATEGORIEN

(1) EXPLAINER musikdurchblick

(2) GESANGS-TUTORIAL cheryl porter

(3) DUET / BACKING alto key

(4) KARAOKE / BACKING sweenypiano

(5) WER-SINGT-CHALLENGE nove voce choir

(6) COVER cameron goode Talking to the Moon von Bruno Mars


Beispiel TikToks: Komplexe Musikformate

Neben leicht zugänglichen Formaten gibt es auf Social Media auch musikalische Kurzvideos, die technisch, strukturell oder performativ anspruchsvoll sind:

Diese Beispiele verdeutlichen, wie musikalische Virtuosität, technische Produktionsweisen, kreative Arrangements und performative Ausdrucksformen auf Social Media sichtbar werden. Sie zeigen, dass Kurzvideos nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch anspruchsvolle musikalische Fähigkeiten, kreative Konzepte und innovative Formen der Musikvermittlung präsentieren können.

MUSIKVIDEO-KATEGORIEN

(7) PIANO-CHALLENGE
tony ann

(8) ONE-PERSON-ENSEMBLE
somuziquee

(9) RIFF-CHALLENGE
kyan palmer

(10) COMPILATION
90smusic116

(11) AI-IMITATION
melodiaaimusic-generator

(12) CHOREOGRAFIE
areafiftyfour

Choreo zu „Upgrade You“ von Beyoncé

DAS FORMAT „CHALLENGE“ | #TREND

Das Format „Challenge“

Eine Challenge auf Social Media, insbesondere auf Plattformen wie TikTok, ist eine trendbasierte Aktion oder Aufgabe, die User:innen dazu einlädt, sie nachzuahmen oder kreativ zu interpretieren. Challenges werden oft mit einem bestimmten Hashtag verbreitet, wodurch sie leichter auffindbar sind und viral gehen können.

Warum sind Challenges so populär?

  • Community-Building: Challenges verbinden Menschen durch geteilte Inhalte.
  • Partizipation: Sie motivieren zur Teilnahme und fördern Engagement.
  • Einfachheit: Sie sind oft leicht verständlich und für jede:n machbar.
  • Kreativität und Individualität: Challenges lassen sich flexibel variieren und bieten viel Raum für eigene Ideen.

Typen von Challenges

  • Tanz-Challenge: User:innen tanzen zu einem Song und nutzen dabei eine bestimmte Choreografie.
    Beispiel: Renegade-Challenge zu Lottery von K Camp

  • Lip-Sync-Challenge: Bei Lip-Sync-Challenges synchronisieren Personen ihre Lippen zu bekannten Zitaten, Songs oder Filmszenen.
    Beispiel: 4-Non-Blondes–Nicki-Minaj-Mash-Up

  • Transition-Challenge: Diese Challenges zeigen meist eine „Vorher-Nachher“-Veränderung, die häufig mit besonderen Übergangseffekten filmisch in Szene gesetzt wird.
    Beispiele: Übergangseffekte | Theaterkostüme.
    Hinweis: Das Video zu den Effekten enthält visuelle Elemente, die bei lichtempfindlichen Personen Beschwerden auslösen können..

  • Social-Challenge: Diese Challenges verfolgen das Ziel, eine positive Botschaft zu verbreiten oder andere zu inspirieren, sich für ein Anliegen einzusetzen. Bei der verlinkten Challenge von Planet Matters geht es beispielsweise darum, auf in der Natur liegenden Müll und Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen.
    Beispiel: Clean-up-Challenge

  • Bewegungs-Challenge: Bei diesen Challenges probieren User:innen schwierige oder spaßige Aufgaben, wie z. B. einen Sprung, Balanceübungen oder akrobatische Tricks.
    Beispiele: Foot Tap | Handy weitergeben | Airwalk | Freeze-Frame | Invisible Box

Kritische Aspekte von Challenges auf Social Media

Challenges gehören zu den populärsten Formaten auf Plattformen wie TikTok. Sie laden zur Nachahmung, zum Mitmachen und zur kreativen Variation ein und können Gemeinschaftsgefühl sowie Sichtbarkeit erzeugen. Gleichzeitig bringen Challenges jedoch auch problematische Aspekte mit sich, die bewusst reflektiert werden müssen. Diese betreffen sowohl Fragen von Macht, Anerkennung und (kultureller) Sichtbarkeit als auch ganz konkrete Risiken, etwa für die Gesundheit und Sicherheit der Teilnehmenden.


Beispiel: Renegade-Challenge – viral, aber nicht fair

Ein bekanntes Beispiel ist die Renegade-Challenge zum Song „Lottery“ von K Camp. Die Choreografie wurde von der afroamerikanischen Tänzerin Jalaiah Harmon entwickelt. Obwohl ihr Tanz maßgeblich zur Verbreitung des Songs beitrug, erhielt sie zunächst kaum öffentliche Anerkennung. Stattdessen wurden vor allem reichweitenstarke Influencer:innen bekannt, die den Tanz übernahmen und damit viele Likes und Follower erhielten.

Dabei spielt auch der Algorithmus von TikTok eine entscheidende Rolle: Er entscheidet, welche Videos vielen Menschen angezeigt werden und welche kaum sichtbar bleiben. Empfehlungssysteme arbeiten häufig mit sogenanntem collaborative filtering: Inhalte werden stärker verbreitet, wenn sie bei vielen Nutzer:innen gut ankommen. Wer bereits viel Reichweite hat, erhält schneller Interaktionen. Diese signalisieren dem System Relevanz. So entsteht ein selbstverstärkender Effekt: Mehr Reichweite führt zu mehr Aufmerksamkeit – und mehr Aufmerksamkeit wiederum zu noch mehr Reichweite.

Das Beispiel zeigt, dass Challenges nicht automatisch fair sind. Sichtbarkeit auf Social Media entsteht nicht nur durch Kreativität, sondern auch durch algorithmische Auswahlprozesse, die bestehende Ungleichheiten verstärken können.


Dämliche und gefährliche Challenges

Es gibt auch Challenges, die als unsinnig oder sogar gefährlich einzustufen sind. Dazu zählen etwa Erschrecken-Challenges, bei denen Menschen – oder sogar Tiere – absichtlich in Angst versetzt werden, um starke Reaktionen zu filmen. Auch Mutproben oder riskante körperliche Aufgaben können zu Verletzungen oder schweren Unfällen führen. Solche Challenges zeigen, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit, Likes und Reichweite dazu verleiten kann, Grenzen zu überschreiten, oft ohne die möglichen Folgen ausreichend zu bedenken.

Hinweis zur Teilnahme an Challenges:

Wenn du selbst eine Challenge starten oder an einer teilnehmen möchtest, frage dich kritisch:

  • Ist die Challenge sicher?
  • Wird niemand bloßgestellt, verletzt oder gefährdet?
  • Werden die ursprünglichen Urheber:innen sichtbar gemacht und respektiert?

Nicht jede virale Idee ist automatisch sinnvoll oder harmlos. Eine bewusste, reflektierte Teilnahme ist daher ein wichtiger Teil verantwortungsvoller Social-Media-Nutzung.

OPEN VERSE: PRODUKTION | #CREATE

Was sind Open-Verse-Challenges?

Open-Verse-Challenges sind ein verbreitetes Format auf Plattformen wie TikTok, bei dem Künstler:innen einen unvollständigen Songausschnitt – meist einen Refrain oder eine Strophe – veröffentlichen und Nutzer:innen dazu einladen, diesen kreativ zu ergänzen. Die Beiträge der Community können in Form eines zusätzlichen Verses, von Rap- oder Gesangspassagen oder auch als instrumentale Weiterführung erfolgen.

Wie funktioniert eine Open-Verse-Challenge?

  • Der Ausgangspunkt: Künstler:innen veröffentlichen ein Video mit einem bewusst unvollständigen Songausschnitt und lassen darin Raum für weitere Beiträge. Häufig adressieren sie die Community direkt, etwa mit Formulierungen wie: „Hier ist mein Part – jetzt bist du dran.“
  • Beiträge der Community: Andere Nutzer:innen greifen den Song mithilfe von Duet- oder Remix-Funktionen auf und fügen einen eigenen Vers hinzu, singen, rappen oder interpretieren den Song auf ihre eigene Weise. Die Beiträge können kreativ, lustig, emotional oder auch experimentell sein.
  • Virale Verbreitung: Besonders gelungene oder unterhaltsame Beiträge werden häufig weitergeteilt und erreichen viele Menschen. Manche dieser Beiträge werden auch von den ursprünglichen Künstler:innen geliked und kommentiert.

Wildberry-Lillet-Open-Verse-Challenge

Nina Chuba (*1998) ist eine deutsche Sängerin und Songwriterin, die mit ihrem einzigartigen Mix aus Pop, Hip-Hop und Indie-Musik Aufmerksamkeit erregt. Ihre Musik zeichnet sich durch ihre markante Stimme und eine selbstbewusste, freche Performance aus. Mit ihrem Hit „Wildberry Lillet“ (2023) erreichte sie den Durchbruch, wobei der Song schnell zu einem Chart-Erfolg und einem viralen TikTok-Trend wurde. Zu diesem Song hat sie auf TikTok auch eine #openversechallenge gestartet unter dem Hashtag #wildberrylillet. Neben ihrer Musik begeistert sie ihre Fans mit humorvollen Social-Media-Clips und spontanen Freestyles.

👉 Challenge-Aufruf ansehen: Wildberry-Lillet-Open-Verse-Challenge


An einer #openversechallenge teilnehmen

Schaut euch nun den oben verlinkten Challenge-Aufruf von Nina Chuba an. Lasst uns die nötigen Schritte der Teilnahme an einer Open-Verse-Challenge in einzelne Aufgaben herunterbrechen.

  1. Zuerst müssen wir uns mit dem Song, dem Rhythmus und Ninas Reimschema vertraut machen. Lasst das Video also ein paar Mal abspielen und singt mit – ob ihr das in eurem Kopf macht oder laut ist ganz egal.

  2. Als Nächstes zählen wir die Takte der Lücke, die Nina uns für unseren Part der Challenge lässt. Wie viele Takte müssen wir füllen? Orientiert euch dazu an der Hilfestellung.

  3. Nächster Schritt: Verfasst eure eigenen Lyrics! Als Erstes braucht ihr ein Thema oder eine „Message“: Was wollt ihr vermitteln und worüber wollt ihr rappen? Eine Möglichkeit ist, euren Text als Antwort an Nina zu verfassen. Wenn ihr keine „zündende“ Idee habt, werft einen Blick auf die Tipps zum Texten auf S. 31 und die Warm-Ups auf S. 32. im unten eingebundenen PDF.


Tipps zum Texten

Hier findet ihr einige Hilfestellungen und Tipps, damit ihr eure Lyrics für euren „Part“ leichter verfassen könnt.

Step 1: Erst mal zuhören!

  • Hört euch den Beat mehrmals an.
  • Wippt mit dem Kopf oder klopft mit dem Fuß.
  • Achtet darauf: Wie lang ist die freie Stelle?

Step 2: Wählt eine einfache Idee!

Wählt eine dieser Möglichkeiten aus:

  • Antwortet auf den Originaltext: Ihr könnt zustimmen, widersprechen oder etwas ergänzen.
  • Erzählt etwas aus eurem Tag.
  • Schreibt darüber, was euch gerade nervt oder freut.
  • Schreibt aus der Perspektive einer fiktiven Person.
  • Erzählt eine kleine Geschichte.
  • Beginnt jede Zeile mit „Ich bin...“ oder „Wir sind...“: Beschreibt euch, eure Stimmung oder etwas, das euch wichtig ist.

Step 3: Schreibt euren Part!

  • 4 bis 8 kurze Zeilen reichen.
  • Reime sind kein Muss.
  • Wichtig ist nur: Passt euer Text zum Beat?

Tipp: Sprecht euren Text laut aus.

Wenn es sich merkwürdig anhört, ändert erst mal ein Wort.

** Wichtig:**

  • Kurz ist gut! Ein paar starke Zeilen reichen völlig aus.
  • Fehler sind erlaubt! Ihr dürft ausprobieren, ändern und neu aufnehmen.
  • Euer Part zählt! Jede Stimme ist wichtig!
  • Es gibt kein Richtig oder Falsch.
  • Traut euch, etwas Persönliches einzubringen oder erfindet eine Rolle.
  • Der Beat hilft euch. Hört genau hin – der Rhythmus gibt euch Halt.
  • Unterstützt euch gegenseitig und hört einander zu.

Wenn ihr nun ein Video mit eurer Challenge aufnehmen möchtet, findet ihr im unten eingebundenen PDF den Produktionsprozess genau beschrieben, inklusive weiterer Tipps, Warm-Ups und Tutorials.

Ausserdem findet ihr noch weitere Open-Verse-Challenges: Ab. S. 38 die "Lila-Grün-Open-Verse-Challenge" des Künstlers alleindaheim und ab S. 41 die "Cruise-Open-Verse-Challenge" des schwedischen Elektro-Pop-Duos Roya.

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Produktionsschritte: Open-Verse-Challenge – Schritt für Schritt
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Weitere Open-Verse-Challenges

Open-Verse-Challenges gibt es in vielen musikalischen Genres und Stilrichtungen. Während einige Challenges aus dem Pop stammen, kommen andere aus Hip-Hop, Rap, Singer-Songwriter- oder internationalen Musikkulturen. Die folgenden Beispiele zeigen verschiedene Möglichkeiten, wie Künstler:innen ihre Community dazu einladen, Songs kreativ weiterzuführen.

Pop & Singer-Songwriter

Hip-Hop & Rap

TUTTING: PERFORMANCE | #GROOVE

Tutting: Geometrie trifft Groove

Auf Videoplattformen wie TikTok erfreuen sich insbesondere kurze Tanzvideos großer Beliebtheit, die durch klar strukturierte und oft leicht erlernbare Bewegungen gekennzeichnet sind. Eine in diesen Videos häufig zu beobachtende Tanztechnik ist das sogenannte Tutting, das zur Urban-Dance- und Street-Dance-Szene gehört und in den 1980er Jahren in den USA entstand. Sie besteht aus präzisen, geometrischen Bewegungen mit Armen, Händen und Fingern, die oft rechte Winkel und symmetrische Formen bilden – wie in ägyptischen Wandmalereien, daher ist auch der Name von „King Tut“-Pharao Tutanchamun („King Tut“) abgeleitet.

Kurz erklärt:

  • Tutting nutzt geradlinige, winkelige Bewegungen, als würde man mit dem Körper „zeichnen“.
  • Es wird häufig auf Hip-Hop oder elektronische Musik getanzt und die Bewegungen sehen oft mechanisch, kunstvoll und visuell sehr beeindruckend aus.
  • Es gibt verschiedene Varianten, z. B.:
    • Arm-Tutting: Bewegungen, die mit dem ganzen Arm ausgeführt werden.
    • Finger-Tutting: Bewegungen, die nur mit den Fingern ausgeführt werden.

Schaut euch diese Videos der Formation urbantheory an, die auf TikTok mit ihren Performances sehr erfolgreich ist:

Eure eigene Tutting-Choreographie

Nachdem ihr verschiedene Tutting-Performances kennengelernt und analysiert habt, entwickelt ihr nun eure eigene kleine Tutting-Sequenz. Dabei kombiniert ihr geometrische Bewegungen, Rhythmusgefühl und kreative Ideen zu einer kurzen Choreographie. Die folgenden Schritte helfen euch dabei, eure Performance systematisch aufzubauen.


Tutorials anschauen

Seht euch diese Tutting-Tutorials an und wählt Bewegungen aus, die ihr in eure Performance einbauen möchtet:

Achtet dabei besonders auf:

  • typische Arm- und Handpositionen,
  • klare Linien und rechte Winkel,
  • Übergänge zwischen verschiedenen Formen,
  • Bewegungen, die ihr selbst ausprobieren möchtet.

Jetzt beginnt ihr eure eigene Tutting-Choreografie

Step 1: Musik auswählen – Grundlage eurer Choreographie

Wählt zunächst einen Song oder Beat, zu dem ihr eure Tutting-Sequenz entwickeln möchtet.

Achtet darauf, dass:

  • der Rhythmus klar und gut hörbar ist,
  • sich Wiederholungen oder Loops erkennen lassen,
  • die Musik nicht zu schnell ist, damit präzise Bewegungen möglich sind.

Wenn ihr euch nicht für einen Track entscheiden könnt, nutzt diesen Trap-Mix von Linkin Park: In The End (Mellen Gi & Tommee Profitt Remix, 88 BPM)


Step 2: Bewegungen auswählen – Basic Shapes & Angles

Sucht euch nun konkrete Tutting-Bewegungen aus, die ihr in eurer Choreographie verwenden möchtet.

Probiert besonders:

  • 90°-Winkel mit Armen und Händen,
  • klare Linien und symmetrische Formen,
  • Bewegungen, bei denen ihr wirkt, als würdet ihr Quadrate oder Rechtecke in die Luft zeichnen (Kastensystem).

Überlegt euch zusätzlich eine feste Startposition, zum Beispiel:

  • Hände vor der Brust,
  • Arme als klarer Rahmen vor dem Gesicht,
  • eine symmetrische Haltung mit beiden Armen.

Diese Startposition kann im Verlauf der Choreographie immer wieder als Anker dienen, zu dem ihr zurückkehrt. So entsteht Struktur und Orientierung – sowohl für euch als auch für die Zuschauenden.

Sammelt zunächst mehrere Bewegungen und entscheidet später, welche ihr beibehaltet.


Step 3: Thema / Idee hinzufügen (optional)

Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch ein Thema oder eine kleine Geschichte überlegen, die ihr mit eurer Choreographie erzählen wollt.

Mögliche Ideen:

  • Roboter (mechanisch, eckig, präzise)
  • Maschine (wiederholende Bewegungen, feste Abläufe)
  • Zeitreise (Wechsel zwischen starren und fließenden Bewegungen)
  • Magie (scheinbar schwebende oder überraschende Übergänge)

Ein Thema kann euch helfen, Bewegungen bewusst zu gestalten und nicht nur „aneinanderzureihen“.


Step 4: Fließende Übergänge entwickeln (Flow)

Verbindet eure ausgewählten Formen miteinander.

Achtet dabei auf:

  • fließende Übergänge durch „Schieben“, „Wischen“ oder „Flippen“,
  • ruhige, kontrollierte Bewegungen,
  • möglichst wenig Kraftaufwand, damit die Bewegungen präzise wirken.

Überlegt, wie ihr von einer Form logisch und sichtbar in die nächste übergehen könnt.


Step 5: Tutting-Sequenz festlegen

Setzt eure Bewegungen nun zu einer festen Abfolge zusammen. Nutzt eure Startposition als festen Anker (A) und ordnet eure Bewegungen z. B. als A–B–A–C–A-Abfolge an.

Ziel: Entwickelt eine kurze Tutting-Sequenz (ca. 20–30 Sekunden), die:

  • klar strukturiert ist,
  • zur Musik passt,
  • und gegebenenfalls euer gewähltes Thema erkennbar macht.

Achtet darauf, Bewegungen zu wiederholen, damit ein Pattern entsteht.


Step 6: Raum und Umgebung nutzen

Überlegt, wie ihr den Raum in eure Performance einbeziehen könnt.

Ihr könnt z. B.:

  • auf Treppen oder Stufen arbeiten,
  • an einer Kante sitzen,
  • Stühle, Tische oder Geländer nutzen,
  • eure Position im Raum bewusst wechseln.

Die Umgebung soll eure Bewegungen unterstützen oder verstärken.

Tipp: In Tanzstudios gibt es meist eine Spiegelwand, vor der Choreographien eingeübt werden. Diese Möglichkeit habt ihr im Klassenraum oft nicht. Sucht euch deshalb – wenn möglich – eine spiegelnde Fläche, z. B. eine Fensterfront oder Glastür, um eure Bewegungen besser zu kontrollieren.

Alternativ könnt ihr euch paarweise oder in kleinen Gruppen gegenüberstellen und eure Bewegungen gegenseitig spiegeln. So könnt ihr euch aneinander orientieren und eure Tutting-Sequenz präziser ausführen.


Step 7: Filmen eurer Performance (optional)

Wenn ihr möchtet, filmt eure Tutting-Sequenz.

Überlegt vorher:

  • aus welcher Perspektive ihr filmen wollt,
  • ob ihr frontal, seitlich oder leicht von oben filmt,
  • ob ihr Effekte einsetzen möchtet (z. B. Zeitlupe).

Nehmt ruhig mehrere Versionen auf und wählt anschließend die beste aus.


Step 8: Kurze Gruppenreflexion

Besprecht in eurer Gruppe:

  • Welche Bewegungen wirken besonders klar?
  • Wo waren Übergänge schwierig?
  • Wie gut passen Musik, Thema und Bewegung zusammen?