
Fasst man die Folge Menuett, Trio und Menuett als eine Form auf, wird diese Form auch als zusammengesetzt Liedform bezeichnet (ABA-CDC-ABA). Diese Form findet sich gelegentlich in sinfonischer Musik des 19. Jahrhunderts, z.B. bei Johannes Brahms. Hier kannst du mehr darüber erfahren.
Den Arbeitsbogen zu dieser Einheit (für dein Tablet oder zum Ausdrucken) kannst du die hier herunterladen:
Die zusammengesetzte Liedform (ABA-CDC-ABA) (PDF)
Inhalt
Die zusammengesetzte Liedform (ABA-CDC-ABA)
Es gibt viele Sinfonien, in denen als 3. Satz ein Menuett zu hören ist (z.B. wie in der ›Paukenschlag‹-Sinfonie von J. Haydn oder Sinfonien von W. A. Mozart). Und du weißt, dass sich ein Menuett durch die ABA-Form verstehen lässt. Nach einem Menuett wurde oft ein Trio komponiert, wobei ein Trio auch ein Menuett (für kleinere Besetzung) ist. Deswegen lässt sich auch ein Trio als ABA-Form verstehen. Und nicht zuletzt war es üblich, nach einem Trio das Menuett zu wiederholen, so dass sich für einen dritten Satz, bestehend aus Menuett-Trio-Menuett, die zusammengesetzte Form ABA (Menuett) – CDC (Trio) – ABA (Menuett) ergeben konnte (die Wiederholung einzelner Taktgruppen wird in diesem Schema nicht berücksichtigt).
Johannes Brahms
Vor diesem Hintergrund ist es interessant, sich mit dem 3. Satz aus der 3. Sinfonie von Johannes Brahms zu beschäftigen. Er steht – wie ein Menuett – im Dreiertakt (Menuett = 3/4-Takt, der 3. Satz von Brahms = 3/8-Takt), hat aber einen ganz anderen Charakter als ein Menuett. Den Beginn bzw. das Thema dieses Satzes kannst du im nächsten Beispiel sehen (und mitsingen). Wie du später sehen wirst, entspricht es nicht ganz dem Original:
Der Satz hat den Charakter eines Valse triste, also eines traurigen Walzers und lässt sich als zusammengesetzte Liedform verstehen (ABA-CDC-ABA). Die Melodie oben bildet den Vordersatz (vgl. Periode S. 22) des Themas bzw. den Beginn des A-Teils.
Allerdings hat sich Brahms noch einige Besonderheiten einfallen lassen. Die Schwierigkeit bei den Höraufgaben (unten) liegt darin, dass der ganze Satz eine Länge von etwas mehr als fünf Minuten hat. Es ist daher nicht einfach, sich über die gesamte Länge des Satzes auf die Musik konzentrieren zu können. Beobachte dich, ob dir das gelingt!
Aufgaben
- Analysiere die Melodie (oben) mithilfe der Terminologie, die du in Verbindung mit dem Satz (S. 25) kennengelernt hast.
- Höre dir nun als erstes nur den A-Teil an. Brahms hat die Melodie anders angelegt, als es das Notenbeispiel oben zeigt. Durch diese Veränderungen bekommt die Melodie einen ganz anderen Ausdruck. Versuche die Änderungen in eigenen Worten zu beschreiben.
Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur Op. 90, 3. Satz, Ausführende: Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan, Erstveröffentlichung: 1960, Lizenz: CC0-1.0
- Von welcher Instrumentengruppe wird die Melodie des A-Teils beim ersten Mal gespielt?
- Höre dir als nächstes den ABA-Teil an. Bestimme, welcher Teil wiederholt wird und versuche, den B-Teil des Abschnitts zu charakterisieren.
Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur Op. 90, 3. Satz, Ausführende: Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan, Erstveröffentlichung: 1960, Lizenz: CC0-1.0
- Als nächstes höre dir den Abschnitt an, der in einer klassischen Sinfonie dem Trio entsprechen würde (CDC). Charakterisiere auch diesen Abschnitt mit deinen eigenen Worten und benenne eine Abweichungen von der erwarteten Form CDC.
Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur Op. 90, 3. Satz, Ausführende: Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan, Erstveröffentlichung: 1960, Lizenz: CC0-1.0
Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur Op. 90, 3. Satz, Ausführende: Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan, Erstveröffentlichung: 1960, Lizenz: CC0-1.0
- Die beiden grauen Teile entsprechen nicht dem Modell der zusammengesetzt Liedform. Welchen Formteilen der zusammengesetzte Liedform (ABA-CDC-ABA) sind die grauen Abschnitte ähnlich?
