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Quelle: Wikimedia
Als Ausgangspunkt für eine Improvisation kann eine sogenannte Reihe oder Tonreihe dienen: Töne mit festgelegter Höhe und Reihenfolge, welche in irgendeiner Art und Weise improvisatorisch verarbeitet werden sollen.
Vorgaben, wie genau die Reihe in der Improvisation werden soll, gibt es keine und der eigenen Kreativität darf diesbezüglich freier Lauf gelassen werden. Solange die Reihentöne an irgendeiner Stelle erkennbar sind und sie musikalisch sinnvoll eingebunden werden, ist die Idee der Reihenimprovisation bereits erfolgreich realisiert.
In diesem Artikel werden spezifisch für das Instrument Klavier Möglichkeiten aufgezeigt, Reihen für eine Improvisation zu nutzen. Diese sind demnach aber eher als Beispiele denn als vollständige Auflistung zu sehen.
Am Ende des Artikels steht schließlich noch eine Sammlung von Reihen zum Arbeiten und Üben.
Sämtliche Beispiele werden anhand folgender Reihe gezeigt:
Erfinden eines Themas
Eine typische Vorgehensweise ist das Erfinden eines musikalischen Themas aus den Reihentönen. Dies kann dann beispielsweise durch eine Textur wie einen Bordunton/Orgelpunkt im Bass oder eine einfache Begleitung unterfüttert werden.
Dieser Themenkopf kann dann erweitert werden, beispielsweise zur Themenform eine klassischen Periode oder eines Satzes, und später durch ein anderes Thema oder einen musikalisch anderen Teil kontrastiert werden. Textur und Harmonisation zeigen in diesem Beispiel einen bordunartigen Fokus auf den Grundton A, mit einer durch den Melodieton f angeregten kurzen Basstonvariante in Takt 2.
Im Beispiel wurde eine zweistimmige Klaviertextur genutzt, welche den Themencharakter des Motivs herausstellt und eine Imitation in der Unterstimme ab Takt 5 ermöglicht. Selbstverständlich können auch andere Texturen verwendet werden. Harmonisch wurde die Reihe in einen a-Moll - Kontext gesetzt, der angesichts des Reihentonmaterials naheliegend, aber auch nicht zwingend ist. Auf eine strenge stilistische Zuordnung wurde, soweit dies nach acht Takten beurteilbar ist, eher verzichtet; eine durch die Imitation und den tonalen Kontext hervorgerufene Assoziation mit Musik des Barock oder der Wiener Klassik gerät in der Dissonanz- und Konsonanzbehandlung der Takte 7 und 8 ins Wanken. Passender scheint die Beschreibung als eine freie, mit chromatischen Tönen erweiterte Nutzung des a-Moll-Raumes.
Beispiel Intervall
In diesem Fall hat sich als Textur daraus eine Art Bassostinato ergeben – das ist aber improvisatorischer „Zufall“ und kann natürlich ganz anders sein. Harmonisch und stilistisch finden sich ähnliche Bedingungen wie im Beispiel zuvor.
Reihe harmonisieren
Man kann die Reihe auch harmonisieren und dann, rhythmisiert, wie in einem Lied als Melodie über die Harmonien spielen. Dabei ist es weniger entscheidend ob man nun Harmonisationstechniken einer bestimmten Stilistik oder eine freie, stilungebundene Harmonisation sucht; wichtig ist vor allem, dass sie gut zur Melodie und ggf. zur Intervallstruktur der Reihe passt. Entscheidet man sich für eine stilgebundene Harmonisation sollte die Reihe jedoch zuvor auf ihre Tauglichkeit geprüft werden; manche Tonhöhenabfolge eigenen sich eher für die eine oder andere Stilistik, in welchem Fall nichts "erzwungen" werden sollte.
Eher frei oder "leicht klassisch" harmonisiert - wirkte auf mich als die passendste Version dieser drei.
Klassisch inspirierte Harmonisation
Jazzinspirierte Harmonisation
Wie den Untertiteln der drei Beispiel zu entnehmen ist, handelt es sich um stilistisch unterschiedliche inspirierte Aussetzungen.
Allgemeine Tips für die Reihenimprovisation
- Form: eine feste musikalische Form kann helfen, die Improvisation zu strukturieren. Bei einer einfachen ABA - Form beispielsweise können zwei unterschiedliche der oben gezeigten Varianten für A und B gewählt werden, wodurch sich bereits eine gewisse Abwechslung und ein Spannungsverlauf einstellt.
- Andere Möglichkeiten: wie bereits erwähnt handelt es sich bei obigen Beispielen nur um Ideen, die gerne durch eigene erweitert werden dürfen; so können die Reihentöne zB auch als Grundtöne einer Harmonisation statt als Melodietöne verwendet werden, oder aus ihnen eine akkordische/arpeggierte Figur gebildet, welche dann variiert wird etc. etc.
- Tonhöhen sind weniger wichtig als man oft glaubt – unbedingt auch an anderen Parameter arbeiten wie Lage, Dynamik, Artikulation, Rhythmik, …
