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Musikalische Analyse und ihre Methoden
Inhalt
Reduktion von Komplexität
Soziologische Perspektive
Wolfgang Ludwig Schneider, emeritierter Professor für Allgemeine Soziologie am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück, beginnt sein Kapitel über den Soziologen Niklas Luhmann mit einem Abschnitt Reduktion von Komplexität [als Bezugsproblem der Systembildung]:
›Komplexität‹ meint die überfülle der Möglichkeiten des Erlebens und Handelns, von denen in einer gegebenen Situation immer nur eine beschränkte Auswahl verwirklicht werden kann. Wohin ich meinen Körper bewege, in welche Richtung ich schaue, was dadurch in mein Gesichtsfeld tritt, auf welchen Gegenstand sich meine Aufmerksamkeit richtet, welche Einzelheiten mein Interesse erregen, - ständig treffe ich eine Auswahl aus unterschiedlichen Möglichkeiten, und je nachdem, welche Auswahlentscheidung ich jetzt treffe (wohin ich etwa schaue), werden im nächsten Moment andere Möglichkeiten zugänglich (tritt z.B. anderes in mein Blickfeld). Der Horizont der Möglichkeiten weitet sich ins Unermeßliche, wenn wir über die bloße Wahrnehmung hinaus auch die verschiedenen Gedanken und Assoziationen einbeziehen, für die der Anblick von Personen, Dingen und Ereignissen Anlaß geben kann [....]
Wolfgang Ludwig Schneider, Grundlagen der soziologischen Theorie. Band 2: Garfinkel – RC – Habermas – Luhmann, 3. Auflage, Wiesbaden 2009, S. 251.
Reduktion von Komplexität ist demnach etwas, dem wir uns Menschen nicht entziehen können. Allein durch die Art unserer Wahrnehmungsorgane reduzieren wir die Komplexität der Welt, bevor unser Gehirn diese Eindrücke verarbeiten kann. Doch was heißt das für die musikalische Analyse?
Kontingenz
Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes (Erfahrenes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen.
Niklas Luhmann, Soziale Systeme (1987), Frankfurt a. M. 4/1991, S. 152.
Unterscheidungen werden immer willkürlich eingeführt und benutzt. Sie bleiben kontingent.
Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft Frankfurt a. M. 1990, S. 152.
- Was bedeutet Kontingenz (so, aber auch anders möglich) für die musikalische Analyse?
- Worin unterscheidet sich Kontingenz von Beliebigkeit?
