Portrait Arcangelo Corellis von Jan Frans van Douven, um 1700 | Quelle: Wikimedia
Wie klingt eine Triosonate von Corelli?
In diesem Tutorial kannst du eine Triosonate von Arcangelo Corelli kennen und hören lernen. Warum könnte dich das interessieren?
Arcangelo Corelli hatte einen außerordentlich großen Einfluss auf die europäische Instrumentalmusik.
Corellis Einfluss lässt sich schwerlich überschätzen. Zu seinen Lebzeiten war er als Dirigent und Komponist für einige der einflussreichsten Personen Europas tätig: Kirchenmänner, Kurfürsten und König:innen. Um 1800 war Corelli der Komponist, von dem die meisten Werke gedruckt vorlagen. Seine Triosonaten Op. 1 z.B. waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits in ca. 40 Auflagen erschienen (die zahlreichen illegalen Raubdrucke nicht mitgezählt). Durch seine Publikationen erlangte Arcangelo Corelli europaweiten Ruhm sowohl als Komponist als auch als Violinvirtuose. Zahlreiche große Komponisten wie z.B. Bach, Vivaldi oder Telemann setzten sich intensiv mit Corellis Werken auseinander.
Die Triosonaten kannst du natürlich auch heute noch spielen.
Vom Schwierigkeitsgrad sind die Triosonaten weniger schwierig als Solosonaten oder Konzerte. Hier kannst du deine Einzelstimmen üben und mithilfe des Mehrspurplayer im mehrstimmig Satz ausführen.
Inhalt
Triosonate
Die Triosonate als Gattung
Die Triosonate breitete sich von Norditalien ausgehend aus und wurde im 17. und 18. Jahrhundert in allen Musikzentren Europas gespielt.
Eine Triosonate besteht aus einer Abfolge von Sätzen für die Besetzung:
- Violine 1
- Violine 2
- Bass (bestehend aus einem Violoncello, einer Violone und einem Continuoinstrument wie Orgel oder Cembalo)
Wie oben bereits erwähnt ist der technische Schwierigkeitsgrad der Triosonaten Corellis nicht so hoch wie z.B. in seinen Violinsonaten (Op. 5), was diese Musik einerseits für nicht-professionelle Musizierende interessant machte und andererseits Berufsmusiker*innen viel Raum zum Improvisieren bzw. Verzieren der Stimmen ließ.
Betrachtet man die ersten vier Werksammlungen (Op. 1–4) von Corelli, fallen zwei formale Modelle auf:
- die Satzfolge langsam – schnell – langsam – schnell und
- die Satzfolge eines Preludio mit nachfolgenden Tanzsätzen (wie z.B. Allemande, Sarabande, Corrente, Gavotte, Gigue usw.).
Triosonaten mit der zuerst genannten Satzfolge werden auch als Sonata da chiesa bezeichnet (Corellis sogenannte Kirchensonaten Op. 1 und Op. 3), die zuletzt genannte Satzfolge war für die Sonata da camera (Corellis Kammersonaten Op. 2 und Op. 4) charakteristisch. Den Bezeichnungen Kirchen- und Kammersonate lässt sich dabei entnehmen, für welchen Aufführungsort ein Stück gedacht war. Und auch musikalisch hat Corelli die Kirchensonaten von den Kammersonaten unterschieden: Während die Kirchensonaten viersätzig und die jeweils zweiten und vierten Sätze fugenartig gestaltet sind, zeigen die Kammersonaten eine eher zwanglose Reihung unterschiedlicher Tanzsätzen (mit der für Tanzsätze typischen zweiteiligen Form).
Triosonate Op. 2, Nr. 1
1. Satz: Preludio Largo
Corelli hat den ersten Satz mit als Preludio bezeichnet sowie mit der Charakteranweisung Largo versehen. Preludio ist dabei als Einleitung (zu den nachfolgenden Tanzsätzen) zu verstehen, Largo kommt aus dem Italienischen und heißt soviel wie breit. Corelli hat diese Überschrift gerne für seine Sarabanden im ungeraden Takt gewählt, was für diesen Satz im geraden Takt ein Tempohinweis sein könnte. Gemeint war wahrscheinlich eine Modifikation des mittleren Zeitmaßes (tempo ordinario) ins Langsame bzw. Nachdrückliche.

Arcangelo Corelli, Triosonate op. 2, Nr. 1 Preludio (Largo)
Violine I & II Marina Momeny, Violoncello: Michael Rupprecht, Produktion: Fabian Klebig
CC BY Open Music Academy, 2022
2. Satz: Allegro
Den zweiten Satz hat Corelli mit Allegro überschrieben, was auch aus dem Italienischen kommt und soviel heißt wie rasch, munter oder heiter/fröhlich. Im Charakter gemeint ist damit ursprünglich eine lebhafte Bewegung, die später als Tempoanweisung verstanden worden ist und ein schnelles Tempo bezeichnet, dass allerdings langsamer ist als ein Presto.

Arcangelo Corelli, Triosonate op. 2, Nr. 1, Allegro
Violine I & II Marina Momeny, Violoncello: Michael Rupprecht, Produktion: Fabian Klebig
CC BY Open Music Academy, 2022
3. Satz: Corrente Allegro
Die italienische Corrente war ein ziemlich flotter und ausgelassener Tanz im 3/4 (oder 3/8-Takt). Gemessen am Modell der Kirchensonate hätte man an dieser formalen Position einen langsamen Satz erwarten dürfen, die Corrente hingegen ist ein Indiz dafür, dass in Kammersonaten auch eine Reihung schneller Tänze möglich war.

Arcangelo Corelli, Triosonate op. 2, Nr. 1, Corrente (Allegro). Violine I & II Marina Momeny, Violoncello: Michael Rupprecht, Produktion: Fabian Klebig. CC BY Open Music Academy, 2022
4. Satz Gavotta
Die Gavotte war ein Tanz in gerader Taktart mit einem meist halbtacktigen Auftakt (z.B. zwei Viertel). Populär wurde der Tanz zu Corellis Lebzeit am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV unter der von Jean-Baptiste Lully ausgearbeiteten Form. Menuett und Gavotte gehörten zu den beliebtesten Tänzen der Barockzeit. Obwohl Corelli keine Anweisung verwendet hat, kann man aufgrund des Alla-breve-Taktes (der Wert einer halben Note als Puls), des Charakters anderer Gavotten sowie der formalen Position (Schlusssatz) auf eine flottes Tempo schließen.

Arcangelo Corelli, Triosonate op. 2, Nr. 1, Gavotta. Violine I & II Marina Momeny, Violoncello: Michael Rupprecht, Produktion: Fabian Klebig. CC BY Open Music Academy, 2022