Lied mit Klavierbegleitung (Stilübung)

Franz Schubert
Quelle: Wikimedia

In diesem Tutorial lernst du anhand von Vorgaben berühmter Liederkomponisten wie z.B. Franz Schubert oder Robert Schumann ein Lied mit Klavierbegleitung im romantischen Stil zu erstellen (Stilübung).

Inhalt

Anleitung

Der erste Formteil einer Komposition in Dur

Der erste Formteil eines Liedes hat oft acht oder zehn Takte und endet mit einer Kadenz. Häufig ist der erste Abschnitt symmetrisch und syntaktisch leicht verständlich (z.B. im Sinne eines öffnenden Vorder- und schließenden Nachsatzes einer Periode ).

Franz Schubert – An den Frühling Op. 172, Nr. 5

Förmliche Ausweichung in die Tonart der V. Stufe

Der Anfang des Liedes Willkommen schöner Frühling veranschaulicht den Sachverhalt:

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Franz Schubert, An den Frühling Op. 172, Nr. 5
Sopran: Dorothee Jansen, Klavier: Francis Grier, Quelle: Youtube

Analysiert man Schuberts Vorgehensweise, beginnt Schubert den Nachsatz (T. 5 und 6) wie den Vordersatz (T. 1 und 2).

  • In T. 6 erklingt mit dem F-Dur des Anfangs die Subdominante (grün),
  • in T. 7 dann die Dominante (gelb) mit einem Vorhaltsakkord und seiner Auflösung) und
  • in T. 8 der Abschluss der Kadenz des ersten Abschnitts (rot).

Im Detail wichtig ist das letzte Achtel d der Melodie im subdominantischen Takt (es macht die IV. zu einer ii. Stufe in C-Dur) sowie ein charakteristischer Vorhaltsakkord der Dominante (hier ein Dominant-Quartsextakkord mit seiner Auflösung). Der erste Abschnitt des Liedes endet in der Tonart der V. Stufe, die hier wie eine lokal erreichte Tonika (bzw. kurzzeitig wie eine I. Stufe) klingt.

Abschluss in der Ausgangstonart

Überprüfe die Beobachtungen, indem du den ersten Achttakter nicht in die Tonart der V. Stufe führst, sondern in der Ausgangstonart enden lässt. Nach dem 5. Takt musst du hierfür die Subdominante, Dominante und Tonika der Ausgangstonart ausarbeiten:

Förmliche Ausweichung in die Tonart der III. Stufe

Im frühen 19. Jahrhundert wurde innerhalb periodischer Gestaltung auch die iii. Stufe in Durkompositionen als reizvoll empfunden, wie zum Beispiel im ryhthmisch sehr reizvollen Thema der Introduktion, Thema und Variationen in B-Dur von Gioacchino Rossini:

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Gioacchino Rossini, Introduktion, Thema und Variationen
für Klarinette und Orchester B-Dur, Quelle: Youtube

Arbeite deshalb den gegebenen Anfang ein weiteres mal aus, so dass eine Periode entsteht, die mit einer förmlichen Ausweichung in der Tonart der iii. Stufe endet:

Franz Schubert, An den Frühling (D 245)

  • Weiteführung mit Abschluss in der Tonart der V. Stufe
  • Weiteführung mit Abschluss in der Tonart der III. Stufe

Franz Schubert, An den Frühling (D 245, Anfang), Lizenz: CC0-1.0

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Quelle: YouTube

Vordersatz

Nachsatz

Willkommen, schöner Jüngling! Du Wonne der Natur!

Mit deinem Blumenkörbchen. willkommen auf der Flur!

Franz Schubert – An den Mond (D 468)

  • Weiteführung mit Abschluss in der Tonart der V. Stufe
  • Weiteführung mit Abschluss in der Tonart der III. Stufe

Franz Schubert – An den Mond (D.468, Anfang), Lizenz: CC0-1.0

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Quelle: YouTube

Vordersatz

Nachsatz

Was schauest du so hell und klar durch diese Apfelbäume,

Wo einst dein Freund so selig war und träumte süße Träume?

Der erste Formteil einer Komposition in Moll

Auch für den Beginn einer Liedkompositionen in Moll ist eine periodische Gestaltung charakteristisch. Nur die Ausweichungsstufen sind andere als in einer Komposition in Dur. Typische Ausweichungsstufen in Moll sind:

  • die Tonart der III. Stufe (Tonikaparallele)
  • und die Tonart der v. Stufe (Achtung: Das ist nicht die Dominante!)

Franz Schubert – Des Mädchens Klage (D.191)

Franz Schubert – Des Mädchens Klage (D.191, Anfang), Lizenz: CC0-1.0

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Quelle: YouTube

Vordersatz

Nachsatz

Der Eichwald braust, die Wolken ziehn,

das Mägdlein sitzt an Ufers Grün.

Franz Schubert – Auf dem Flusse (Anfang), aus: Winterreise D. 911

Franz Schubert – Auf dem Flusse (Anfang), aus: Winterreise D. 911, Lizenz: CC0-1.0

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Vordersatz

Nachsatz

Der du so lustig rauschtest, du heller, wilder Fluß,

wie still bist du geworden, gibst keinen Scheidegruß.

Analysebeispiele für Modulationen

Beispiele aus der Winterreise D. 911 und Schwanengesang D. 957 von Franz Schubert

Standard Dur Varianten Referenz
D. 911 I – iii – V – (i) I ›Letzte Hoffnung‹ (16)
D. 911 I – VII – I | i ♭III | I ›Die Post‹ (8)
D. 911 I | VI | I ›Im Dorfe‹ (17)
D. 911 I | i ♮III | I ›Nebensonnen‹ (23)
D. 957 I – vi – IV | ii III | I – vi – I ›Liebesbotschaft‹ (1)
D. 957 I | IV | ♭VI | I ›Abschied‹ (7)
Standard Moll Varianten Referenz
D. 911 i – VI – i ›Der stürmische Morgen‹ (18)
D. 911 i – III – v | VI | i ›Erstarrung‹ (2)
D. 911 i – III | ♭II | i ›Gefror’ne Thränen‹ (3); ›Irrlicht‹ (9)
D. 911 i – ♯vii | I | i – ♯vii – i ›Auf dem Flusse‹ (7)
D. 911 i – v – V/vi – (I) i ›Der greise Kopf‹ (14)
D. 911 i – v – i | I | i – v – i ›Rückblick‹ (8)
D. 911 i v iv ›Wetterfahne‹ (2)
D. 957 i – v | III | i – v – i ›Aufenthalt‹ (5)
D. 957 i | ♮III | i ›Der Atlas‹ (8)