Inhalt
1. Informationen für Lehrkräfte
Die folgenden Kapitel beinhalten Unterrichtsmaterial zu verschiedenen Aspekten rund um das Thema Soundscapes im Musikunterricht. Sie sind nicht als linear durchstrukturierte Unterrichtseinheit zu betrachten, sondern eher als Sammlung unterschiedlicher Aufgaben, die je nach Vorwissen der Klasse miteinander kombiniert und in die Unterrichtseinheit Sonic Moves integriert werden können.
Beispielsweise könnte es sich empfehlen, die Höraufgaben als Ritual zu Beginn einer Unterrichtsstunde einzubauen, denn das Erlernen des aufmerksamen Zuhörens ist sowohl ein zentrales Ziel, wenn es um die Produktion und Reflexion von Soundscapes geht, als auch eine Herausforderung, die viel Übung und Training erfordert. Die aufgeführten Übungen entstammen einer Sammlung mit dem Titel „Anstiftung zum Hören - 100 Übungen zum Hören und Klänge Machen (MN 714): Hundert Übungen zum "Hören" und " Klänge Machen" : R. Murray Schafer” (erschienen 2003).
Wichtig zum individuellen Hören der Soundscapes sind gute Over-Ear-Kopfhörer, damit man in die Klanglandschaft eintauchen und ein intensives Hörerlebnis haben kann.
2. Was sind Soundscapes?
Höraufgabe:
- Arbeite mit deinem Nachbarn bzw. deiner Nachbarin zusammen. Jede:r von euch hört sich jeweils eine andere Soundscape an.
- Beschreibe ihr:ihm dann, wie die Soundscape klingt, die du gerade gehört hast.
- Höre dir dann die Soundscape an, die dein:e Nachbar:in sich angehört hat.
- Tauscht euch anschließend darüber aus
(a) ob ihr aufgrund der Beschreibung etwas anderes erwartet hättet - und wenn ja, was.
b) welche Klänge euch bekannt und welche euch fremd vorkamen. - Entwickelt von euren Hörerfahrungen ausgehend eine Definition für den Begriff "Soundscape".
"Under the Flight Path" Eine Soundscape über das Leben in der Nähe des Flughafens (1981) von Hildegard Westerkamp - Quelle
Vancouver Harbour Ambience produziert von The World Soundscape Project, Simon Fraser University / Regie und Schnitt von R. Murray Schafer
2.3 Definition
Eine mögliche Definition lautet:
Eine Umgebung aus Sounds mit Schwerpunkt auf der Art und Weise, wie sie vom Individuum oder von einer Gesellschaft wahrgenommen und verstanden wird. Sie hängt somit von der Beziehung zwischen dem Individuum und einer solchen Umgebung ab. Der Begriff kann sich auf tatsächliche Umgebungen oder auf abstrakte Konstruktionen wie Musikkompositionen und Tonbandmontagen beziehen, insbesondere wenn sie als künstliche Umgebung betrachtet werden. (Truax, 1978)
Aber: Es gibt keine einheitliche Definition. Westerkamp (2002, S. 51) sagt:
Heute gibt es zwar den Begriff Soundscape-Komposition, aber niemand scheint wirklich zu wissen, was damit gemeint ist, mich eingeschlossen.
Schafer (1994) unterscheidet beispielsweise zwischen:
- permanenten Sounds (Keynote Sounds) und kurzen Signaltönen (Soundmarks).
- Hi-Fi-Soundscapes, in denen einzelne Sounds klar unterscheidbar sind und selbst leise, entfernte Sounds hörbar bleiben, und Lo-Fi-Soundscapes, in denen sich Sounds so stark überlagern, dass nur noch eine einzige „Soundwall“ wahrgenommen wird.
3.1 Sounds und Soundscapes bewusst wahrnehmen
Die folgenden beiden Aufgaben eignen sich, um die bewusste Wahrnehmung von Sounds und Soundscapes zu schulen. Die ausgewählten Übungen sind insofern besonders, da sie eine zeitliche Dimension einführen:
- Wähle einen Sound, der aus der Soundscape zu verschwinden scheint. Nehme ihn auf, als würdest du ihn für eine Museumssammlung konservieren. Versuche dir vorzustellen, dass deine Aufnahme das einzige erhaltene Exemplar eines wertvollen verlorenen Soundobjekts sein könnte. Welche Informationen möchtest du der Aufnahme beifügen? Aufnahmedatum, Geschichte des aufgenommenen Objekts, Entstehungsdatum, aktueller Standort usw. Gewöhnen dich an, aufgezeichnetes Material für spätere Referenzzwecke zu katalogisieren. (Schafer, 1992, S. 49)
- Ständig dringen neue Geräusche in die Soundscape ein. Erstelle eine Liste aller neuen Geräusche, die in den letzten ein bis zwei Jahren in die Soundscape eingedrungen sind. Als Lou Giansante dieselben New Yorker Studenten, die die oben genannten Interviews geführt hatten, nach Beispielen für neue Geräusche fragte, nannten sie Folgendes: Pieptöne von Videospielen, elektronische Stimmen in Autos („Don't forget your seatbelt!“), Pieptöne von elektrischen Pagern, die Menschen bei sich tragen Küchenmaschinen leise (nicht tickende) Uhren mit elektrischem Wecker Tonwahltelefone elektrische Registrierkassen Pieptöne von Mikrowellenherden elektrische Hefter elektrische Rasentrimmer Klicken von Computertastaturen Pieptöne von Computern. (Schafer, 1992, S. 59)
Ein weiterer Ansatz zum Hören ist das AGF-Handbuch für individuelles und kollektives Hören.
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Suche dir einen spannenden Ort.
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Optional: Entscheide dich bewusst dafür, zunächst die Geräuschkulisse aufzunehmen. Starte dann das Aufnahmegerät.
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Zeichne deine Soundmap. Worauf kannst du achten?
Einen Arbeitsbogen zum Ausdrucken kannst du dir hier herunterladen.
3.3 Einen Soundwalk durchführen
Ein Soundwalk kann eine weitere Möglichkeit sein, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, indem die Umgebung hörend erkundet wird. Folgende Informationen helfen bei der Planung und Duchführung:
Ein Soundwalk ist jeder Ausflug, dessen Hauptzweck darin besteht, der Umgebung zu lauschen. Dabei lassen wir unsere Ohren für jedes Geräusch um uns herum offen, egal wo wir uns befinden. Wir können zu Hause sein, durch eine Straße in der Innenstadt, durch einen Park oder am Strand entlang spazieren; wir sitzen vielleicht in einer Arztpraxis, in einer Hotellobby, in einer Bank; wir kaufen vielleicht in einem Supermarkt, einem Kaufhaus oder einem chinesischen Lebensmittelgeschäft ein; wir stehen vielleicht am Flughafen, am Bahnhof oder an der Bushaltestelle. Wo auch immer wir hingehen, werden wir unseren Ohren Vorrang geben. Sie wurden von uns lange Zeit vernachlässigt, und infolgedessen haben wir wenig getan, um eine akustische Umgebung von guter Qualität zu entwickeln. (Westerkamp 1974, S. 18)
Möglichkeiten zur Gestaltung eines Soundwalks:
Bevor wir mit diesem Spaziergang beginnen, möchte ich jedoch noch ein paar Details erläutern. Ein Soundwalk kann auf viele verschiedene Arten gestaltet werden. Man kann ihn alleine oder mit einem Freund machen (im letzteren Fall ist das Hörerlebnis intensiver und kann sehr viel Spaß machen, wenn eine Person eine Augenbinde trägt und von der anderen durch verschiedene interessante akustische Umgebungen geführt wird). Man kann ihn auch in kleinen Gruppen machen. In diesem Fall ist es immer besser, in einer Reihe zu gehen, mit ausreichend Abstand, damit jeder aufmerksam den Geräuschen der Umgebung lauschen kann, ohne von anderen gestört zu werden. Ein Soundwalk kann außerdem ein großes Gebiet abdecken oder sich nur auf einen bestimmten Ort konzentrieren. Unabhängig davon, in welcher Form ein Soundwalk stattfindet, ist es immer wichtig, sich nicht vom intensiven Zuhören ablenken zu lassen, denn sein Hauptzweck besteht darin, unseren Hörsinn wiederzuentdecken und zu reaktivieren. (Westerkamp 1974. S. 18)
3.4 Eine eigene Soundscape erstellen und präsentieren
Erstelle deine eigene Soundscape zu einem bestimmten Thema.
- Finde ein Thema und entwickle einen Entwurf unter Verwendung von Design Thinking.
- Verwende nur eigene Aufnahmen und Klänge.
- Bearbeite die Klänge so wenig wie möglich.
- Arbeite mit Kopfhörern.
Design Thinking und Design Sprints sind Ansätze, um so viele Ideen wie möglich visuell zu skizzieren. In unserem Kontext gelten die folgenden Regeln.
- Keine digitalen Geräte im Raum.
- Gruppen-Brainstormings funktionieren nicht, daher skizziere alleine.
Okay: Viel Spaß!
- Skizziere deine Ideen! „Auf die Quantität kommt es an.“ „Sei mutig!“ „Sei visuell.“ (20 Min.)
- Nach dem Skizzieren: Wähle deine besten Skizzen aus und präsentiere sie. (20 Min.)
- Gebe Feedback: „Vermeid Kritik.“ (20 Min.)
✏️ Material: Stifte, Papier, Post-its, Poster
⌛️ Dauer: ca. 60 Minuten.
Präsentiert eure Soundscapes im Klassenverband.
Einigt euch, wie ihr die Präsentation gestalten wollt. Dies kann online mit Tools wie TaskCards oder Padlet oder persönlich erfolgen. Diskutiert über Ort, Zeit und Dauer, die Möglichkeit Werbung zu machen und Gäste einzuladen, zusätzliche Textinformationen zu euren Soundscapes und über die Raumgestaltung. Da manche Hörerlebnisse sehr intensiv sein können (z. B. Kriegsgeräusche, Tiergeräusche, ...), könnt ihr dort, wo es nötig ist, Warnhinweise mit Triggerwarnungen anbringen.

sustain_sound presentation TEAM

ipads, tablets and earphones
4. Quellen
- Knapp, J., Zeratsky, J., & Kowitz, B. (2016). Sprint: Wie man große Probleme löst und neue Ideen in nur fünf Tagen testet. Simon & Schuster.
- Knapp, J. (2018). SPRINT Kickoff-Slides. https://www.dropbox.com/s/xm6svbq5ds58xgq/SPRINT%20kickoff%20slides.pdf?dl=0
- Schafer, R. M. (1992). A sound education: 100 exercises in listening and sound-making. Arcana Ed.
- Schafer, R. M. (1994). The soundscape: Our sonic environment and the tuning of the world. Destiny Books [Originally published: The tuning of the world. New York: Knopf, 1977].
- Truax, B. (Hrsg.) (with Schafer, R. M.). (1978). Handbook for acoustic ecology (1st edition). A.R.C. Publications.
- Westerkamp, H. (1974). Soundwalking. Sound Heritage, III(4). https://www.sfu.ca/sonic-studio-webdav/WSP_Doc/Booklets/SHWesterkamp.pdf
- Westerkamp, H. (2002). Linking soundscape composition and acoustic ecology. Organised Sound, 7(1), 51–56. https://doi.org/10.1017/S1355771802001085