Warum sprechen wir über Sound?
Sound wird häufig mit Klang oder Klangfarbe übersetzt, diese Begriffe werden aber der Bandbreite dessen, was unter Sound verstanden wird, nicht gerecht.
„Im deutschsprachigen Raum hat die Verwendung des Wortes ‚Sound‘ ihren Ursprung in der Fachsprache des Jazz. Zunächst wurde damit (ausgehend vom Stil des ‚Swing‘) der „typische Klang“ einer Band oder eines Solisten bezeichnet, im engeren Sinne die charakteristischen Klangeigenschaften des Arrangements, der Instrumentation und der Tonbildung (…) Der individuelle Sound galt damit als musikalisches Ziel und Qualitätsmerkmal eines Musikers, eines Komponisten oder einer ganzen Band“ (Schätzlein 2004: 25).
Neben dieser Definition als typischer Klang kann Sound auch ein einzelnes Element einer Musikproduktion bezeichnen – eine Bassdrum oder eine spezielle Synthesizer-Einstellung. Der Begriff kategorisiert bestimmte Klangeigenschaften – Röhrensounds oder Lead-Sounds. Er hilft bei der Beschreibung von Klängen und den damit verbundenen Empfindungen – ›softer Sound‹, ›rauer Sound‹. Und er ist ein Mittel zur Bewertung – ›fetter Sound‹.
Sound kann ein Mittel der Abgrenzung sein, denn: „Was für den einen ein geiler Sound ist, ist für den anderen bedeutungsloses Getöse, was smarte Sounds für den Einen, ist für andere kitschiger Bombast. Wut und Verzweiflung können in Sound ausagiert und vermittelt werden, symbolisch oder sehr direkt, aggressiv, rau, heftig“ (Binas-Preisendörfer 2008: 2).
Schätzlein macht deutlich: „Der Stellenwert von Interpretation, Komposition und Notation (im konventionellen Sinne) rückt gegenüber der Technik in den Hintergrund – der durch den Umgang mit der Tonstudiotechnik erzeugte charakteristische Klang wird zum musikalischen Markenzeichen. (…) Die zentrale Bedeutung des Sounds für die Produktion und Rezeption von Rock- und Popmusik zeigt die Notwendigkeit einer Erweiterung des traditionellen Instrumentariums musikalischer Analyse um die Verfahren einer musikwissenschaftlichen Soundforschung“ (Schätzlein 2004: 27).
Wollen wir also über populäre Musik sprechen, müssen wir über Sound sprechen.
Damit bietet das Thematisieren von Sound Verbindungen zu einer Vielzahl der im Kerncurriculum geforderten Kompetenzen. Zum Beispiel in den Kompetenzbereichen Musik gestalten und Musik hören und beschreiben, Musik untersuchen, Musik deuten.
Quellen:
Binas-Preisendörfer, Susanne (2008): Rau, süßlich, transparent oder dumpf – Sound als eine ästhetische Kategorie populärer Musikformen. Annäherung an einen populären Begriff, https://edoc.hu-berlin.de/server/api/core/bitstreams/8f808af7-3d9e-41df-bb7e-6441ff68fc54/content
Schätzlein, Frank (2004): Sound und Sounddesign in Medien und Forschung, https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/de0fe288-24f5-4b14-977a-f67b6121183a/content
Quelle: YouTube
kurzes Soundsample Erhu
Lizenz: CC0-1.0
kurzes Sample klassischer Synth
Lizenz: CC0-1.0
kurzes Samplke Synth Dreamvoice
Lizenz: CC0-1.0
Beispiel Musikproduktion
Wenn man Musik produziert muss man häufig über Sounds sprechen, um die eigene Vorstellung wie etwas klingen soll anderen mitzuteilen. Hierbei geht es auch um eine Bewertung von Sounds. Welche Klänge empfinde ich als passend, welche nicht? Und wie kann ich anderen verständlich machen, wie etwas klingen soll?
Schaut euch folgende kurze Szene an. Wie sprechen Didi und das Alpaka über Sound? Schreibe auf welche Ausdrücke sie benutzen und beschreibe, was du dir unter diesen Begriffen vorstellst. Manchmal muss man sogar eigene Wörter erfinden um einen Sound zu beschreiben. Welche neuen Worte fallen dir ein mit denen man Sounds beschreiben kann?
Didi und das Alpaka produzieren einen Beat.
Lizenz: CC-BY-4.0
Quelle: YouTube
Übung 2.1
Probiere selber verschiedene Wellenformen aus. In diesem Fenster findest du einen Online Synthesizer. Dieser kann zwei verschiedene Wellenformen erzeugen. Eine Rechteck-Welle (Square Oscillator) und eine Sägezahnwelle (Saw Oscillator) mit dem blauen Amplitude Regler kannst du die Lautstärke der jeweiligen Welle einstellen.
- Schiebe zuerst den gelben Frequency Regler ganz nach rechts, damit keine Frequenzen abgeschnitten werden.
- Höre dir beide Wellen zuerst einzeln an.
- Dann mische sie zusammen und höre wie sich der Sound verändert.
- Mit dem blauen Pitch Offset Regler kannst du den Grundton deines Sounds verändern.
Übung 2.3
Tauscht euch darüber aus, wie sich der Sound für euch verändert.
- Findet ihr eine Verbindung zwischen den Reglern im Syntheziser und den von euch gefundenen Begriffen aus Übung 1.1?
- Gibt es zum Beispiel einen Regler oder eine Komibantion von Reglern, die das Signal wärmer oder kälter macht?
Hier kannst du dir die einzelnen Frequenzbereiche einmal anhören.
Wenn du bei einer Spur auf SOLO klickst hörst du nur noch diesen Frequenzbereich.
Höre dir alle einzelnen Spuren genau an.
Über die Regler kannst du die Laustärke der einzelnen Frequenzbereiche ändern. Mache einzelne Spuren lauter oder leiser und achte darauf, wie sich der Gesamtklang verändert.
Passt das was du hörst zu den Beschreibungen der Frequenzzwerge? Wie würdest du ihren Klang beschreiben?
Lizenz: David Scheiermann 2024 CC-BY-4.0
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Übung 3.1
Auch die Hüllkurve kannst du selber ausprobieren. Verändere dazu die Regler im grünen Amplitude Envelope Bereich.
- Versuche folgende Sounds einzustellen:
- eine Bassdrum, also ein kurzes trockenes BUMM
- ein Sound der langsam anfängt und dann plötzlich abbricht
- Findest du heraus, warum es im Synthesizer zwei Hüllkurven (grüne Amplitude Envelope und rote Envelope) gibt?
- Kannst du folgende Hüllkurven singen?
Singe und halte einen Ton, verändere nur die Lautstärke deiner Stimme
Quelle: Wikimedia
Drehe jetzt die Lautstärke unter dem Video auf, um dir das Original anzuhören. Wie unterscheidet sich dein Sound vom Original?
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Little Simz - Gorilla
Quelle: YouTube
Deichkind - Wer Sagt Denn Das?
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