Die Planung eines Kurzfilms

"Das WG-Casting" als Beispiel

Der Kurzfilm Das WG-Casting wurde in Zusammenarbeit des OMA-Teams mit Studierenden der Hochschule für Musik und Theater München (Sommersemester 2022) geplant und umgesetzt. Den Rahmen dafür bot das Interdisziplinäre Modul 2. Durch das Projekt hatten die Studierenden ihre ersten Kontaktpunkte mit dem Thema Film, Technik und einem Set. Die Studierenden waren unter Anleitung weitestgehend selbst für den Film verantwortlich und trafen selbst storyrelevante Entscheidungen.
Im Folgenden werden die einzelnen Planungsschritte anhand dieses Beispiels vorgestellt.

So geht's los: Logline und Treatment

Um einen Kurzfilm umzusetzen, kann man sich sozusagen an einem roten Faden entlang hangeln. Zunächst braucht man eine Idee: Wovon soll der Film handeln? Wer ist unsere Hauptfigur? Welches Genre bedient der Film? Usw. Hat man eine erste Idee von einem Film, schreibt man diese in eine Logline.

In einer der ersten Sitzungen haben wir ein Brainstorming gehalten. Da wir "etwas Witziges” machen wollten, orientierten wir uns an einer Szene aus der Serie The Big Bang Theory. In diesem Beispiel spielt die Wohngemeinschaft Pictionary, wobei es zu vielen lustigen Missverständnissen kommt. Diese Idee wollten wir auf eine gemischte WG aus Musiker:innen und nicht musikalisch begabten Personen adaptieren. Daraus ergab sich unsere erste Logline:

Die Musiker:innen-WG bekommt Zuwachs, jedoch einen unmusikalischen. Hier treffen zwei verschiedene Welten bei einem Spieleabend aufeinander. Kann sich trotzdem eine Gemeinschaft bilden oder sind die Differenzen doch zu groß?

Nachdem die erste Logline verfasst worden ist, fängt man mit der Ausarbeitung des Treatments an. Das Treatment beinhaltet die Logline, den Titel, Genre und Länge des Films und eine erste Inhaltsangabe (Synopsis). In der Regel sollte die Inhaltsangabe alle entscheidenden Punkte der Geschichte umfassen. Um unser Treatment zu schreiben und daraufhin unser erstes Drehbuch zu entwickeln, hielten wir mehrere Sitzungen in einem Writers' Room ab.

Die Story entwickeln

Zu Beginn des Writers' Rooms haben wir uns mit zwei "Story-Modellen" beschäftigt. Zum einen mit Dan Harmons Story Circle, der ähnlich wie die Heldenreise aufgebaut ist. Zum anderen mit Noah Charneys Cracking the Sitcom Code, in welchem Charney ein System entwickelt hat, das sich auf jede Sitcom-Folge anwenden lässt.

Sowohl Harmons als auch Charneys Modell lassen sich perfekt zusammen kombinieren. Mithilfe des neu erworbenen Wissens konnten die Studierenden im Writers Room die erste Synopsis niederschreiben.

Drei Musikstudent:innen lernen sich auf dem Hausflur kennen. Z hat eine Gitarre dabei, wodurch er sichtlich als Musiker identifiziert werden kann. X, Y & Z unterhalten sich über ihr Studium. Eine Wohnungstür öffnet sich und die Student:innen werden zum WG-Casting hineingebeten. X und Y betreten die Wohnung. Doch noch bevor Z durch die Tür schreiten kann, wird sie ihm vor der Nase zugeschlagen. Ein WG-Mitglied erwähnt, dass Musiker nicht erwünscht sind. Nun befinden sich X & Y mitten im WG-Casting und werden auf Herz und Nieren überprüft. Dabei versuchen beide so gut es geht ihre musikalische Ader zu verbergen, jedoch ohne Erfolg. Am Ende des Castings stehen beide wieder auf dem Flur und treffen auf Z. Dieser sitzt auf dem Boden, spielt mit seiner Gitarre und singt ein Lied. Nachdem X & Y sich so lange zurückhalten mussten, gesellen sie sich zu Z und stimmen mit ein.

Im Anschluss haben wir unsere Synopsis auf das Modell von Charney angewendet und uns zu jedem seiner Punkte Gedanken gemacht.

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Das Drehbuch entsteht

Somit war unser erstes Treatment geboren. Die noch offenen Fragen, welche im Treatment aufgekommen sind, haben wir im weiteren Verlaufe des Writers' Rooms geklärt und angefangen, die ersten Szenen für unser Drehbuch zu schreiben. Wir arbeiteten die Figuren weiter aus, verliehen ihnen einen einzigartigen Charakter und schrieben die Dialoge. Nach ein paar Runden und Versionen hatten wir schließlich unser erstes Drehbuch.

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Die Shotlist

Als das Drehbuch finalisiert war, wurde jede einzelne Szene analysiert und in eine Shotlist eingearbeitet. Dabei wurde jede geplante Kameraeinstellung in folgende Punkte unterteilt:

  • Scene
  • Shot
  • Shot Type
  • Movement
  • Location
  • Ext. / Int. (= exterior / interior)
  • Description
  • Cast

Die Shotlist hilft nicht nur bei der Drehplanung und Umsetzung vor Ort, sondern ermöglicht auch die Erstellung eines Storyboards.

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Das Storyboard

Anhand der Shotlist wurde dann (mit der Hilfe unserer Graphikdesignerin) ein Storyboard erstellt. Dieses hilft dabei, sich den Film schon einmal vorzustellen und ein erstes Gefühl für den Ablauf zu bekommen. Gerade im Animationsfilm ist das Storyboard (und das darauf folgende Animatic) ein Muss!

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Drehplanung und Disposition

Jetzt mussten wir Drehtermine finden, Requisiten organisieren und genau festlegen, welche Bilder wann gedreht werden. Am schwierigsten war es, die Termine festzulegen, da nicht alle Schauspieler:innen zur gleichen Zeit konnten. Die Suche nach den Locations, besonders für die WG, gestaltete sich ebenfalls sehr mühsam.

Die Vorproduktion für einen Drehtag wird in einer Disposition (kurz: Dispo) festgehalten. Diese enthält alle wichtigen Information, für alle am Set beteiligten Personen. Wann hat wer wo zu sein, wo wird gedreht, welche Zeiten müssen eingehalten werden, welche Bilder werden gedreht usw.

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Das Drehen

Noch vor dem ersten Drehtag gab es zwei Treffen im Studio der Open Music Academy zwei Termine, bei welchen den Studierenden die Technik erklärt wurde. Hier konnten sie ein eigenes, kleines Projekt umsetzen und ein erstes Gefühl für das Equipment bekommen. Ebenso wurde ein kleiner Testdreh gehalten. Dieser sollte den Studierenden zeigen, wie ein Tag am Set abläuft und wer welche Aufgaben übernimmt, damit der richtige Dreh reibungslos ablaufen kann.

Gedreht wurde an drei Tagen in München, unter anderem am Königsplatz, im Englischen Garten und in einem Studierendenwohnheim. Während des Drehs haben sich die Studierenden weitestgehend mit den Aufgaben abgewechselt. Lediglich die Aufgabe der Regie und des Kameramanns lag nicht bei den Studierenden, um Zeit einzusparen.

Nach dem Dreh: die Postproduktion

Nach dem Dreh war das Projekt für die Studierenden zu Ende und das Semester abgeschlossen. Trotzdem stand natürlich noch die Postproduktion, Sounddesign und Colorgrading an.