Die Sample-Reise
Lernen mit Loops, Breaks und musikalischer Geschichte
Was ist eine Sample-Reise?
Die Sample-Reise ist ein Zugang zu Pop- und Clubmusik, der nicht bei einzelnen Werken, Stars oder Genres beginnt, sondern bei einem kleinen Klangfragment: einem Sample. Samples sind kurze Ausschnitte aus bestehenden Aufnahmen – etwa ein Drum-Break, ein Vocal-Shout oder eine Bassfigur –, die in neuen musikalischen Kontexten wiederverwendet werden.
Statt Musikgeschichte als lineare Abfolge von Stilen zu erzählen, folgt die Sample-Reise den Wegen eines einzelnen Samples durch unterschiedliche Zeiten, Genres und Szenen. So wird hörbar, wie Musik nicht einfach „neu erfunden“, sondern immer wieder angeeignet, verändert und neu zusammengesetzt wird.
Die Sample-Reise versteht Pop- und Clubmusik als eine Kultur der Wiederholung mit Differenz.
Die Sample-Reise am Beispiel des Think-Break
Ausgangspunkt: Ein Break aus den frühen 1970er-Jahren
Unsere Sample-Reise beginnt mit einem kurzen Drum-Break aus dem Song „Think (About It)“ von Lyn Collins (1972).
Dieser sogenannte Think-Break besteht aus wenigen Takten Schlagzeug, ergänzt durch markante Vocal-Rufe. Er zählt zu den am häufigsten gesampleten Breaks der Popmusikgeschichte.
Quelle: YouTube
Den Breakbeat, also den kurzen Drum-Loop, mit dem die Reise weitergehen soll, findest du ab Minute 1:21 bis ca. 1:23. Beim ersten Hören wirkt dieser kurze Ausschnitt unscheinbar. Doch genau dieser Moment wird in späteren Produktionen isoliert, geloopt, beschleunigt oder verfremdet – und schreibt damit Popkulturgeschichte.
Station 1: Breakbeats und Hip-Hop
In den 1970er- und 1980er-Jahren beginnen DJs, besonders tanzbare Stellen aus Funk- und Soul-Platten gezielt zu verlängern. Der Fokus liegt auf den Breaks – den Momenten, in denen nur Schlagzeug und Groove zu hören sind.
Der Think-Break wird so Teil der frühen Hip-Hop-Kultur, in der DJing, Sampling und Rap eng miteinander verbunden sind.
Die Cookie Crew gelten als die ersten, die den Think-Break für Ihre Produktion verwendet haben.
Quelle: YouTube
Beobachtungsfragen:
- Hörst du den Breakbeat?
- Woran erkennst du ihn? Welche Merkmale lassen sich festhalten?
Station 2: Jungle, Drum’n’Bass und Tempo
In den 1990er-Jahren taucht der Think-Break in der britischen Clubkultur wieder auf – nun stark beschleunigt, zerhackt und neu zusammengesetzt. In Genres wie Jungle oder Drum’n’Bass wird der Break zum Rohmaterial für hochkomplexe Rhythmen.
Hör dir diesen Jungle-Track genau an:
Quelle: YouTube
Hier wird deutlich: Das gleiche Sample kann völlig unterschiedliche musikalische Welten hervorbringen.
Quelle: YouTube
Aufgabe
Höre den Track mindestens einmal. Mach dir Notizen zu folgenden Fragen:
- Welche Funktion hat deiner Meinung nach der Think Break in diesem Track?
- Was für Assoziationen mit anderen Genres oder Songs/Tracks kommen dir beim Hören in den Kopf?
Station 4: Quietschbunter Hyper-Pop
Bis heute wird der Think-Break in aktuellen Produktionen verwendet – etwa im Pop oder daran angelehnten genreübergreifenden Hybridformen, wie dem sogenannten "Hyper-Pop". Dabei wird oft auf einen gewollt künstlichen Sound hingearbeitet. Die Künstlerin Hatsune Miku, die auf dem Track zu hören ist, ist dafür ein sehr gutes Beispiel, denn ihre Stimme ist digital generiert und ihr Äußeres ein animierter Avatar.
Quelle: YouTube
Reflexionsfragen:
- Wie hat sich der Think-Break in deinen Ohren im Laufe dieser Reise verändert?
- Warum nutzen Produzent:innen immer wieder die gleichen Samples?
Was zeigt uns diese Reise?
Die Sample-Reise macht hörbar:
- dass Musikgeschichte nicht abgeschlossen ist
- dass alte Aufnahmen in neuen Kontexten weiterleben
- dass musikalisches Material immer auch soziale und kulturelle Spuren trägt
Samples funktionieren dabei wie kleine Archive – allerdings keine stillen, sondern aktive, die im DJ-Set oder durch den Einsatz von Samples beim Produzieren neuer Tracks neu zusammengesetzt werden.
Weiterdenken & Ausprobieren
Du kannst die Sample-Reise selbst fortsetzen:
Auf der Seite who-sampled.com kannst du über die Suchfunktion herausfinden, welche Samples in deiner Lieblingsmusik enthalten sind und wo diese evtl. wiederum als Sample vorkommt.
- Suche Dir aus einem beliebigen Track ein Sample aus, das dich interessiert
- Finde verschiedene Tracks, in denen es verwendet wird
- Vergleiche Tempo, Stimmung, Kontext und Einsatz
- Diskutiere oder präsentiere deine Beobachtungen
Oder: Erprobe die Sample-Reise praktisch an einem DJ-Controller oder mit einer DJ-App an deinem mobilen Endgerät – und erfahre Musikgeschichte im Mix. In diesem Tutorial erfährst du alle wichtigen Grundlagen des Digital DJing.