Frühe Kompositionen Mozarts und späte Kompositionen Beethovens (nur K4)

Eine Übersicht zu den Tutorials zum Thema Formanalyse durch Kadenzgliederungen finden Sie hier.

Das Modell K4

Im ersten größeren Formteil einer Komposition (also z.B. in einem Menuett bis zum Doppelstrich, einer Sonate oder Sinfonie bis zum Ende der Exposition, im A-Teil einer Arie usw.) sollten nach Heinrich Christoph Koch drei Absätze und eine Kadenz stattfinden. Für einen pragmatischen Analyseansatz werden auch unter Absätzen Kadenzen verstanden, sodass die nachstehende Kadenzreihenfolge (Kadenz = K) den ersten größeren Formteil einer umfangreicheren Komposition charakterisiert:

  • Ganzschluss in der Haupttonart (= K1)
  • Halbschluss in der Haupttonart (= K2)
  • Halbschluss in der Nebentonart (= K3)
  • Ganzschluss in der Nebentonart (= K4)

Die folgende Anleitung behandelt den Fall, dass im ersten Formteil einer umfangreicheren Komposition der Ganzschluss (= K1) und der Halbschluss der Haupttonart (= K2) sowie der Halbschluss in der Nebentonart (= K3) fehlen.

Expositionen nur mit einem Ganzschluss in der Nebentonart

Expositionen, die bis auf den Abschluss der Exposition (= K4) keine weiteren Kadenzen aufweisen, sind ausgesprochen selten anzutreffen. In einem Notendiagramm lässt sich das Kadenzmodell wie folgt chiffrieren:

Die Formfunktionen der Formenlehre Hauptsatz, Überleitung, Seitensatz und Schlussgruppe können nicht anhand von Kadenzen bestimmt werden:


Beispiel Klaviermusik: Sonate für Klavier und Violine in C-Dur KV 6 von W. A. Mozart, 1. Satz

Das folgende Notenbeispiel zeigt die Exposition des zweiten Satzes der Sonate für Klavier und Violine in C-Dur KV 6 von W. A. Mozart:

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Quelle: Youtube

Aufgabe 1:

  • Analysieren Sie die Exposition des Kopfsatzes aus KV 6 von W. A. Mozart.

Beispiel Klaviermusik: Sonate in A-Dur Op. 101 von L. v. Beethoven, 1. Satz

Das folgende Notenbeispiel zeigt die Exposition des Kopfsatzes der Sonate für Klavier in A-Dur O, 101 von L. v. Beethoven:

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Ludwig v. Beethoven, Sonate in A-Dur Op. 28, 1. Satz Allegretto ma non troppo
Klavier: Igor Levit, Quelle: Youtube

Aufgabe 2:

  • Analysieren Sie die Exposition des Kopfsatzes aus Op. 101 von L. v. Beethoven.

Zusammenfassung

Kompositionen, die durch eine Kadenzform (K4) nach H. Chr. Koch charakterisiert sind, weisen lediglich

  • Gestaltungen vor der K4,
  • ggf. noch eine Gestaltung nach der K4 auf.

In Sonaten und Sinfonien ist die Zuweisung der vier Formfunktionen Hauptsatz, Überleitung, Seitensatz und Schlussgruppe aufgrund der Anzahl der Abschnitte in der Regel sehr schwierig. Das Problem besteht darin, dass die Kriterien der Bestimmung individuell stark variieren können. Je nachdem, ob syntaktische, motivisch-thematische oder harmonische Kriterien dominieren, können die Analysen unterschiedlich ausfallen und sich ggf. widersprechen. Welche Kriterien angemessen sind, wird in der Forschung aktuell kontrovers diskutiert.

  • In dem Modell K4 erklingen vor der K4 die Formfunktionen Hauptsatz, Überleitung, Seitensatz und Schlussgruppe.
  • Anfang und Ende der Taktgruppen mit einer spezifischen Formfunktion können nicht über Kadenzen bestimmt werden.

Beachten Sie, dass in Sonaten dieses Typs eine Interpretation und Begriffszuweisung in jedem Fall einer Offenlegung der Analysekriterien bzw. einer an der konkreten Komposition orientierten Begründung bedarf!

Kadenzdispositionen, die nur eine abschließende Kadenzen in der Nebentonart aufweisen, sind in umfangreicheren Kompositionen sehr selten anzutreffen.


License: CC BY-SA 4.0 (any later version)
Source: openmusic.academy, Article “Frühe Kompositionen Mozarts und späte Kompositionen Beethovens (nur K4)”, https://openmusic.academy/docs/NGwbeHmM4benj9T14GWV4/kadenzgliederung-k4, 09/28/2022, 3:55 PM
Contributions by: Ulrich Kaiser, mani-prod

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