Generalbassübungen für Einsteiger: Generalbass-Choräle

Quelle: Wikimedia

Wer zum ersten Mal einen Generalbass aussetzen möchte, sieht sich mit einer Vielzahl von Regeln konfrontiert. Für den Einstieg sind sogenannte Generalbass-Choräle zu empfehlen, weil die neben der Bassstimme (Generalbassstimme) auch eine Sopranstimme angeben. Du musst dann lediglich noch zwei Mittelstimmen (Alt und Tenor) gemäß der Generalbassbezifferung ergänzen. Achte darauf, dass du mit der rechten Hand immer drei Stimmen, mit der linken Hand nur die Bassstimme spielst (3+1).

In diesem Dokument findest du Übungen zu Generalbass-Chorälen, die nach Schwierigkeit geordnet sind. Sie basieren auf einer Sammlung von Generalbass-Chorälen von Georg Thoma (PDF) dürfen aber gerne verbessert, bearbeitet und erweitert werden!

Du kannst die Übungen entweder direkt am Klavier vierstimmig aussetzen oder auch schriftlich ausarbeiten.

Inhalt

Aufgabe 1: Akkorde in Grundstellung

Die erste Aufgabe beinhaltet nur Akkorde in Grundstellung. In der rechten Hand sind also in enger Lage zwei weitere Töne zu ergänzen; der Basston wird dabei verdoppelt.

Gibt es keine Bezifferung unter den Basstönen, wird immer ein entsprechender leitereigener Akkord verwendet. Ohne Generalvorzeichen wird also über dem c ein Durakkord ergänzt, über dem d ein Mollakkord, über dem h ein verminderter Akkord:

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Steht allerdings unter dem Basston ein #-Vorzeichen, wird die Terz des Akkordes erhöht:

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Steht dagegen unter dem Basston ein b-Vorzeichen, wird die Terz des Akkordes erniedrigt und ein Auflösungszeichen neutralisiert ein gegebenenfalls vorhandenes Vorzeichen.

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Aufgabe 2: Die Sexte und Septime

Auch dieses Beispiel besteht zum großen Teil aus nicht bezifferten Basstönen, die mit Grundakkorden ausgefüllt werden. Darüber hinaus erscheinen drei weitere Generalbassziffern, mit denen man die benötigten Intervalle vom Basston aus nach oben berechnen kann.

  • 7: Der Septakkord. Vollständige Bezifferung: 3/5/7. Ein Septakkord auf c besteht entsprechend aus den Tönen c/e/g/h. Man kann – je nach Kontext – wählen zwischen dem vollständigen Septakkord, bei dem 3, 5 und 7 gespielt werden, und dem unvollständigen Septakkord, bei dem man neben der 3 und der 7 den Grundton verdoppelt (bzw. eine 8 spielt und dafür die 5 weglässt). Ob du einen vollständigen oder Unvollständigen Akkord spielst, hängt von der Stimmführung ab. Achte darauf, dass keine ›verbotenen‹ Quint- oder Oktavparallelen entstehen.
  • 6: Der Sextakkord. Vollständige Bezifferung : 3/6. Ein Sextakkord auf c besteht entsprechend aus den Tönen c/e/a. Man kann entweder auch hier den Basston verdoppeln (8/3/6) oder aber den sogenannten Oktavgriff wählen: Hier liegt zwischen der Sopranstimme und der Tenorstimme stets eine Oktave, es wird also entweder die 3 oder die 6 verdoppelt.
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  • 5/6: Der Quintsextakkord. Vollständige Bezifferung: 3/5/6. Ein Quintsextakkord auf c besteht entsprechend aus den Tönen c/e/g/a. Hier wird kein Ton verdoppelt, da der Akkord aus vier verschiedenen Tönen besteht.
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Aufgabe 3: Der Quartsextvorhalt

Als zusätzliche Bezifferung tritt hier in Takt 4 der Quartsextvorhalt (4/6) auf. Er löst sich kurz darauf in einen Durakkord (3/5) auf, der ja normalerweise nicht beziffert wird. Nach einem Quartsextvorhalt allerdings wird er beziffert, um auf den Griffwechsel über dem gleichen Basston hinzuweisen.

Erwähnenswert ist hier auch der Septakkord in Takt 4: Solange in der Bezifferung keine Vorzeichen auftreten musst du immer die leitereigenen Töne verwenden. 1/3/5/7 von gis aus aufwärts ergeben Töne gis, h, d und fis, wodurch ein halbverminderter Septakkord erklingt.

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Aufgabe 4: Stimmführung beim Sextakkord

Zu beachten ist hier der Akkord mit # und 7 in Takt 4: Das # bezieht sich auf die Terz, die 7 dagegen ist ein regulärer leitereigener Ton. Die beiden Sextakkorde in Takt 5 und 6 sind unterschiedlich zu realisieren:

  • In Takt 5 darf man beim Sextakkord auf keinen Fall den Basston verdoppeln, da sich sonst Oktavparallelen zum folgenden Akkord ergeben. Der "Oktavgriff" ist möglich, führt aber angesichts der darauf folgenden Aufwärtsbewegung zu einem großen Sprung im Tenor. Beste Lösung hier ist, das f1 in Alt und Tenor zu verdoppeln.
  • In Takt 6 dagegen würd bei Einsatz des Oktavgriffs zu der normalerweise verbotenen Leittonverdopplung führen. Hier muss stattdessen der Basston g verdoppelt werden.
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Aufgabe 5 - Stimmführung beim Sextakkord II

In dieser Übung ist erneut Vorsicht bei den Sextakkorden geboten. Zur Erinnerung: Beim Sextakkord kann man je nach Situation entweder (als Standardfall) den Oktavgriff verwenden, bei dem Sopran der Sopranton im Tenor eine Oktave tiefer verdoppelt wird, oder aber den Basston verdoppeln.

  • In Takt 2 scheidet die Basstonverdopplung aus, da es sich beim dis um einen lokalen Leitton handelt.
  • In Takt 3 dagegen scheidet aus dem gleichen Grund die Lösung mit dem Oktavgriff aus, da das fis hier der Leitton ist. Beim Sextakkord auf der 2. Bassstufe, der den Leitton als Sexte beinhaltet, wird grundsätzlich entweder der Basston oder der Terzton verdoppelt, keinesfalls die Sexte.
  • Takt 5 und Takt 6 haben wir zweimal die Situation, dass zwei Sextakkorde aufeinanderfolgen: Häufig wechseln in solchen Fällen die Verdopplungsmöglichkeiten einander ab. In diesen Fällen sollte man im ersten Sextakkord den Oktavgriff wählen, im zweiten dagegen die Basstonverdopplung, die hier ohnehin vorgegeben ist, da in Bass und Sopran schon der gleiche Ton h gegeben ist.
  • In Takt 6 auf Schlag 1 sollte der Sopranton verdoppelt werden – wegen sonst großer Sprünge aber besser nicht durch den "Oktavgriff", sondern durch eine Prime zwischen Sopran und Alt.

Die Bezifferung 2/4 (alternativ auch nur 2) steht für den Sekundakkord aus den Tönen 2, 4 und 6.

Die Bezifferung "8" in Takt 7 würde man isoliert nicht benötigen, sie gehört aber zu der darauffolgenden 7. Es handelt sich also um einen 8–7-Durchgang, bei dem das d im grundstelligen D-Dur-Akkord von einem c, der Septime abgelöst wird.

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Aufgabe 6: Terzquartakkord und Sekundakkord

In Aufgabe 6 kommt zusätzlich der Terzquartakkord (3/4) und der Sekundakkord (2 oder 2/4) vor. Sie können gemeinsam mit dem Quintsextakkord als Umkehrungen des Septakkordes verstanden werden. Im vierstimmigen Satz setzt man sie grundsätzlich vollständig aus; es sind also keine Tonverdopplungen notwendig! Der Terzquartakkord besteht vollständig aus Terz, Quarte und Sexte (3/4/6), der Sekundakkord besteht aus Sekunde, Quarte und Sexte (2/4/6).

Aufgabe 7: Wechsel von Dur nach Moll

In dieser Aufgabe findet in Takt 5 ein kurzzeitiger Wechsel in die Mollvariante statt. Ein Auflösungszeichen ohne Ziffer bezieht sich dabei immer auf die Terz.

Ausblick: Generalbass ohne gegebene Oberstimme

Normalerweise ist beim Generalbass keine Oberstimme vorgegeben, sondern nur eine bezifferte Bassstimme. Nach bestimmten Konventionen findet man eine geeignete Stimmführung der Oberstimme im Bezug auf den Bass. Meist gibt es nicht nur eine richtige Möglichkeit, den Generalbass zu realisieren. Zu den Richtlinien, die dabei helfen, den Generalbass auch ohne gegebene Sopranstimme und stiltypisch auszusetzen, zählen unter anderem:

  • Vermeiden von Oktav- und Quintparallelen
  • Gleiche Töne zwischen zwei Akkorden beibehalten
  • Bevorzugung von Gegenbewegung in den Außenstimmen