Erschienen ist der herrlich Tag

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Text und Musik: Nikolaus Herman (1560)\

Erschienen ist der herrlich Tag wurde im 16. Jahrhundert von Nikolaus Herman gedichtet und zählt zu den zentralen Osterliedern der evangelischen Tradition. Entstanden im Umfeld der Reformation, verbindet das Lied die neue volkssprachliche Liedkultur mit der überlieferten Osterbotschaft der Kirche. Herman gelang es, die Auferstehung Christi in klarer, gemeindetauglicher Sprache als Grund des christlichen Glaubens und der Hoffnung auszudrücken.
Liturgisch hat das Lied bis heute einen festen Platz im Osterfestkreis, besonders am Ostersonntag und in der Osterzeit. Durch seinen jubelnden Charakter eignet es sich sowohl als feierliches Eingangslied als auch zur Bekräftigung der Osterfreude im Gottesdienst und macht die reformatorische Osterfrömmigkeit musikalisch erfahrbar.

ARGVMENTVM ſequentis Cantilenæ
EIn jeder Christ hat drey tag : Der erste ist der Freitag , an dem mus er dem HErrn Christo das Creuz helffen tragen vnd leiden , Dieser tag weret , so lang wir leben allhie auff Erden . Der ander tag ist der Sabbath , der Khutag , an welchem wir begraben werden vnd ruhen im Grabe biß an Jüngsten tag . Der dritte ist der herrliche Ostertag , in welchem wir auff- erstehn werden zum ewigen Leben , Dieser wehret von ewigkeit zu ewigkeit .

aus: Bibliothek Deutscher Schriftsteller aus Böhmen. Bd. II, Nicolaus Herman. Die Sonntags-Evangelia (1561), Prag, Wein Leipzig 1895, S. 75.

Inhalt

Chorsätze

vierstimmig

Ulrich Kaiser

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CC BY | Ulrich Kaiser (2026)

dreistimmig

Ulrich Kaiser

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CC BY | Ulrich Kaiser (2026)

Text

1. Erschienen ist der herrlich Tag,
dran sich niemand gnug freuen mag;
Christ, unser Herr, heut triumphiert,
all seine Feind gefangen führt.
Halleluja!

2. Die alte Schlange, Sünd und Tod,
die Höll, all Jammer, Angst und Not
hat überwunden Jesus Christ,
der heut vom Tod erstanden ist.
Halleluja!

3. Am Sonntag früh mit Spezerei
kamen zum Grab der Frauen drei,
dass sie salbten Marias Sohn,
der vom Tod war erstanden schon.
Halleluja!

4. »Wen sucht ihr da?«, der Engel sprach,
»Christ ist erstanden, der hier lag.
Das Schweißtuch seht ihr da allein,
geht hin, sagts bald den Jüngern sein.«
Halleluja!

5. Der Jünger Furcht und Herzeleid
wird heut verkehrt in lauter Freud.
Sobald sie nur den Herren sahn,
verschwand ihr Trauern von Stund an.
Halleluja!

6. Der Herr hielt freundlich ein Gespräch
mit zwei der Jünger auf dem Weg.
Vor Freud ihr Herz im Leib entbrannt,
am Brotbrechen ward er erkannt.
Halleluja!

7. Unser Simson, der treue Held,
ist Christus, der den Löwen fällt,
der Höllen Pforten er wegträgt,
dem Teufel er das Handwerk legt.
Halleluja!

8. Jona im Walfisch war drei Tag,
so lang Christus im Grab auch lag,
denn länger ihn der Tod kein Stund
in seinem Rachen halten konnt.
Halleluja!

9. Sein’ Raub der Tod musst geben her,
das Leben siegt und ward sein Herr,
zerstört ist nun all seine Macht.
Christ hat das Leben wiederbracht.
Halleluja!

10. Heut gehn wir aus Ägyptenland,
wo Pharao zum Dienst uns band.
Wir essen heut im Brot und Wein
das rechte Passalämmlein fein.
Halleluja!

11. Auch essen wir das süße Brot,
das Mose Gottes Volk gebot.
Kein Sauerteig soll bei uns sein,
dass wir leben von Sünden rein.
Halleluja!

12. Der zürnend Engel weiter geht,
kein Erstgeburt er bei uns schlägt.
An unsrer Tür ist Christi Blut,
das uns vor Straf bewahret gut.
Halleluja!

13. Die Sonn, die Erd, all Kreatur,
alls, was betrübet war zuvor,
das freut sich heut an diesem Tag,
da der Welt Fürst darniederlag.
Halleluja!

14. Drum wollen wir auch fröhlich sein,
singen das Halleluja fein
und loben dich, Herr Jesus Christ;
zu Trost du uns erstanden bist.
Halleluja!