"Oh Tannenbaum" mit Jazzakkorden
Ihr möchtet an Weihnachten mal wieder ein paar Klassiker präsentieren, jedoch wollt ihr der ganzen Sache etwas mehr Pepp verleihen? Die allseits bekannte Melodie von "Oh Tannenbaum" bietet eine super Grundlage für den harmonieinteressierten Musiker, da sie selbst bei stärkeren Reharmonisationen ihren Wiedererkennungswert nicht verliert.
Dieses kleine Projekt bietet eine schrittweise aufgebaute Anleitung, die von Level zu Level etwas komplexer wird. Hierbei versuche ich euch möglichst viel Jazztheorie mitzugeben, die das ganze untermauert und ein Verständnis dafür schafft.
In diesem Beispiel bleibt es harmonisch gesehen jedoch ziemlich im Bereich von Quintfall-Harmonik, also beim Prinzip "Dominante löst sich auf zu einer Tonika". Ausflüge in andere Tonale Zentren finden nicht wirklich statt. Die Heimat F-Dur, in der "Oh Tannenbaum" hier klingt wird nicht - wenn, nur kurzzeitig - verlassen, da jegliche Akkordprogressionen immer F-Dur oder eine Stufe der Tonart F-Dur (F, Gm, Am, Bb, C, Dm, E∅) zum Ziel haben.
Wird dir das schon zu viel? Keine Angst, wir gehen da schrittweise ran, so dass du es am Klavier nachspielen und selbst erleben kannst. Zum Schluss gibt es eine coole Abschlussversion, die richtig jazzy klingt. Also los!
Level 1 - Basic
Hier im folgenden seht ihr erst mal eine grundlegende Version des Weihnachtslieds. Es werden grundsätzlich bloß Tonika (F-Dur, hier im Video vereinfachend mit einem großen "F" als Akkordsymbol) , Subdominante (Bb-Dur, "B-flat" aus der englischen/amerikanischen und damit auch jazztypischen Schreibweise also "Bb", da ja dort das B unser deutsches H ist) und Dominante (C-Dur hier mit kleiner Sept B also C7 als Dominantseptakkord) verwendet. Das reicht erst mal vollkommen aus, um das Stück anständig zu harmonisieren. Wenn ihr als studierender Schulmusiker mit Klavier als Nebenfach im "Schupra"-Unterricht das Lied so aus dem Stegreif flüssig harmonisieren könnt, seid ihr schon mal gut dabei.
Lion Hansmaier
Level 2 - Teil A mit Zwischendominanten
Erst mal ein kleiner Theorieblock, den ihr Aufmerksam durchgehen solltet. Er klärt viele wichtige Dinge, die für das Verständnis dieses ganzen Artikels von Bedeutung sind.
Im Fortfolgenden wird der Melodieteil 1 also "Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter" als A-Teil bezeichnet.
Diesen möchten wir uns nun mit sogenannten Zwischendominanten auffüllen. Im Normalfall spricht man bei einer Dominante von der fünften Stufe der Tonleiter einer Tonart. Gehen wir von der Tonart F-dur aus, ist C-dur die Dominante (F-G-A-B-C), oft als Dominant-Septakkord gespielt, der im Fall von "C7" eine Tritonus-Spannung zwischen den Tönen E und B (deutsches B) erzeugt, die sich hier "nach innen" auflösen möchte zu F und A. {Spielt das mal am Klavier: einen Tritonus, indem ihr gleichzeitig E und B drückt und spürt der Auflösung nach, die geschieht, wenn ihr gleichzeitig das E einen Halbton hoch zum F und das B einen Halbton runter zum A bringt.}
Nun kann man aber auch von anderen Stufen von F-dur aus "fünf Stufen raufkraxeln". Zum Beispiel gehen wir mal von G (2. Stufe) aus die F-Dur-Tonleiter fünf Schritte rauf (G-A-B-C-D). Wir kommen bei D raus. Nativ gesehen ist die 2. Stufe "G" der Tonart F-dur der Akkord G-moll (sowie jede zweite Stufe einer Dur-Tonart moll ist) und die 6. Stufe "D" ist auch D-moll (sowie jede sechste Stufe einer Dur-Tonart). {Lasst euch nicht verwirren, "Tonart" und "Tonleiter" werden hier im Prinzip gleichbedeutend verwendet.}
Wieso nun diese fünf-nach-oben-Kraxelei von der zweiten Stufe von F-dur aus? Da wir nun aus dem D-moll-Akkord einen D7 machen können! Also aus D-moll (d-f-a) wird D-dur (d-fis-a), bzw. eben wie gesagt, ein Dominant-Septakkord mit noch mehr Auflösungsbedürftigkeit D7 (d-fis-a-c).
Jetzt kommt der springende Punkt: Wenn wir diesen D7 passend in unsere Harmonisation einbauen, dann will sich dieser hier unbedingt zu G-moll auflösen. Also suchen wir uns eine Stelle, wo G-moll passt (Faustregel zum Thema "Wann passt welcher Akkord?": Der Melodieton sollte im Akkord enthalten sein, den ihr zur Harmonisation auswählt.): Das ist zum Beispiel bei den Tönen die klingen, wo der Text "...grün sind deine..." geht. Seht euch das genau im Video an. Deswegen passt es davor auch den D7 zu bringen: Wo der Text ein zweites mal "Oh(G) Tannenbaum (A)" geht, klingt in der Melodie ein A. Dieses A ist als Quinte von D7 enthalten (D7 wie gesagt d-fis-a-c). Und der D7 löst sich zu G-moll auf.
Gehen wir nochmal an den Anfang des Videos: Der erste Akkord, der verwendet wird, ist F-Dur. Der Zweite ist G7. G7 ist hierbei die sogenannte Doppeldominante. Diese nennt man so, da sie die Dominante der Dominante ist. (Oh je.) Das erklär ich jetzt auch mal: C-Dur (c-e-g) bzw C7 (c-e-g-b) ist ja die Dominante (5. Stufe) von F-Dur, wie wir wissen. Was geschieht jetzt, wenn wir vom C aus fünf Stufen "raufkraxeln"? (C-D-E-F-G) Da kommen wir beim G raus. Aus diesem in der Tonart F-dur eigentlich nativem G-moll machen wir wiederum einen Dominant-Septakkord "G7". Dieser bekommt eine andere Funktion: Er wird die Dominante von C-dur. Also die Dominante der Dominante. Die Doppeldominante. Im Video könnt ihr das genau hören und sehen gleich am Anfang: Die Akkorde gehen F - G7 - C7 - F. Also G7 löst sich zu C7 auf und C7 löst sich zu F auf. Perfekt!
Danach kommt der D7, den wir ja schon besprochen haben: Er ist eine Zwischendominante. Hier noch eine Allgemeine Definition für Zwischendominanten: "Zwischendominanten sind Dominant-Akkord-Klänge, die sich zu anderen Stufen einer Tonart hin auflösen als zur ersten." Denn, die Dominante die sich zur ersten Stufe hin auflöst, ist einfach nur "die Dominante". In unserem Fall C-Dur/C7. D7 löst sich hier aber zur zweiten Stufe G-moll hin auf, also hat er die Funktion einer Zwischendominante. Die Doppeldominante ist übrigens auch eine Zwischendominante. Sie hat nur die Ehre, diesen speziellen Namen bekommen zu haben.
Lion Hansmaier
Level 3: A-Teil mit Quintfallsequenz
Die Auflösung einer Dominante bezeichnet man auch als Quintfall. Zum Beispiel C nach F abwärts ist ja das Intervall einer Quinte. Logisch. Spinnen wir das ganze also mal weiter: F - (quinte nach oben) - C - G - D - A - E - H usw. So finden wir lauter Töne, die sich im Quintfall auflösen und irgendwann zu unserer Wahlheimat F-Dur führen. Wie sehend die Töne dieser Quintreihe konkret als Akkorde aus? Naja, probieren wir mal, jeden als Dominantseptakkord herzunehmen: H7 nach E7 nach A7 nach D7 nach G7 nach C7 nach F-Dur. Spielt diese Akkorde mal am Klavier, ihr werdet merken, das funktioniert (es "klingt")!
Versuchen wir diese Akkorde aber sinnvoll einzubauen stoßen wir relativ schnell an grenzen: H7 (h-dis-fis-a) klingt eventuell (das ist eine geschmackliche Entscheidung, die wir als reharmonisierender Musiker treffen müssen) einfach bereits zu "krass" und zu weit "außerhalb". Es sind ja mit h, dis und fis auch bereits drei Töne enthalten, die nativ in der F-dur-Tonleiter nicht vorkommen. Wir könnten uns also für einen halbverminderten Akkord entscheiden: B∅7 (h-d-f-a). Dieser enthält mehr Töne aus F. {Das Zeichen für einen halbverminderten Akkord ist meist ein durchgestrichenes kleines "o" (∅) oder die Schreibweise m7(♭5) (z.B. Cm7(♭5)), was "Moll-Septakkord mit verminderter Quinte" bedeutet und die Töne 1, ♭3, ♭5, ♭7 (Grundton, kleine Terz, verminderte Quinte, kleine Septime) enthält, im Gegensatz zum vollverminderten Akkord (dim7 oder °7) mit verminderter Septime. Also den "B∅7" aus unserem Beispiel könnte man auch als "Bm7(b5)" schreiben".)
Wie ordnen wir den halbverminderten Akkord ein in unser Denksystem? Im Prinzip ist er in vielen klassischen Akkordfolgen ein "Vorhaltsakkord". Im Jazz spricht man ja von 2-5-1-Verbindungen. Diese gibt es in Moll- sowie in Durtonarten! Zum Beispiel Gm7 - C7- F(maj7) ist eine typische 2-5-1 Verbindung die F-dur als Ziel hat {Die 7 ist quasi erst mal immer dabei, bei jedem Akkord im klassischen Jazz}. Was, wenn wir aber einen Mollakkord als Ziel haben, bzw ein Lied, das in Moll steht? Da brauchen wir die Moll-2-5-1-Verbindung. Diese hat nicht wie die Dur-2-5-1-Verbindung die Folge IIm7 - V7 - Imaj7 sondern die Folge II∅7 - V7 - Im7. Sehen wir uns nochmal die Töne an bei B∅7: h - d - f - a. Wenn wir es als zweite Stufe "II" einbauen in eine Moll-2-5-1-Verbindung dann sieht es so aus: B∅7 - E7 - Am7. Wir kommen bei Am7 raus. Genau das passiert hier im Video harmonisch. Das A von B∅7 geht dann einen Halbton runter zum Gis, das die große Terz des Folge-Akkords E7 ist -> Diese Bewegung macht die II zum "Vorhaltsakkord", da es quasi ist wie ein E7sus4 der zu E7 wird (a zu gis. In der Generalbassschreibweise wäre es mit einem 4-3 Vorhalt zu vergleichen) Der E7 wird zu E7(b9), da in der Melodie das F klingt. Die "Tensions" im Jazz, also Spannungstöne, die vorallem über Dominantseptakkorden wie hier vorkommen, schreibt man oft in Klammern. Hier ist die Tension also die b9, der Ton f, der normal nicht in E7 vorkommt und sich stark reibt, aber eine besonders reizvolle Spannung erzeugt, da die Oberstruktur (also E ausgenommen dann gis - h - d - f) dann einem vollvermindertem Akkord entspricht. Es entsteht eine große Auflösungsbedürftigkeit, der unser folgender Am7 Akkord genüge tut. Damit ist die Moll-2-5-1 komplett: B∅7 - E7 - Am7.
Was, wenn wir aber sagen, wir sind bei Am7 angekommen aber akzeptieren das nicht als unser neues Zuhause? Wir wollen zurück in unsere Wahlheimat F-dur! Wir könnten doch das Am7 umdeuten und eine neue II daraus machen! Am7 - D7 - G! Und aus dem G machen wir wieder eine II. Gm7 - C7 - F!!! Endlich wieder zu Hause. Genau das geschieht in dem Video: B∅7 - E7 - Am7 - D7 - Gm7 - C7 - F {Auch oft als 2-5-Kette bezeichnet oder in der klassischem Harmonielehre -> "Quintfallsequenz"!} Streng genommen wäre ja bei Gm7 eine Moll-2-5-1-Verbindung nötig, aber so streng systematisierend wollen wir mal nicht sein: Am7(b5) bzw. A∅7 ist mit seinen Tönen (a - c - es - g) ohnehin weiter weg von unserer Ausgangstonart F-dur als Am7 (a - c - e - g), da das "e" in F-dur enthalten ist und das "es" nicht. Der "Akkordbatzen" Am7 - D7 - Gm7 - C7 ist auch als 3625 bekannt, da das die Stufen der Akkorde sind und funktioniert als Variante des "Turnarounds" (1625).
Anmerkungen zu den Akkordsymbolen im Video -> "Am9": Oft sieht man auf Jazznoten, sogenannten "Lead-Sheets" diese Bezeichnung [irgend ein Ton]m9. Das ist eine kurze Bezeichnung für Am7(9) also einen Akkord aufbauend auf den Tönen a-c-e-g-h-. Man geht immer/oft davon aus, dass man nur den "höchsten" Ton der Terzstapelung nennen muss im Akkord. Mit Terzstapelung meine ich, wie man am Beispiel Am9 a-c-e-g-h sieht, sind es lauter gestapelte Terzen. Man hat also immer grundton-terz-quinte-sept-none also 1-3-5-7-9. Man kann das auch noch weiter führen: a-c-e-g-h-d-fis (fis, weil f nicht gut klingt). -> Dann hat man 1-3-5-7-9-11-13. Daher kommen die Bezeichnungen für die Tensions "11" und "13", die man auch oft in Jazz-Akkordsymbolen sieht . Machen wir das ganze mal am Beispiel eines Dominantseptakkords, zB. C7: wir bauen wieder 1-3-5-7-9-11-13 also c-e-g-b-d-fis-a (fis, weil f hier nicht gut klingt. Probiert einfach mal die Terzen simultan am Klavier gestapelt zu spielen!). C-e-g-b ist ja noch klar, das ist unser normaler C7. "d" ist die 9, "fis" die #11 (sogenannte "kreuz-elf" oder im englischen "sharp eleven") und a ist die 13. Springender Punkt: Wenn man also das Akkordsymbol C13 sieht, sind alle Töne "unter der 13" mit einbegriffen, also soll C-e-g-b-d-fis UND a klingen. ABER: die #11 lässt man meistens weg oder spielt sie nur in speziellen Fällen, in denen sie gut klingt und ihren Platz findet. Normalerweise ist sie zu "krass". Die Quinte lässt man auch oft weg, da sie in der Obertonreihe bereits sehr präsent ist und es "overkill" ist, sie zu spielen. Ein guter Akkord den ihr am Klavier spielen könnt für das Akkordsymbol C13 ist zum Beispiel: kleines c - kleines b - d1 - e1 - a1. Bzw. wenn ihr in einer Combo spielt und der Bass das C spielt, müsst ihr tatsächlich nur die vier oberen Töne spielen. Die Umkehrungen dieses Akkords klingen auch alle recht gut, bis auf die, bei der die Haltonreibung in der Oberstimmen stattfindet, also wo das "b" ganz oben ist. Wichtig ist noch zu wissen: Wenn man das Akkordsymbol sieht [irgend ein Ton]13, zB C13 oder A13, dann ist IMMER ein Dominantseptakkord gemeint! Wenn nicht-dominantische Dur- oder Moll Akkorde gemeint sind, dann steht meistnes nicht 13 sondern [irgendein Ton]6 -> Zum Beispiel C6 (c-e-g-a). "6" und "13" sind bei C zwar beide a aber haben eine andere Funktion: Die "6" ist eine Farbe, wie auch in der klassischen Harmonielehre als Sixte-Ajoutée bezeichnet und die "13" ist eine Tension im Dominantseptakkord. Also: Wenn 13 steht wisst ihr, Dominantseptakkord! {Anmerkung: Selten sieht man die 13 auch als Tension im Moll7-Akkord. Der heißt dann 13, weil sich die 13 mit der 7 reibt. Beim Moll6-Akkord ist die 7 in der Regel nicht dabei.} Weiteres Beispiel: Gm11 (g-b-d-f-a-c). Man kann ihn banal gesagt einfach denken als "Gm7 mit C noch drin (und eventuell noch der None A)".
Lion Hansmaier
Level 4: A-Teil mit veränderter Basslinie und Tritonussubstitution
Es muss nicht immer Quintfall sein. Wir können auch mal gemütlich den Bass die Tonleiter hinaufwandern lassen und dann von dort aus wieder Quintfälle stattfinden lassen. Wie, als wandern wir erst mal einen Berg hoch und fliegen mit dem Paraglider runter!
Im folgenden Video seht ihr den Bass drei Stufen hinaufwandern: F - G - A . Dann macht er einen Sprung zum Eb. Runter zum D, dann G, dann C, dann F. Das ist wieder Quintfall! Das Eb ist ein sogenannter Tritonussubstitut. Eigentlich ist die Dominante von D ja A. Also in der Quintfallreihe, die wir zuvor besprochen hatten. Man kann aber Dominanten auch durch ihren "Tritonussubstitut" ersetzen. Dazu geht man vom Grundton der zu ersetzenden Dominante einen Tritonus weg und macht diesen zum neuen Grundton der Dominante. Also A7 wird zu Eb7. Dieser Eb7 kann sich dann genau so gut auflösen zu D hin, wie das substituierte A7 es könnte. Man hat dann in der Bassstimme eine chromatische (halbtönige) Abwärtsbewegung (Eb->D). Das ist immer so bei Tritonussubstitutionen.
Landen tun wir als nächstes bei der Station D. Zunächst haben wir aber "Dsus9". Was ist das schon wieder!? "Sus" heißt im Jazz fast immer erst mal die 3 wird durch die 4 ersetzt also quasi "sus4", außer es steht im Akkordsymbol zB. explizit "sus2", dann wird die 3 durch die 2 ersetzt. Also haben wir im Falle von D7 mal ein "g" statt ein "fis". Die 9 vom "d" aus ist dann noch das "e". Also haben wir quasi D7 (eigentlich d - fis - a- c) mit "g" statt "fis" und einer hinzugefügten None "e". {Pausiert das Video bitte grundsätzlich an Stellen, wo ihr die Akkorde nachspielen wollt.} Dieser Dsus9 löst sich auf im Folgenden: die 4 wird wieder zu 3, also g wird wieder zu fis (dadurch geht das Anhängsel "sus" im Akkordsymbol verloren) und die große None "e" wird zur kleinen None "es" und diese kleine None nennt man im Jazz b9! Daher lautet das Akkordsymbol D7(b9). Dieser Akkord löst sich wunderbar nach Gm7 auf.
Spannung - Auflösung - Spannung - Auflösung und immer so weiter! Großartig!
Lion Hansmaier
Level 5: Endversion
Zum Abschluss möchten wir mal alles Gelernte zusammensetzen. Hier hört ihr eine gefühlvoll gespielte Version, in der die Techniken aus allen Leveln gemischt vorkommen. Los geht es mit der A-Teil Version aus "Level 4". Bei der Wiederholung des A-Teils ist jedoch eine Kleinigkeit anders: Ein eingeschobener A13 Akkord. (An der gleichen Stelle, wo auch Eb7 als nächstes in der gleichen Funktion noch ist. Hier findet sich das Tritonus-Paar!) Das "fis", also die "13" von A7 wird hierbei ganztönig angeschliffen vom "e" aus, was einen coolen Effekt bewirkt. Das Akkordsymbol A13 beinhaltet hier wieder die ganze harmonische Information, die in der Terzschichtung bis zur 13 hin vorkommt, wie bereits erklärt.
Im letzten Video hier habe ich die Akkordsymbole teilweise vereinfacht. Es stehen nicht mehr so viele Tensions, zB. (b9) oder (#11, 13) etc. dabei . Ihr werdet als praktizierender (Jazz-)musiker zwar oft auf Leadsheets treffen wo die Tensions bei jedem Akkord dabeistehen, aber auch auf Noten, in denen die Akkordsymbole sehr runtergebrochen stehen. Es kann zum Beispiel im sechsten Takt eines Songs D7 da stehen, aber ihr entscheidet euch bewusst auf Schlag 1 und 2 des Takts Dsus9 zu spielen und auf Schlag 3 und 4 des Takts D7(b9). Das ist dann eure musikalische Freiheit!
Ihr solltet also beim Üben einfach viel ausprobieren und euch fragen, welche Rolle spielt welcher Ton im Akkord, welche Tensions kann ich dazu spielen und in welche Richtung lösen sich diese auf? Wenn ihr cool klingende Akkordstrukturen findet, dann schiebt dieses mal chromatisch ganz parallel durch die Klaviatur und so könnt ihr in allen Tonarten tolle Voicings euch erarbeiten!
Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit meiner Jazz-Version von "Oh Tannenbaum"! Vielleicht könnt ihr ja am Klavier zu Hause an Heilig Abend mal ein paar Jazzfarben ins Wohnzimmer zaubern :)
Bei Fragen wendet euch bitte gerne an lion.hansmaier@stud.hmtm.de
Lion Hansmaier