Herr, send herab uns deinen Sohn

Text: nach Heinrich Bone 1847
Musik: Andernacher Gesangbuch, Köln 1608

Herr, send herab uns deinen Sohn ist im Andernacher Gesangbuch 1608 überliefert und steht exemplarisch für die spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Frömmigkeit, in der die Erwartung der Menschwerdung Christi in eindringlicher Bitte und bildreicher Sprache gestaltet wurde. Die Aufnahme des Liedes in dieses bedeutende rheinische Gesangbuch verweist auf eine bereits gefestigte Rezeption im kirchlichen und möglicherweise auch häuslichen Gebrauch, wo solche Lieder sowohl der persönlichen Andacht als auch der gemeinschaftlichen Vorbereitung auf Weihnachten dienten.

Liturgisch ist der Text eindeutig im Umfeld der Adventszeit zu verorten: Die flehentliche Anrufung Gottes um die Sendung des Sohnes knüpft an die biblischen Verheißungen und die eschatologische Spannung dieser Kirchenjahresphase an. Entsprechend dürfte das Lied vor allem in Gottesdiensten der Wochen vor Weihnachten, bei Morgen- und Abendandachten oder in katechetischen Zusammenhängen gesungen worden sein.

Inhalt

Chorsätze

vierstimmig

  • ABC-Notation:
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CC BY | Ulrich Kaiser (2026)

1.\ Herr, send herab uns deinen Sohn,
die Völker harren lange schon.
Send ihn, den du verheißen hast,
zu tilgen unsrer Sünden Last.

2. O Weisheit aus des Höchsten Mund,
die du umspannst des Weltalls Rund
und alles lenkst mit Kraft und Rat:
komm, weise uns der Klugheit Pfad.

3. O Adonai, du starker Gott,
du gabst dem Mose dein Gebot
auf Sinai im Flammenschein:
streck aus den Arm, uns zu befrein.

4. O Wurzel Jesse, Jesu Christ,
ein Zeichen aller Welt du bist,
das allen Völkern Heil verspricht:
eil uns zu Hilfe, säume nicht.

5. O Schlüssel Davids, dessen Kraft
uns kann entziehn der ewgen Haft:
komm, führ uns aus des Todes Nacht,
wohin die Sünde uns gebracht.

6. O Aufgang, Glanz der Ewigkeit,
du Sonne der Gerechtigkeit:
erleuchte doch mit deiner Pracht
die Finsternis und Todes Nacht.

7. O König, Sehnsucht aller Welt,
du Eckstein, der sie eint und hält:
o komm zu uns, o Herrscher mild,
und rette uns, dein Ebenbild.

8. O "Gott mit uns", Immanuel,
du Fürst des Hauses Israel,
o Hoffnung aller Völker du:
komm, führ uns deinem Frieden zu.

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