Schupra- und Popklavier-Praxiskurs

Inhalt

Einführung

Carl Czernys Schupra-Etüden

In der jahrhundertlangen Geschichte des Klaviers sind zahlreiche einschlägige Studien, Etüden und Übungen erschienen.

Egal ob Czerny, Hanon, Liszt oder Brahms:

Übungen, die die Techniken des Klavierspiels vermitteln, gibt es für jeden Geschmack und für jede Schwierigkeitsstufe.

Aber:

Mit dem Auftreten von neuerer Musik, speziell aus den Bereichen Jazz, Rock und Pop sowie verwandten Stilen, gibt es völlig neue Anforderungen und Techniken, die bewältigt und erlernt werden müssen, um diese Art des Spielens zu meistern.

Schließlich lässt sich ein Song von Billy Joel im Schupra-Examen schlecht mit einem Alberti-Bass begleiten.

Dieser Kurs versucht genau diese Lücke zu schließen.

Neben den schon viel verbreiteten rhythmischen Pattern sowie Arrangements und Methoden, wie man ein Intro spielt, gibt dieser Kurs ein tatsächliches System, wie man mit wenig Zeit von holprigen Patterns und Schwierigkeiten bei der Koordination von Akkorden und Melodie zu sicherem und flüssigem Akkordspiel gelangen kann, das letztendlich auch tatsächlich Spaß macht.

Das bringt uns auch schon zum nächsten Punkt.

Ist dieser Kurs für mich?

Der Kurs richtet sich vor allem an angehende, aber auch fortgeschrittene Musikstudierende, die das Schupraspiel nicht direkt in die Wiege gelegt bekommen haben. Anders als beim klassischen Unterricht, den die meisten schon früh beginnen, sind Schupraskills oft reine Glückssache oder eben auch nicht.

PS: Schupra oder Schulpraktisches Klavierspiel verwende ich synonym mit dem Spielen moderner Songs auf dem Klavier.

Wer früh in einer Band gespielt hat oder sich selbst mit Improvisationen oder Popsongs beschäftigt hat, tut sich im Studium meistens sehr viel leichter als andere.

Zudem sind wir mal ganz ehrlich: Zum Schupraüben bleibt oft leider nur sehr wenig Zeit, zwischen den Hauptfächern, Profilprüfungen oder EWS.

Deshalb ist ein absolutes Grundprinzip dieses Kurses die Übeeffizienz: mit einigen wenigen aber dafür sehr gezielten Übungen sollen Schupra-Skills auch schon mit nur 10 Minuten am Tag (zum Beispiel zum Aufwärmen vor dem klassischen Repertoire) erlernbar sein!

Was macht diesen Kurs besonders?

1. Dieser Kurs beschränkt sich auf das Erlernen von und Arbeiten mit Durtonleitern.

Begründung: Die Akkordfolge Am - F - C - G kann statt in der Tonart A-Moll auch in C-Dur als 6-4-1-5-Akkordfolge gedeutet werden. Die Akkorde, Pattern und Melodiespielweise sind also fast 1:1 übertragbar.

Die ein oder andere V. Stufe in Dur, die in Molltonarten ebenso vorkommen kann, ist dann meistens nur noch eine kleine Transferaufgabe.

2. Das System basiert auf einer Übestruktur, die nach dem Erlernen auf sämtliche Durtonarten übertragen werden kann.

Das Ziel ist das sichere und möglichst freie Spielen in allen 12 Tonarten.

Lass dich davon aber nicht abschrecken: Das Lernen einer neuen Tonart wird immer und immer einfacher. Beispielsweise, wenn du C-Dur bereits kannst und nun die Tonart F-Dur lernen willst, hast du mit G-Moll, B-Dur und E vermindert nur drei neue Akkorde zu lernen.

Zum Abschluss wollte ich noch sagen, dass natürlich jeder, der gerne Klavier in seiner Freizeit spielt und sich auch mit Improvisation oder dem einfachen Nachspielen von Songs, die man gerne mag, beschäftigt, von diesem Kurs profitieren kann und eingeladen ist, die Übungen in seine tägliche Routine einzubauen.

Und nun lass uns direkt in den ersten Teil des Kurses starten - und zwar werden wir das Rad neu erfinden!

Chord Mastery: die Grundlage

Das Problem mit dem Klavierüben

Wenn du an das Klavierüben denkst, was kommt dir zuerst in den Kopf?

  • Tonleitern.
  • Tonleitern.
  • Über mehrere Oktaven.
  • Im Abstand von zwei Oktaven.
  • In Sechzehnteln.
  • Triolen.
  • Im Terz- oder Sextabstand.
  • Chromatisch.
  • Mit Metronom.

Wenn wir jetzt an Schupra denken: Wie viel bringen mir diese Tonleitern, wenn ich einen Song von Adele begleiten oder mit Melodie solistisch spielen möchte? Ich würde argumentieren: Der Transferwert liegt vergleichsweise nah bei 0.

Tonleitern spielen zu können ist natürlich kein Nachteil an sich, aber wir gehen hier von begrenzter Übezeit aus, die wir möglichst effektiv einsetzen wollen.

Welche Übungen kann ich also für meinen Adele-Song machen, die einen Transferwert nahe bei 100 haben?

Wir erfinden das Rad neu

Anstatt Tonleitern basiert Chord Mastery auf, na klar, Akkorden. Diese sind ja auch immerhin die Grundlage für alles, was es so an Schupra und Popliteratur gibt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit kennst du dich natürlich schon mit Akkorden aus. Dur, Moll, vermindert, übermäßig, Septakkorde, Slashakkorde, Sus-Akkorde etc.

Aus der Schule oder aus dem Musiktheorieunterricht sind diese natürlich bekannt. Aber wie sicher bist du darin, sie zu spielen? Oder wie wird man überhaupt besser darin?

Lass uns gleich die erste Übung machen:

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Die Chord-Mastery-Übung

Revolutionär, nicht wahr?

Das ist das ganze Geheimnis. Und sie bildet das Rückgrat von deinen Schupra- und Akkordspiel-Skills, für die dich deine KommilitonInnen bald beneiden werden.

Du fragst dich vielleicht: Wie übe ich jetzt damit?

Die Übung läuft folgendermaßen ab.

Du spielst die Akkorde in der rechten Hand sowie den Bass in Oktaven in der linken Hand.

Achte dabei auf drei Dinge:

  1. Spiele die Akkorde in der Grundstellung in der rechten Hand immer mit dem Fingersatz 1, 3, 5.

  2. Spiele den Bass in der linken Hand möglichst immer in Oktaven.

  3. In dem Moment, wo du einen Akkord spielst, sagst du gleichzeitig den vollen Namen inklusive Geschlecht des Akkords.

Das bedeutet, ich drücke C-Dur in der rechten Hand, spiele eine Oktave C links und während ich beide Hände drücke, sage ich" C-Dur".

Spiele zunächst die Chord Mastery-Übung in C und befolge die drei oben genannten Schritte. Du musst dabei nicht schnell spielen, kannst aber schon darauf achten, in einem gleichmäßigen Tempo zu bleiben. Dadurch erkennst du schon, ob bestimmte Akkordwechsel oder Akkordnamen unklar sind.

Die Übephilosophie von Chord Mastery

Lass uns nun die erste und zweite Umkehrung hinzufügen und damit die volle Chord-Mastery-Übung in C spielen.

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Ein paar letzte Hinweise zur Übung

In der zweiten und dritten Zeile wurden die Umkehrungen eine Oktave nach unten verschoben. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Zum Beispiel sind die tieferen Akkorde oft näher an dem, was man dann eigentlich braucht.

Und es ist leichter, vor allem später in schwierigeren Tonarten, wenn man die linke und rechte Hand näher beisammen hat.

Achte auch auf die Standardfingersätze für die drei verschiedenen Umkehrungen. Wichtig ist dabei noch zu beachten, dass wir auch in der ersten und zweiten Umkehrung jeweils nur "C-Dur" oder "D-Moll" sagen.

Das Ziel ist ja nicht, drei verschiedene Verknüpfungen in unserem Mind-Muscle-Gedächtnis zu haben, sondern den Akkord C-Dur mit drei spielbaren und verwendbaren Positionen auf der Tastatur zu verbinden.

Und noch ein letztes Mal der Reminder an "Say-and-Play". Auch wenn es sich repetitiv anfühlt, mach das wirklich. Es wirkt Wunder. 😉

Der verminderte Akkord in Chord Mastery

Wir sprechen die ganze Zeit von Transfer und Übe-Effizienz, aber warum üben wir diesen verminderten Akkord auf der siebten Stufe eigentlich? Oder warum ist er überhaupt da?

Diese Frage habe ich mir auch oft lange gestellt, bis ich diese wirklich schlüssige Erklärung herausgefunden habe:

Der verminderte Akkord existiert in jeder Dur-Tonart, da er Teil des Dominantseptakkords über der V. Stufe ist.

Das heißt, in C-Dur sind B, D und F der zweite, dritte und vierte Ton eines G-Dominantseptakkords.

Das bedeutet, wenn ich die Akkorde durch die Tonleiter nach rechts verschiebe, lande ich unausweichlich auf diesem verminderten Akkord.

... und was bedeutet das für die Chord Mastery Übung?

Aus der Praxis wird der Ton auf der siebten Stufe im Bass meistens als Terz des V-Akkordes gespielt, also in C-Dur wäre das G/B als Slash-Akkord notiert.

Das bedeutet, wir können in der Chord Mastery-Übung den verminderten Akkord einfach durch einen G-Dur-Akkord ersetzen, während wir links trotzdem das B spielen.

Alternativ können wir den verminderten Akkord in der rechten Hand beibehalten und in der linken Hand auf das G springen und den so entstehenden Dominantseptakkord dann wieder nach C-Dur auflösen.

Beide Varianten sind sinnvoll - ich spiele tatsächlich die zweite Variante lieber, da so die Besonderheit des verminderten Akkordes als Teil des Dominantseptakkords erhalten bleibt und würde diese Variante auch zum Üben empfehlen.

Hier siehst du beide Varianten:

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Hinweis: Die Akkordfingersätze werden für die weiteren Übungen nicht mehr speziell angegeben, außer sie sind von besonderer Bedeutung. Denke weiterhin daran: Grundstellung 1, 3, 5. Erste Umkehrung 1, 2, 5. Zweite Umkehrung 1, 3, 5.

Vielleicht siehst du jetzt schon die Grundidee dieser Methode.

Wenn du diese Übung in allen zwölf Tonarten beherrschst, dann kannst du theoretisch jedes Stück in jeder Tonart einigermaßen sicher spielen.

Chord Mastery in der Praxis

"Someone Like You" - Adele

Sagen wir, wir wollen die Klavierbegleitung von Adeles „Someone Like You“ lernen und suchen nach einer guten Übemethode, anstatt einfach den Song von vorne nach hinten durchzuspielen. Auch hier können wir die Chord-Mastery-Übung verwenden.

Dafür gehen wir folgendermaßen vor:

Zuerst wenden wir das ikonische Arpeggio-Pattern der rechten Hand auf unsere Chord-Mastery-Übung an. Damit können wir das Pattern gut isoliert üben, ohne uns Gedanken über die Akkordfolge machen zu müssen.

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Für diese Übung musst du nicht mehr die Namen der Akkorde dazusagen. Der Fokus liegt jetzt rein auf dem Pattern. Grundsätzlich wollen wir jeweils nur eine konkrete Sache üben. Das heißt, entweder wir bauen die Mind-Muscle-Connection auf, oder wir arbeiten an einem Pattern, oder an einem Rhythmus, oder an einer Akkordfolge und bauen es danach zusammen.

Von Chord Mastery zum Song

Nun bauen wir einen Zwischenschritt ein, der es uns erlaubt, schrittweise die verschiedenen Elemente und Schwierigkeiten des Songs hinzuzufügen und so eine sinnvolle Progression beim Üben zu ermöglichen.

Die Akkordfolge des Verses von Someone Like You ist C Em Am F.

Spielen wir also nun, statt der gesamten Chord-Mastery-Übung, unser Pattern nun über diese Akkordfolge.

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Von der Übung zur Anwendung

Wir haben uns also nun dem Song schrittweise angenähert und das Pattern sowie den Aufbau der Akkordfolge einzeln geübt.

Wichtig ist nun immer, dass wir zwischen den Übungen versuchen, den Song oder das Arrangement oder die Begleitung im Original zu spielen, je nachdem, was unser Ziel gerade ist.

Das ist vor allem wichtig, um zu überprüfen, ob die Übungen den gewünschten Effekt haben.

Weil wir erinnern uns, wir machen die Übungen nicht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder Beschäftigungstherapie, sondern weil wir uns tatsächlich verbessern wollen!

Nächste Schritte

Um jetzt ans Original zu kommen, Fehlen uns noch vier Dinge.

  1. Das Stück in die Originaltonart A-Dur oder in unsere gewünschte Tonart transponieren.

  2. Verschiedene Umkehrungen für eine sinnvolle Stimmführung verwenden.

  3. Beim E-Moll-Akkord in der linken Hand ein B im Bass spielen, um eine schöne Linie von C über B nach A zu erzeugen.

  4. Jeden Takt wie im Original zweimal spielen.

Zu 1. und 2. kommen wir gleich noch. 3. und 4. kannst du sicherlich selbst schon umsetzen.

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So könnte eine Begleitung für den Verse aussehen.

Weitere Arpeggio-Pattern

Wenn wir von drei Akkordtönen in der rechten Hand und durchgehenden Achtelnoten ausgehen, können wir Arpeggien mit folgender Notation darstellen:

f = "full" - Wir spielen alle drei Töne des Akkords.
b = "bottom" - Wir spielen die unterste Note des Akkords.
m = "middle" - Wir spielen die mittlere Note des Akkords.
t = "top" - Wir spielen die oberste Note des Akkords.

Alternativ:

b2 = "bottom two" - Wir spielen die unteren zwei Noten des Akkords.
t2 = "top two" - Wir spielen die oberen zwei Noten des Akkords.

Das obige Pattern von "Someone Like You" könnten wir also als "bmtm bmtm" beschreiben.

Hier ist nur eine kleine Liste von Pattern, die ich selbst gerne verwende und die in verschiedenen Kontexten und Stücken verwendet und geübt werden können:

  • tbmb tbmb
  • fbmb fbmb
  • fbmt fbmt
  • t2bt2b t2bt2b
  • t2bmb t2bmb

Anstatt einer Wiederholung in der Taktmitte können wir auch Pattern über 8 Achtelnoten bilden:

  • fbmt t2bmb
  • t2bmb mbfb

Die Stärke dieser Pattern ist, dass sie unabhängig von der Umkehrung gleich bleiben und deshalb frei mit der Chord Mastery Übung kombiniert werden können.

Umkehrungen und Akkordfolgen

Umkehrungen mit der Chord-Mastery-Übung

Nun haben wir erste Pattern bereits eingebaut, aber wie können wir die Umkehrungen ebenfalls sinnvoll üben?

Denn wir haben sie bereits einzeln geübt und verknüpft, brauchen aber, wie im letzten Notenbeispiel, oft nicht dieselbe Umkehrung mehrfach hintereinander, sondern müssen schnell zwischen diesen wechseln können.

Dafür nutzen wir natürlich wieder die Chord Mastery Übung und können zum Beispiel wie unten den schnellen Wechsel zwischen den Umkehrungen üben.

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So kannst du eigene Übungen erstellen

Die Möglichkeiten mit dieser Methode sind natürlich unbegrenzt, und ich ermutige dich dazu, selbst verschiedene Aspekte aus diesem Kurs auch mit eigenen Ideen zu kombinieren und damit genau die Übungen zu erstellen, die du gerade brauchst.

Hier ist eine Idee, wie wir unsere Arpeggien in der rechten Hand von vorhin mit dem Wechsel durch die Umkehrungen kombinieren können.

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Hinweis: Denke auch bei diesen Arpeggio-Pattern immer an unsere drei Standard-Fingersätze für die jeweiligen Umkehrungen. Auch wenn es hier Momente gibt, wo sich ein alternativer Fingersatz vielleicht besser anfühlen würde, ist das Ziel immer noch ein einheitliches und wiederholbares System, was uns das Übertragen auf andere Tonarten erleichtert.

Wir kommen jetzt zu den ersten bewussten Abweichungen von unseren Fingersätzen:

Die I-V-vi-IV-Akkordfolge

Der heilige Gral des Schupra-Spiels.

Das Nonplusultra, die Quintessenz, das Maß aller Dinge.

Des Rätsels Lösung.

Des Pudels Kern.

Die drei Hauptstufen Tonika, Subdominante und Dominante als Durakkorde, sowie die Nebenstufe vi als Mollakkord machen statistisch gesehen den größten Teil der modernen Popmusik aus.

Dazu gehören auch deren (zyklische) Permutationen wie z.B. vi IV I V oder I vi IV V.

Danach folgen die Nebenstufen ii und iii sowie der verminderte Akkord bzw. wie vorher schon erklärt die V. Stufe mit Terz im Bass oder die iii. Stufe mit Quinte im Bass.

Danach folgen noch weitere Slash-Akkorde, Sus-Akkorde, Dominanten sowie Zwischen- und Doppeldominanten.

Akkordfolgen effizient üben

Das Üben von verschiedenen Akkordfolgen bietet nicht nur eine sinnvolle Möglichkeit, unsere Akkorde und Umkehrungen zu kombinieren und Stimmführung zu üben.

Gleichzeitig schaffen wir uns ein Repertoire an Höreindrücken, Basslinien und Klängen, das sich positiv auf andere musikalische Bereiche wie Vom-Blatt-Spiel, Nach-Gehör-Spiel, Transkription und gemeinsames Musizieren auswirkt.

Im Sinne einer effizienten Übezeitnutzung, die in einen vollen Schulmusikstundenplan passt, wollen wir also die meiste Zeit mit der I V vi IV Akkordfolge verbringen, da dies die 80 % des Pareto-Prinzips sind, uns den meisten Nutzen mit überschaubarem Aufwand bringen.

Da die Akkordfolge wahrscheinlich keiner weiteren Erklärung bedarf, ist hier nun direkt eine sinnvolle Progression an Übungen über die I V vi IV Akkordfolge:

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Stimmführung

Drei Stimmführungswege

Aus gutem Grund haben wir uns bisher von den Fingersätzen sehr beschränkt. Jetzt wird es allerdings Zeit, davon abzuweichen und endlich die Umkehrungen zu kombinieren. Wenn du die vorherigen Übungen Schritt für Schritt und täglich übst, fällt dir dieser Schritt nun sehr, sehr viel leichter.

Lizenz: CC0-1.0

Für die I V vi IV-Akkordfolge gibt es drei Stimmführungswege:

R - 1 - 1 - 2
1 - 2 - 2 - R
2 - R - R - 1

R = Grundstellung (Root Position)
1 = Erste Umkehrung
2 = Zweite Umkehrung

Dabei sind ein paar Dinge interessant:

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Wenn du im ersten Stimmführungsweg den ersten Akkord R betrachtest, startet der zweite Stimmführungsweg mit 1.

Der dritte Stimmführungsweg startet mit 2. Wenn wir uns R, 1 und 2 nun in einem Kreis denken, dann rutscht jeder Akkord im zweiten Stimmführungsweg eine Position weiter. Also wird R zu 1, 1 wird zu 2 und 2 wird wieder zu R.

Zudem spielen wir jeden Akkord in jeder Umkehrung genau einmal. Das siehst du daran, dass in den Spalten von oben nach unten keine Umkehrung verdoppelt ist.

Von der V zur vi Stufe verschieben wir den Akkord jeweils einfach nach rechts.

Diese Stimmführungswege können wir nun auch am Klavier spielen, dafür ist das Beherrschen der Chord Mastery Übung in den verschiedenen Umkehrungen natürlich eine Voraussetzung:

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Wichtig: Wir brauchen jetzt andere Fingersätze als wir bisher verwendet haben.

Für alle Akkorde ohne Fingersatz spielen wir unseren bisherigen Standardfingersatz für die jeweilige Umkehrung.

Im zweiten und dritten Stimmführungsweg nutzen wir jeweils anstatt 1, 3, 5 den Alternativfingersatz 1, 2, 4.

Dies ist der häufigste Alternativfingersatz neben den Standardfingersätzen für die Akkorde.

In diesen Fällen setzen wir sie ein, um von 1, 2, 4 nach 1, 3, 5 effektiv zu wechseln, ohne dabei unsere Handpositionen verändern zu müssen.

Disclaimer: Diese Stimmführungswege und Fingersätze funktionieren natürlich nur für diese Akkordfolge. Wenn weitere Akkorde auftauchen, brauchen diese eventuell andere Stimmführung oder Fingersätze. Bei den Permutationen der I V vi IV-Akkordfolge, wie zum Beispiel vi IV I V, können wir natürlich auch diese Stimmführungswege und Fingersätze verwenden - allerdings dann verschoben.

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Schauen wir uns nochmal die Stimmführungswege mit den geänderten Fingersätzen an. Im Bild sind die Akkorde mit dem Alternativfingersatz 1, 2, 4 in Grün markiert.

Merke dir dieses Bild, schreib es irgendwo auf oder druck es dir aus. Mit dieser Formel und den entsprechenden Fingersätzen kannst du sehr schnell in allen Tonarten die Akkordfolge spielen.

Übestrategien für Akkordfolgen

Zum Üben der Akkordfolge können wir diese natürlich mehrmals spielen oder unsere vorherigen Kombinationen verwenden.

Eine weitere Strategie wollte ich noch besonders hervorheben, die mir persönlich sehr geholfen hat.

Anstatt die Akkordfolge nur zu spielen und zu wiederholen, können wir diese auf verschiedenen Ebenen verknüpfen. Wir können die Aufmerksamkeit auf verschiedene Aspekte richten. Beispielsweise können wir einzelne Noten in unseren Stimmführungen hervorheben und Linien sichtbar machen.

Eine besondere Linie ist die, die jeweils auf der Terz des ersten Akkordes beginnt. (E-D-E-F)

Im Notenbeispiel unten sind die jeweiligen Töne grün markiert.

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Da die drei Stimmführungswege sich nur über unseren oben beschriebenen Kreis verändern, sind die drei Linien pro Akkord natürlich auch in jedem Stimmführungsweg enthalten.

Das heißt, der Grundton der ersten Stufe bewegt sich stets nach unten zur Terz der fünften Stufe, egal ob er in der Grundstellung die unterste Note oder in der zweiten Umkehrung die mittlere Note ist. Dasselbe gilt für alle anderen Akkordtöne und deren Stimmführung.

Besonders interessant ist hierbei die zweite Zeile, da die grüne Linie komplett vom Daumen gespielt wird. Die oberen zwei Töne werden jeweils von den Fingern 2, 3, 4, 5 gespielt.

Die Finger bleiben dabei jeweils auf ihrer weißen Taste liegen und der Daumen wechselt als einziger Finger die Tasten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein wichtiger Schlüssel für sicheres Akkordspiel nicht nur das reine Lernen von Tönen und Stücken wie bei klassischem Repertoire ist, sondern das tatsächliche Verknüpfen und Bauen von Eselsbrücken auf möglichst vielen verschiedenen Wegen.

Dadurch werden die Akkorde so verinnerlicht, dass sie in verschiedenen Situationen schnell abgerufen werden können.

Chord Mastery in allen 12 Tonarten

Von C-Dur zu F-Dur und G-Dur

Nun ist es endlich soweit. Nachdem wir bisher hauptsächlich in C-Dur gearbeitet haben, ist es an der Zeit, die anderen Tonarten zu lernen.

Aus meiner Erfahrung macht es dabei Sinn, zunächst in C-Dur zu bleiben und die verschiedenen Übungen und Variationen zu erlernen. Zudem ist es leichter, die Umkehrungen, Fingersätze und Stimmführungen zunächst ohne schwarze Tasten zu lernen und diese erst später einzubinden.

Wir erinnern uns, wir wollen stets nur eine Schwierigkeit gleichzeitig behandeln.

Ein guter nächster Schritt sind zum Beispiel die Chord-Mastery-Übungen in F-Dur und G-Dur. Spiele diese Tonarten in allen drei Umkehrungen und denke an Say-and-Play.

Wir wollen auch für diese Akkorde eine Mind-Muscle-Connection aufbauen.

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Danach kannst du im Quintenzirkel weitergehen, und langsam die Anzahl der Vorzeichen erhöhen.

Alle 12 Tonarten

Das Flipbook unten enthält die Grund-Chord Mastery Übung in allen 12 Tonarten und ist zum einfachen Durchsuchen chromatisch angeordnet.

Diese kannst du zum ersten Erlernen zur Hilfe nehmen.

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Anmerkung zu Akkordsymbolen: Diese werden nach den im angloamerikanischen Raum üblichen Bezeichnungen notiert, also Bb und B statt B und H, sowie Gb statt Ges etc.

Anmerkung zu Tonarten: Ich persönlich bevorzuge das Denken in ♭-Tonarten. Je nach instrumentaler Vorerfahrung Kann sich das natürlich unterscheiden.

Abgesehen davon macht es natürlich Sinn, eine Chord-Mastery-Übung in Ab-Dur zunächst mit den Akkordnamen in Ab-Dur zu verknüpfen und zur selben Übung auch die Akkordnamen in G#-Dur dazuzusagen.

So übst du für langfristige Skills und Transfer

Wenn du tatsächlich in allen 12 Tonarten flüssig spielen und improvisieren willst oder Stücke nach dem ersten Hören nachspielen können willst, musst du die Akkorde auswendig draufhaben.

Deshalb ist es Chord Mastery "Best Practice", die weiteren Übungen selbst zu erarbeiten und zu finden. Denke dabei auch eher in den Stufen als in den absoluten Akkorden, dadurch kannst du das Gelernte immer und immer leichter auf neue Tonarten übertragen.

Die Say and Play Methode mit den Akkordnamen brauchen wir trotzdem, weil viele Songs sich leicht aus Leadsheets mit Akkordsymbolen lernen lassen.

Deine Chord-Mastery-Überoutine

Die 15-Minuten-Schupra-Routine

Gehen wir von 15 Minuten Übezeit pro Schupra-Block aus. Ich würde die Zeit folgendermaßen einteilen:

Erste 5 Minuten: Warm-up und grundlegende Arbeit an Akkorden und Tonarten.

Dazu kannst du zum Beispiel für einen Tag die Tonart A-Dur wählen, wenn du Adeles Stück "Someone Like You" in der Originaltonart spielen möchtest. Die konkreten Schritte wären dann:

  • Rufe dir die Tonleiter und Vorzeichen von A-Dur ins Gedächtnis.
  • Spiele die grundlegende Chord-Mastery-Übung in Grundstellung in A-Dur mit Say and Play.
  • Spiele die Übung in allen Umkehrungen.
  • Wenn du bei bestimmten Akkorden länger nachdenken musst, kannst du mehr Zeit mit diesen verbringen.
  • Wenn du schon sicher in der Tonart bist, kannst du in der rechten Hand die wechselnden Umkehrungen einbauen oder schon ein kleines Arpeggio-Pattern ergänzen.
Zweite 5 Minuten: Üben von konkreten Schwierigkeiten und Techniken, die du fürs Stück brauchst.

Beispiele können sein, ein Arpeggio in der linken Hand, ein bestimmtes Begleitpattern oder generell die Koordination beider Hände.

Konkrete Schritte sind hierbei:

  • Finde und isoliere jeweils eine Schwierigkeit auf einmal.
  • Reduziere alles andere.
  • Wende die Schwierigkeit auf die Chord-Mastery-Übung oder die Variation der I V vi IV-Akkordfolge oder die jeweilige Akkordfolge des Stücks an.
  • Erhöhe langsam die Komplexität, den Schwierigkeitsgrad oder das Tempo.
Abschließende 5 Minuten: konzentriere dich aufs Stück. Spiele es durch, singe dazu und mache Musik.

Nimm dir hier bewusst die Freiheit, nicht mehr aktiv an den technischen Schwierigkeiten zu arbeiten.

Die Arbeit haben wir bereits davor getan und der Übe-Effekt stellt sich von selbst ein, ohne dass wir weiterhin darauf pochen. Nimm dir die Freiheit, einfach Musik zu machen und schau, was passiert.

Üben für Songs und Improvisation in allen Tonarten

Der folgende Ablauf an Übungen bietet sich in jeder Tonart an, um flüssig einen Song begleiten oder improvisieren zu können:

  • Mache dir die Tonleiter bewusst und visualisiere die weißen und schwarzen Tasten auf der Tastatur.
  • Erarbeite die Chord Mastery Übung in allen drei Umkehrungen. Es kann sein, dass du etwas Zeit benötigst, die Akkorde beim ersten Mal zu finden. Nach zwei bis drei Durchgängen wirst du flüssiger.
  • Spielen der Chord Mastery Übung mit der Say and Play Methode.
  • Spiele die Chord-Master-Übung nun mit den wechselnden Umkehrungen. Hier musst du die Akkordnamen nicht mehr dazu sagen.
  • Gehe nun zur I V vi IV-Akkordfolge über. Finde zunächst die Akkorde und mache dich der Stufen und Akkordnamen bewusst.
  • Spiele die Akkorde zunächst wie in der Chord-Mastery-Übung jeweils alle in Grundstellung, danach alle in erster Umkehrung sowie alle in zweiter Umkehrung.
  • Spiele, wie vorhin, die I V vi IV-Akkordfolge mit den wechselnden Umkehrungen für jeden Akkord.
  • Spiele dann alle drei Stimmführungswege der I V vi IV-Akkordfolge mit den korrekten Fingersätzen und den alternativen 1, 2, 4-Fingersätzen an den entsprechenden Stellen.

Tool zum Üben von Akkorden (Chord-Mastery-Flashcards)

Das Tool unten eignet sich super, um sein Akkordwissen in verschiedenen Tonarten zu überprüfen.

Ich empfehle dir zunächst die Chord-Mastery-Übungen in einer Tonart zu machen und danach mit dem Tool das schnelle Abrufen zu testen und eine weitere Verknüpfung zu schaffen.

Du kannst deine gewünschte Tonart und Umkehrungen auswählen und dann die auf den Karten angezeigten Akkorde möglichst schnell auf dem Klavier finden.

Ein kleines Quiz zum Abschluss

Ich hoffe, dieser Kurs konnte dir zeigen, dass es auch für Schupra und Popklavier tolle Übemethoden gibt, mit denen man sich Schritt für Schritt verbessern kann.

Nimm die Zeit für die Übungen, mache sie regelmäßig und experimentiere damit.

Finde deine eigenen Variationen und Kombinationen und wende sie auf die Stücke an, die du gerade lernst.

Viel Freude beim Spielen und Ausprobieren!

Vincent