Die Benennung der Töne

  • Warum benennt man Töne mit Tonsilben?
  • Warum heißt das b nicht hes?
  • Warum wird im Englischen das h als b bezeichnet?
  • Gibt es ein Unterschied zwischen c4 und dem eingestrichenen c'?

Um die heutige, manchmal etwas verwirrende Benennung der Töne zu verstehen, ist es hilfreich, etwas über die Geschichte des Tonsystems zu wissen. Hier erfährst du mehr darüber.

Inhalt

Historisches

Relative Benennungen

Warum benennt man Töne mit Tonsilben?

Tonsilben wie fa und mi haben ihren Ursprung in der mittelalterlichen Musiktheorie. Damals wurde Kindern das Lernen gregorianischer Choralmelodien über Tonsilben beigebracht, die dem Johannes-Hymnus entlehnt waren:

Quelle: Wikimedia

*Ut queant laxis / resonare fibris / mira gestorum / famuli tuorum / solve polluti / labii reatum / Sancte Iohannes.

Der Trick bestand darin, den Johannes-Hymnus so gut auswendig zu können, dass man bei sich bei einer Silbe den dazu gesungenen Ton und auch das ganze Tonumfeld dieses Tons innerlich vorstellen konnte.

Bestandteile des Systems waren zudem drei Hexachorde mit einem identischen Aufbau (Gt – Gt – Ht – Gt – Gt) über den Tönen g, c, und f.

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Beim Singen von mi konnte man beispielsweise über das vorgestellte Tonumfeld innerlich hören, dass über dem mi eine Halbtonschritt und darunter ein Ganztonschritt erklingen muss. Beim Singen des Tons fa wiederum konnte man sich den Halbtonschritt darunter und den Ganztonschritt darüber innerlich hören. Da eine solche Tonbenennung vollkommen unabhängig von den konkreten Tönen und Tonhöhen war (einen mi-Charakter hat unter den Tönen der weißen Tasten sowohl der Ton e als auch der Ton h), spricht man im Zusammenhang von einer solchen Tonbenennung auch von einer relativer Solmisation.

Warum heißt das b nicht hes?

Jeweils zwei Hexachorde wurden überlappend zu Skalen kombiniert. Die Skala aus den Tetrachorden naturale und durus aus hieß scala durus, die aus den 'Tetrachorden naturale und mollis wurde scala mollis genannt. Die Namensgebung orientierte sich an dem Ton b, den es in mit einer hart gespannten Saite (b durus bzw. unserem heutigen h) und einer weicher gespannten Saite (b mollis bzw. dem heutigen ♭) gab.

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Mithilfe dieser beiden Skalen ließ sich der damals verfügbare Tonraum vollständig erschließen. In der damaligen Musiktheorie gab es den Ton b also zweifach bzw. in zwei Versionen, wobei im Gegensatz zu heute ein Ton nicht als chromatische Variante des anderen angesehen wurde. Beide Versionen waren gleichberechtigt, weshalb b früher als Doppelstufe bezeichnet wurde.

Warum wird im Englischen das h als b bezeichnet?

In dem im Vorangegangenen Gesagten bzw. der Geschichte liegt auch die Wurzel für die unterschiedliche Benennung des Tons b im Deutschen und Englischen (und weshalb die Bezeichnung hes zwar unüblich, jedoch nicht falsch ist). Denn im Englischen ist die Bezeichnung b am b durus orientiert, also dem Ton h und für die Tiefalteration verwendet man den Zusatz b flat oder b♭. Im Deutschen dagegen orientiert sich die Benennung des Tons b am b mollis bzw. an dem Ton ♭, während man für die Hochalteration den Buchstaben h verwendet.

Merksätze:

  • Im Englischen bezeichnet b den Ton b durum (also im deutschen Verständnis ein h). Das b mollis dagegen wird mit den Zusatz flat oder dem ♭-Zeichen gekennzeichnet.
  • Im Deutschen bezeichnet das b den Ton b mollis (also im englischen Verständnis ein b flat), wobei das b durum als h bezeichnet wird.

Mehr über das europäisch-westlich Tonsystem kannst du hier und über die Tonarten (Modi) in diesem System (alte Tonarten bzw. Modi) hier erfahren.

Aktuelles

Gibt es ein Unterschied zwischen c4 und dem eingestrichenen c'?

Nein, den gibt es nicht. Jedoch können moderne Benennungen verwirrend sein, da sie unterschiedlichen Systematiken folgen.

Helmholtz

Hermann von Helmholtz war ein Universalgelehrter im 19. Jahrhundert, der Verbindungen sah zwischen Medizin, Physik und Chemie. Mit seinem Buch Die Lehre von den Tonempfindungen schuf er eine bis heute aktuelle Basis zur wissenschaftlichen Analyse und Benennung von Klängen bzw. Oktavlagen:

Scientific pitch Notation (SPN)

In der wissenschaftliche Tonhöhennotation ( SPN ), die auch als amerikanische Standardtonhöhennotation (ASPN) oder internationale Tonhöhennotation (IPN) bezeichnet wird, erfolgt die Angabe der Tonhöhe durch die Kombination eines Notennamens (gegebenenfalls mit Vorzeichen) und einer Zahlenangabe für die Oktave (von 0 bis 8):

Tabellarische Übersicht

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die unterschiedliche Benennung des Tons c sowie der 6 darüber liegenden Stufen in den verschiedenen Oktavlagen:

Oktave

subcontra

contra

groß

klein

eingestr.

zweigestr.

dreigestr.

viergestr.

fünfgestr.

Noten

Hemholtz

C,,

C,

C

c

c'

c''

c'''

c''''

c'''''

Hemholtz

C₂

C₁

C

c

c⁴

c⁵

Scientific pitch notation (SPN)

C0

C1

C2

C3

C4

C5

C6

C7

C8

ABC Notation

C,,,,

C,,,

C,,

C,

C

c

c'

c''

c'''

Die Tabelle zeigt, dass c4 und c' denselben Ton bezeichnen. Doch auch diese Bezeichnungen sind relativ, weil die exakte Frequenz für die einzelnen Töne nicht feststeht.

Absolute Benennungen

Absolut wird die Benennungen von Tönen erst dann, wenn sie an eine eindeutig fixierte physikalische Eigenschaft gekoppelt werden. Das geschieht mithilfe sogenannter Stimmungen.

  • In der philosophischen-, Sauveur- oder Verdi-Stimmung wird für das c eine Frequenz von 256 Hertz (Hz) festgelegt.
  • In einer internationalen Konferenz hat man sich 1939 auf den in vielen Ländern gültige Standard-Kammerton oder Normalstimmton geeinigt. Nach diesem Standard erklingt das eingestrichene a mit 440 Hz, wodurch sich im gleichstufig-temperierten System für das eingestrichene c der Wert von 261,63 Hz ergibt.
  • Aktuell (2026) wird in deutschen und österreichischen Sinfonieorchestern das eingestrichene a aus klanglichen Gründen höher gestimmt (auf 443 Hz), was aus instrumentenbaulicher Sicht für ältere Streichinstrumente aufgrund der höheren Saitenspannung als problematisch angesehen wird.
  • Im 16. Jahrhundert konnte die Stimmung um bis zu vier Halbtöne tiefer oder um bis zu drei Halbtöne höher als heute liegen.
  • Um 1750 bzw. in der Mitte des 18. Jahrhunderts schwankten die Stimmungen immerhin noch in einem Bereich von ein bis zwei Halbtönen.
  • Um 1850 bzw. in der Mitte des 19. Jahrhunderts reduzierten sich diese Schwankungen auf einen Halbton, wobei in Österreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden tendenziell höhere, in Frankreich und England eher tiefere Stimmtöne bevorzugt worden sind.