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Beatbox Workshop

Dieses Dokument dient als Begleitmaterial zum Beatbox-Workshop des ChorIMPULS am 02.05.2026 im Bürgerhaus Unterföhring. Es eignet sich aber auch als Einstieg in das Thema Beatbox für allgemeinbildende Schulen, Chöre oder interessierte Musiker*innen.

Inhalt

Überblick

Human Beatbox ist die Kunst, mit dem eigenen Mund, den Lippen, der Zunge und der Stimme Schlagzeugrhythmen, Sounds und musikalische Effekte nachzuahmen. Ursprünglich entstand Beatboxing in der Hip-Hop-Kultur und entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunstform.

Gerade in a cappella Bands und Pop-Chören sind Beatboxer*innen nicht mehr wegzudenken, da sie die notwendige Brücke zum gewohnten Pop/Rock/Jazz-Sound der instrumentalen Originale schlagen.

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Quelle: YouTube

Schlagzeugnotation im Allgemeinen

Die Notation für Schlagzeug und Drumset ist nicht vollständig standardisiert. Zwar existieren verbreitete Konventionen – etwa die Verwendung unterschiedlicher Notenkopf-Formen zur Unterscheidung von Trommeln und Becken – sowie Empfehlungen von Fachorganisationen wie der Percussive Arts Society, jedoch variieren insbesondere die Zuordnung der Instrumente zu den Notenlinien je nach Kontext, Verlag und musikalischem Stil.

Legende Schlagzeugnotation

Die Architektur eines Grooves

In der Musik bezeichnet ein Groove das rhythmische Zusammenspiel verschiedener Instrumente, besonders von Schlagzeug und Bass, das einem Stück seinen charakteristischen Puls und seine Bewegung verleiht.

Auf die Drums bezogen, entsteht der Groove durch das Zusammenspiel von Kick, Snare, Hi-Hat/Ride sowie durch Timing, Dynamik und Akzentuierung.

Die rhythmische Struktur eines Grooves lässt sich unter anderem durch die Begriffe Downbeat, Backbeat und Offbeat beschreiben, die verschiedene Arten von Betonungen innerhalb eines Taktes bezeichnen.

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst, kannst du hier weiterlesen: Pop-Grooves verstehen

Begriffsklärung
  • Downbeat
    • schwere Zählzeiten eines Taktes, in der Regel 1 und 3
    • dient als rhythmischer Orientierungspunkt
    • bildet häufig den Ausgangspunkt für Groove und Phrasierung
  • Backbeat
    • Betonung auf den normalerweise schwächeren Zählzeiten, meist 2 und 4
    • oft durch die Snare gespielt
    • erzeugt den charakteristischen antreibenden Puls vieler Grooves
  • Offbeat
    • Betonungen zwischen den Hauptzählzeiten (z. B. auf den „Und“-Zählzeiten)
    • sorgt für Spannung und rhythmische Bewegung
    • häufig Grundlage für Synkopen und komplexere Grooves
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Standard Drum Groove mit Variationen

Grooves wie diese sind mit Human Beatbox nicht vollständig umsetzbar, da sich die Sounds welche am Schlagzeug z.B. von Hand und Fuß gleichzeitig erzeugt werden nicht beliebig mit dem Mund kombinieren lassen.

Daher funktionieren Beatbox-Grooves meist als Linear Grooves.

Groove mit Variationen als Linear Groove (keine Überlappung von Sounds)

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Beat Box Groove mit verschiedenen Mikrofonen

Lizenz: CC0-1.0

Groove mit Teils überlappenden Sounds

Der Bassdrumsound lässt sich z.B. durch ein Tiefes "Dm" (im idealfall mit einem leichten glissando angehängt) ersetzen. Dies ermöglicht eine gleichzeitige HiHat.

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Eine einfache Möglichkeit Abwechslung in den Groove zu bekommen, besteht darin, für den Backbeat zwischen Rimclick und offenem Snaresound zu wechseln. So lässt sich z.B. eine Steigerung vom Verse zum Chorus gestalten.

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... und wann hole ich Luft?

Die Atmung ist beim Beatboxen entscheidend für eine kontinuierliche Klangqualität und sauberes Timing. Anders als beim Gesang, kann das Geräusch der Einatmung aber gezielt in den Groove integriert werden. Wir nutzen ein stark zwischen den Zähnen eingezogenes "H" als Ersatz für die HiHat "z". Dies kann man gleichzeitig auch als offenen HiHat-Sound nutzen und letztlich Atmung mit neuen Groove-Varianten kombinieren.

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Lizenz: CC0-1.0

Die Notwendigkeit einer so deutlichem Atemstelle hängt natürlich vom Groove und vom Tempo ab. Sobald man auf das Beatboxen mit Mikrofon umsteigt, relativiert sich die Atemnot auch, weil die Sounds weniger durch explosive Atempulse, vielmehr durch eine effiziente Artikulation mit Lippen und Zunge erzeugt werden. Nach und nach gelingt es, automatisiert durch die Nase zu atmen.

Mit oder ohne Mikro?

Beatboxen mit und ohne Mikrofon unterscheidet sich vor allem in Lautstärke, Klangbild und Einsatzbereich.

Ohne Mikrofon liegt der Fokus auf reiner akustischer Kontrolle. Der Beatboxer muss seine Sounds sehr klar und kräftig erzeugen, damit sie auch ohne Verstärkung gut hörbar sind. Dabei wirken tiefe Bässe oft weniger dominant, und feine Details können leichter verloren gehen, besonders in größeren Räumen oder vor Publikum.

Mit Mikrofon dagegen werden die Sounds verstärkt und deutlich präsenter. Dadurch lassen sich Bässe, Effekte und leise Nuancen viel stärker hervorheben. Viele Beatboxer nutzen das Mikro auch kreativ, zum Beispiel durch Nahbesprechungseffekte, Verzerrungen oder den gezielten Umgang mit Abstand und Technik, um neue Klangfarben zu erzeugen.

Kurz gesagt: Ohne Mikrofon zählt vor allem natürliche Lautstärke und Präzision, mit Mikrofon dagegen Klanggestaltung und technische Möglichkeiten.

Welches Mikrofon?

Verschiedene Mikrofonbauweisen bringen Vor- und Nachteile mit sich. Grundsätzlich lässt sich jedes Mikrofon verwenden und der Klang durch einen passenden Channel-Strip im Mischpult anpassen. Zwei Faktoren lassen sich aber festmachen

  1. Das Mikrofon muss mit dem relativ hohen Luftdruck umgehen können. Ein (teures) Kleinmembran Kondensator wird z.B. nur ploppen und krachen weil es nicht für so hohen Luftdruck konstruiert ist.
  2. Höherwertige (Hand)-Mikrofone bilden ein breiteres Frequenzspektrum sauber ab, die einzelnen Sounds werden also nicht in einem "Mitten-Mumpf" verschwinden sondern klar von einander zu unterscheiden sein.

Die Groove-Varianten von oben wurden hier mit 4 verschiedenen Mikrofonen aufgenommen.

  • t.bone MB7 Beta - ein günstiges Broadcaster Mikrofon
  • t.bone MB85BETA - ein günstiges dynamisches Handmikrofon
  • Røde NT1-A - ein relativ preiswertes Großmembranmikrofon (incl. Popschutz)
  • Sennheiser EW-D 865 - ein höherwertiges Kondensatormikrofon

Die Aufnahmen wurden jeweils mit einem Gate, EQ, Compressor und Sub-Bass im Channelstrip versehen.

Vergleiche im Mehrspurplayer die Mikrofone untereinander und mit sowie ohne Effekten.

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Das Sahnehäubchen - Beatbox + Gesang

Beatboxen beschränkt sich nicht auf das Nachahmen von Drumsounds. Man kann als einzelne Person ganze Songs nachstellen. Dazu gehört eine gute Portion Koordination, ein paar Tricks in der Artikulation und zu guter letzt auch ein wenig Psychoakustik.

Der folgende kleine Jingle zum chorIMPULS zeigt, wie sogar Text integriert werden kann. Sobald die Beatbox den Text überlagert, wird dieser genau betrachtet nicht mehr gesprochen. Die Hörer*innen werden den text aber weiter verstehen, wenn sie ihn zuvor alleine gehört haben.

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Jingel ChorIMPULS

Eine erste Grundübung kombiniert einen gesummten Ton mit verschiedenen Schmatz-und Klicklauten der Zunge. Durch das gesenkte Gaumensegel strömt die Luft aus der Lunge – und damit der klingende Ton – nur noch durch die Nase aus. Der Mundraum ist also frei für die Schlagzeugsounds, die aber ohne Luftdruck aus der Lunge funktionieren müssen.

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Summen und HiHat gleichzeitig

Das "z" wird erzeugt indem die Zunge schmatzend vom vorderen Gaumen, direkt hinter den Schneidezähnen gesaugt wird. Mit etwas Übung lassen sich auch alle möglichen weiteren Laute ohne Luftstöße aus der Lunge bilden.

  • P für Bassdrum – die Lippen werden nur leicht gespannt und mit einem Ploppen nach außen gestülpt
  • pf für Snare – die Luft für das f wird mit der Zunge nach außen geschoben
  • k für Rimclick – das k dient nur als Erinnerung für den Klang, kann aber nicht wie der Konsonant beim normalen Sprechen gebildet werden. Stattdessen "schnalzt" die Zunge am Gaumen oder auch in den Backen. Ein gedachtes "ch" hinter dem "k" kann den Snareteppich noch besser hörbar machen.

Im Folgenden einige (teils bekannte) Beispiele.

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Walking Bass

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Michael Jackson – Billie Jean

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Michael Jackson – They don't really care about us

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Usher - Yea!